<b>Am kommenden Freitag kommen Stücke von Bach und Telemann zur Aufführung. Worin besteht die Herausforderung, diese beiden großen Barock-Komponisten gegenüberzustellen?</b><BR />Jonas Zschenderlein: Ich finde es äußerst interessant, die beiden Komponisten in einem Konzertprogramm gegenüberzustellen. Dabei soll es keinesfalls um einen Vergleich gehen. Vielmehr möchten wir sie gleichauf nebeneinander präsentieren und die beiden völlig unterschiedlichen Stile zeigen. Telemann und Bach kannten sich und verstanden sich gut miteinander (Telemann war z.B. Patenonkel von Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel) und lebten eigentlich auch nicht so weit voneinander entfernt. Trotzdem waren sie sehr gegensätzliche Persönlichkeiten, was sich auch in der Musik widerspiegelt und daher eine besondere Herausforderung darstellt, sie in einem Programm zu vereinen. Telemann ist für mich spontaner und freier, Bach dagegen hat mehr Tiefe. Ich denke aber, dass gerade dieser Unterschied für das Publikum auch interessant ist.<BR /><BR /><b>Herr von Heissen Sie spielen Cembalo. Wie kam es dazu, was vielleicht nicht die naheliegendste Instrumentenwahl ist?</b><BR />Alexander von Heißen: Angefangen habe ich mit Klavier, und als ich 13 Jahre alt war, ging es in der Vorbereitung für einen Wettbewerb dann mal um Barockmusik. Da habe ich mich bei einem Spezialisten für diese Musik an ein Cembalo gesetzt, und das hat mich sofort beeindruckt. Ich fand vor allem interessant, dass jedes Instrument komplett verschieden ist. Beim Klavier gibt es einen gewissen Standard. So individuell wie die Instrumente sind dann auch die Gegebenheiten in den unterschiedlichen Generalbass-Stilen. Da hat man als Cembalist aufgrund der wenigen Angaben vom Komponisten natürlich eine gewisse Freiheit, aber auch eine große Verantwortung in Übereinstimmung mit den Quellen, eine gute Lösung zu finden.<BR /><BR /><b>In der SONATA III E-Dur, BWV 1016 gibt es eine Stelle, wo die Violine über das Cembalo ein Art „Sprechgesang“ entfaltet, ein instrumentales Arioso. Wie wirken Violine und Cembalo in diesem und den anderen 3 Stücken zusammen?</b><BR />Zschenderlein: Es sind natürlich völlig unterschiedliche Instrumente mit ganz verschiedenen Möglichkeiten. Das Cembalo ist in der Dynamik beschränkter, hat im Prinzip nur „kurze“ Töne, spielt dafür mehrstimmig. Die Violine ist vielleicht mehr effektbasiert und ausdrucksstärker. Gerade dieser Gegensatz macht aus den beiden Instrumenten eine geniale Kombination. In diesem Programm ist keins der beiden Instrumente dominierend, da die Stücke sehr abwechslungsreich sind und von jedem etwas fordern. Bei Bach hat das Cembalo oft mehr zu tun, bei Telemann ist die Violine die Solostimme, jedoch fungiert das Cembalo hier als einziges Continuo-Instrument und ist daher auch sehr wichtig. <BR /><BR /><b>Georg Philipp Telemann sah das Erzählen als Aufgabe der Musik. Was können uns die beiden Stücke erzählen, die Sie im Rahmen von Antiqua spielen werden?</b><BR />Zschenderlein: Telemanns Musik ist deshalb so genial, da sie unglaublich gut auf die Instrumente, für die er sie komponiert hat, abgestimmt ist. Er selbst war ein Multitalent und konnte die meisten seiner Werke wahrscheinlich selbst spielen. Somit wusste er genau, was auf einem Instrument gut klingt und was nicht. Das wiederum hat zur Folge, dass auch die Aussagekraft auf einem extrem hohen Niveau ist – das, was er ausdrücken möchte, lässt sich oft mühelos darstellen. Was nicht heißt, dass die Stücke einfach sind… Es bleibt umso mehr Platz, seine eigenen Ideen einzubringen und der Kreativität freien Lauf zu lassen. Da ist man bei Bach etwas eingeengter, was aber auch nicht negativ zu werten ist. Es ist einfach eine komplett andere Art. Telemann ist extrovertiert, offen, klar – Bach eher introvertiert, geht in die Tiefe, ist komplizierter und verkopfter.<BR /><BR /><b>Sie beide waren Teil des Instrumtalensemble „4 Times Baroque“, wie haben sie sich nach der Auflösung des Ensembles entwickelt, verändert?</b><BR />Zschenderlein: Alexander und ich spielen nun seit ziemlich genau 10 Jahren zusammen und können daher quasi blind miteinander musizieren. Seit der Auflösung unseres Ensembles „4 Times Baroque“ im Jahr 2020 gehen wir nun auch mehr solistische Wege: Alexander hat gerade nebst anderen Erfolgen den 1. Preis beim Bachwettbewerb in Leipzig gewonnen. Ich habe das Glück, im Oktober und November erneut nach Australien zu reisen und solistisch mit Orchester aufzutreten.<BR /><BR /><b>Und was haben Sie sich für das Konzert in Bozen ausgedacht?</b><BR />Zschenderlein: Dafür habe ich mir diesmal eine ganz besondere Challenge ausgedacht. Den Weg dorthin werde ich zur Hälfte mit dem Fahrrad zurücklegen, und zwar natürlich den landschaftlich schöneren und interessanteren Teil in den Alpen. Ich hoffe auf gutes Wetter, und wen das interessiert, kann auf dem Instagram Channel „baroquebike“ oder unter dem Hashtag „bzfestival“ verfolgen, wie die Reise verläuft!<BR /><BR />Termin: 12. August, 20.30 Uhr, Mariaheim Ansitz, Neustifter Weg 5, Bozen<BR /><BR />