Samstag, 28. August 2021

Wolfgang Ambros: „Ich genieße jeden Tag“

Der österreichische Musiker Wolfgang Ambros ist zurück in Südtirol: Am heutigen Samstag steht er in Dorf Tirol auf der Bühne. Im Gespräch mit STOL gibt Ambros einen Einblick in seine Erfahrungen als Musiker, seine Zeit im Lockdown und seine Sicht auf seine lange Karriere.

Wolfgang Ambros ist zurück in Südtirol und freut sich auf sein Konzert in Dorf Tirol.
Wolfgang Ambros ist zurück in Südtirol und freut sich auf sein Konzert in Dorf Tirol. - Foto: © Wolfgang Ambros
Wolfgang Ambros, einer der bekanntesten Musiker Österreichs, gibt heute, am 28. August, um 19 Uhr, ein Konzert auf dem Festplatz in Dorf Tirol. 2018 hat er bereits in Sterzing seine Lieder zum Besten gebracht. Seit 50 Jahren spielt und singt er sich in die Herzen seiner Fans mit Titeln wie „Zwickt's mi“ und „Skifoan“. Im Interview mit STOL erzählt der erfolgreiche Liedermacher von seinen Erfahrungen im „Corona-Jahr“, der Entwicklung seiner Karriere und welche Ereignisse ihm besonders im Kopf geblieben sind.

Interview: Lena Messmer

STOL: Herr Ambros, am heutigen Samstagabend treten Sie in Dorf Tirol auf. Freuen Sie sich darauf?

Ambros: Ja! Es ist immer was Besonderes, weil es eben nicht so oft passiert. Es war immer nett und es gab bisher immer sehr liebes Publikum, deshalb sind wir diesbezüglich guter Dinge. Wir haben gehört, dass das Konzert gut besucht ist und das freut uns sehr.

STOL: Welcher war der schönste Ort, an dem Sie aufgetreten sind und warum?

Ambros: Ich tu mich ein bisschen schwer mit Superlativen wie das Schönste, das Größte, das Beste und so… Aber es gab ein besonders unvergessliches Ereignis im Jahr 1986. In diesem Jahr war das große Protestkonzert in Wackersdorf in der bayrischen Oberpfalz-Nord, wo eine Atomwiederaufarbeitungsanlage geplant wurde. Die Bevölkerung wollte sich aber zur Wehr setzen. Auch ich wurde gefragt, ob ich beim „Anti-WAAhnsinns-Festival“ mitmachen will und natürlich war ich dabei. Als wir in Wackersdorf ankamen, war alles abgesperrt und es wurden schwere Kontrollen durchgeführt. Ich glaube, da waren sicher Hunderttausende Menschen und eine große Bühne, auf der wir und auch andere Bands und Sänger einen Auftritt hatten. Wir haben wirklich unser Bestes gegeben, die Menschen waren hin und weg und tatsächlich wurde diese Anlage nicht gebaut. Das war ein großer Erfolg und dieses Konzert werde ich nie vergessen.

STOL: Wie haben Sie das Corona-Jahr und die Zeit danach verbracht?

Ambros: Ich hatte das Gefühl, dass die Zeit einfach nicht vorbeigeht und habe versucht etwas Sinnvolles zu tun. Dann hieß es, es geht wieder los und schlagartig war der Terminplan wieder voll. Wir sind wieder losgefahren und haben auch schon etwa 30 Konzerte gespielt seither. Bis jetzt war es ein permanentes Herumreisen. Um ehrlich zu sein hätte ich mir nie erwartet, dass es so turbulent werden würde.





STOL: Wie war es, als Musiker auf einen Schlag nicht mehr auftreten zu dürfen?

Ambros: Ich war in Schockstarre! Ich konnte es einfach nicht glauben und habe wirklich eine Weile gebraucht, bis ich tatsächlich begriffen habe, was los war und wie die Situation sich wirklich darstellte. Wir waren gerade am Anfang einer Tournee, hatten ein gutes Programm, das wir einige Male durchgespielt hatten, waren bester Dinge und auf einmal war das schlagartig vorbei! Es hieß „Nix geht mehr“ und das wir haben eine Zeit lang nicht richtig begriffen. Und, dass keiner sagen konnte, wann und wie es weitergeht, war schon deprimierend. Wir haben zwar im Kollegenkreis sehr viel telefoniert und uns ausgetauscht, das hat auch geholfen, aber irgendwann wusste man nicht mehr, was man sagen sollte und hat das auch ein wenig vergehen lassen. Ich habe in der Zeit einige Texte verfasst, aber die möchte ich nicht veröffentlichen. Alles in allem war die Zeit nicht so schlimm. Es war zwar schlimm, nicht arbeiten zu können, aber ich hatte mein Haus im Dorf und sonst kein großes Problem. Ich war oft im Garten. Jetzt läuft es wieder wunderbar und ich hoffe es geht eine Zeit lang so weiter, denn wenn sich die Situation wiederholen würde, wüsste ich nicht, ob ich weitermachen würde. Wahrscheinlich würde ich das zum Anlass nehmen, um aufzuhören. Aber momentan bin ich wirklich guter Dinge! Ich genieße jeden Tag.

STOL: Sie haben Ihre Musikkarriere im jungen Alter von 19 Jahren begonnen: Wenn Sie Ihrem damaligen Ich gegenüberstehen und einen Rat geben könnten, welcher wäre es?

Ambros: Ich würde mir und auch jedem anderen Menschen in derselben Situation raten: „Bleib du selbst! Lass dich nicht verbiegen und lass dich nicht dazu bewegen, etwas anderes zu tun als das, was du willst!“ Ich habe immer versucht das zu beherzigen und bin ein konsequenter Mensch. Man kann mir viel nachsagen, aber dass ich ein Fähnchen im Wind wäre, stimmt einfach nicht.

STOL: Wenn Sie nicht Musiker geworden wären, was wäre jetzt Ihr Beruf?

Ambros: Das will ich mir gar nicht vorstellen. Mit 19 Jahren war ich fest entschlossen das zu werden, was ich heute bin. Deshalb habe ich keine Gedanken an einen Plan B verschwendet.

STOL: Hätten Sie rückblickend auf Ihre Karriere etwas anders gemacht?


Ambros: Nein, um Gottes Willen. Wenn man noch jung ist, träumt man natürlich vom internationalen Erfolg, aber das wäre eine unsichere Option gewesen. Ende der 70er-Jahre war ich ein halbes Jahr in Amerika, aber dann hat mich die Sehnsucht wieder nach Hause getrieben und ich habe meine Karriere dort wieder fortgesetzt. Das ging damals noch, ist aber heute wahrscheinlich gar nicht mehr denkbar. In meiner Anfangszeit hatte man weitaus mehr Zeit und Muse, die Karriere zu planen und Dinge zu lernen, die wichtig sind, wenn man Erfolg haben wollte. Heutzutage ist es eher so, dass der Erfolg zwar schnell da ist, aber auch schnell wieder weg sein kann. Ich bin viel gereist in meinem Leben und war überall auf der Welt, aber wie es sich erwiesen hat, war es das Klügste und auch das Richtige für meine Karriere, im deutschsprachigen Raum zu bleiben.

STOL: Heuer feiern Sie Ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum: Wie empfinden Sie das?

Ambros: 1971 hatte ich meinen „Durchbruch“, auch wenn ich das Wort nicht mag. Ich habe mich seither nie wirklich besonders um die Zukunft geschert. Die sich ergebenden Gelegenheiten habe ich genutzt und was ich mir vorgenommen habe, wurde in die Tat umgesetzt. Die Mechanismen waren damals anders als heutzutage - aber Erfolg oder Misserfolg: Die Kriterien waren immer die gleichen.

STOL: Haben Sie Wünsche, die Sie sich in Ihrer Karriere noch erfüllen möchten?

Ambros: Nein. Ich genieße das Leben, so wie es mir entgegenkommt. Es gibt nichts, was ich noch unbedingt erreichen möchte, weil ich das, was ich erreichen wollte, schon erreicht habe.

STOL: Haben Sie ein „Ritual“, das Sie vor und nach jedem Auftritt durchführen?

Ambros: Nein, nicht wirklich. Wenn es sich ergibt sitzt man noch zusammen und trinkt ein Glas Wein. Ein festgelegtes Ritual gibt es nicht.





STOL: Welcher Muse verdanken Sie die Inspiration für Ihre Musik?

Ambros: Die Inspiration kommt einfach. Es fühlt sich an wie ein Vulkan vor dem Ausbruch: Plötzlich hat man ein Thema im Kopf, setzt sich hin und beginnt zu schreiben oder auf der Gitarre zu komponieren. Und plötzlich wird ein Album daraus, dass sich irgendwie im Titel manifestiert. Der Entstehungsprozess ist spannend, aber sehr schwer zu beschreiben.

STOL: Sie werden immer wieder als einer der bedeutendsten Musiker Österreichs bezeichnet. Was sagen Sie dazu, wie sehen Sie das?


Ambros: Ich habe mich im Laufe der Jahre daran gewöhnt. Ich denke, dass man sich in der Öffentlichkeit zu benehmen hat und dass ich der Bekanntheit meiner Person verpflichtet bin, sprich meinem Namen Ehre mache.





STOL: Was würden Sie aufstrebenden Musikern, die am Anfang ihrer Karriere stehen, raten? Vor allem in Zeiten wie diesen?

Ambros: Egal in welche Richtung man sich entwickeln will: Wesentlich ist, dass man etwas Unverwechselbares darstellt. Niemand braucht Nachahmer. Jeder, der ernsthaft beginnen möchte, sollte sich dessen bewusst sein. Wenn man Cover-Sänger sein will, kann man auch Geld damit verdienen, aber wenn man was Eigenes machen möchte, sollte es einen Wiedererkennungswert und eine eigene Persönlichkeit haben. Wenn du was erreichen willst, musst du deine eigene Individualität ausschöpfen - dann wird es interessant für die anderen.

lmn