Der Frei-Wild-Frontmann glaubt, dass mit dem neuen Album „ein wahrlich großes Werk gelungen ist, das eine übermäßig große Zahl an verdammt starken Hymnen beinhaltet“. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Sie gehen seit 20 Jahren gemeinsam durch „Feuer, Dreck und Scherben“ (O-Ton), werden gefeiert, werden kritisiert, werden boykottiert. Aufgehalten hat Philipp Burger, Jonas Notdurfter, Christian Forer und Jochen Gargitter, kurz Frei.Wild, dennoch nichts. <BR /><BR /><BR /><b>Warum haben Sie diesen eigenartigen Titel für das Jubiläumsalbum gewählt?</b><BR />Philipp Burger: Der Titel drückt auf leicht provokante Art das aus, was wir uns in den Band-Kinderschuhen als kleine Zielflagge gesteckt haben: Wir wollten auch im Ausland auftreten, es eben auch in Deutschland schaffen. Ohne große Ambitionen, einfach raus in die Welt schreiten. Dass der Titel dann eigentlich dreideutig zu verstehen ist, hat uns ebenso gefallen. Er geht auf Angela Merkels sehr umstrittenes „Wir schaffen das“ ein, vor allem aber nimmt er die bei vielen Deutschen sofort aufkommende Schnappatmung aufs Korn, wenn Frei.Wild mal wieder beim Echo, in den Charts oder eben on the road war. <BR /><BR /><b>Sie lassen mit den Album-Songs 20 Jahre Bandgeschichte Revue passieren. Welches ist für Sie persönlich der wichtigste Song?</b><BR />Burger: Für mich ist der Song „Trotzdem weitergehen“ der wichtigste, bandnaheste, prägendste aber vor allem auch stadiontauglichste Song des Albums. Wie der Titel schon sagt, können wir Menschen echt viel ertragen. Ob nun private Welten einbrechen, beruflich alles abfackelt, die Gesundheit und Lebenslust um Hilfe schreit, was am Ende wirklich zählt, sind diese Worte, diese Haltung, die für Hoffnung stehen: „Es muss trotzdem weitergehen“ erzählt genau solche Wege auf.<BR /><BR /><embed id="dtext86-51938581_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>In (Frei.Wild-)Songtiteln ausgedrückt: Wie wurde aus der Brixner Provinzband die erfolgreichste Deutschrockband ?</b><BR />Burger: Ich muss mich kurz sortieren, aber in etwa so könnte es funktionieren: 4 „Halbstark, laut und jung“-e „Gipfelstürmer“ mit „Heimat im Herzen und Neuland im Blut“, machten am Anfang zwar nur „Alarm im Proberaum“, holten sich trotz „Schwarzem Septemberregen“, gar einiges an „Echo Platin und Gold“. Und stehen heute in ein und derselben Besatzung „20 Jahre Seite an Seite“. Sie sagten sich, sie spielen einfach „Nur Lieder, die das Herz berühren“ und waren für viele bald „Mehr als eine Sünde“. Für viele anderen stehen sie 2021 für „Freiheit, Freundschaft und Brüderlichkeit“. Das Jubiläumsalbum heißt „Wir schaffen Deutsch.Land“ und „Was dann kommt, werden wir sehen“ (lacht).<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="714569_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie viele Songs auf dem Album sind Ihren Kritikern gewidmet?</b><BR />Burger: Wenn man es genau nimmt, eigentlich so gut wie gar keine. Unsere größten Kritiker sind wir selbst, und selbst darin sind wir faul geworden (lacht). Nein im Ernst, irgendwann haben wir erkannt, dass jeder Mensch anders aufgewachsen, erzogen, von anders denkenden Menschen umgeben ist. All das prägt das Weltbild, bzw. die eigene Denkwerkstatt. Es macht somit keinen Sinn, sich auf dieser politischen Spielwiese mit wahrlich sehr diskussionsresistenten Menschen aufzureiben. Wir singen, was uns richtig und wichtig erscheint, tun, was wir wollen und respektieren auch die Meinung anderer. Gut finden müssen wir sie natürlich dennoch nicht, andersrum gilt das ebenso. Aber klar, der permanente Gegenwind hat unser Nervenkostüm gefordert, vielleicht auch gestärkt. So etwas in der Art wird durchaus auch auf diesem Album thematisiert. <BR /><BR /><b>Sie bezeichnen „Wir schaffen Deutsch.Land“ als das „Das beste Frei.Wild-Album aller Zeiten“. Mögen Sie ihre bisherigen Alben nicht?</b><BR />Burger: Oh doch, ich liebe jedes einzelne Werk, jeden Ton, und das von Anfang bis jetzt. Aber ich glaube, dass uns mit „Wir schaffen Deutsch.Land“ ein wahrlich großes Werk gelungen ist, das eine übermäßig große Zahl an verdammt starken Hymnen beinhaltet. Zudem sind für Musiker ihre aktuellen Werke fast immer die beliebtesten.<BR /><BR /><b>„Wo es sich am besten anfühlt“</b><BR /><BR /><BR /><b>Ein Album, ein Buch im Großformat inklusive Hörbuch, Videos laufen seit Sommer auf Youtube, ein ausverkauftes Jubiläumskonzert, eine Jubiläumshymne – Was ist noch geplant?</b><BR />Burger: Ein feines, ruhiges und vor allem familiäres Jahresende. Wir glauben einfach, dass wir hier und jetzt genau dort angekommen sind, wo es sich am besten anfühlt. Irgendwo zwischen Dankbarkeit über all das Erreichte und dem zwanglosen „Lass uns einfach weiter machen und schauen, was geht“. <BR /><BR /><b>Wie werden die nächsten 20 Jahre? Noch lauter, noch wilder? Oder wird Frei.Wild zahmer?</b><BR />Burger: Ich glaube, wir werden noch viele tolle Jahre zwischen Lärm, tollen Menschen, unvergesslichen Konzerten und auch sonst schönen Erlebnissen haben. Aber um die Wahrheit zu sagen, wir haben durchaus etwas an Übermut und Selbstüberschätzung abgelegt, auch etwas an Lust auf Scharmützel und Krieg verloren, und das wird man sicher auch in den Liedern spüren. Aber hey, wir alle werden nicht jünger, werden auch weiterhin auch Ecken und Kante suchen, wenn auch wir heute erst von unserem schönsten Frühherbst unserer Jugend sprechen (lacht).<BR />