Donnerstag, 09. Mai 2019

Neofaschistischer Verlag von Turiner Buchmesse ausgeschlossen

Der als rechtsradikal geltende römische Verlag Altaforte ist von der heute, Donnerstag, beginnenden Buchmesse von Turin ausgeschlossen worden. Der 33-jährige Verleger Francesco Polacchi, der sich selbst als „Faschist“ bezeichnet hatte, wird nicht wie geplant bei der bis kommenden Montag laufenden Messe die von Altaforte veröffentlichte Biografie von Innenminister Matteo Salvini vorstellen können.

Francesco Polacchi. - Foto: Ansa
Francesco Polacchi. - Foto: Ansa

Die Gemeinde Turin und die Region Regione Piemont, Gründungsmitglieder der im Kongresszentrum Lingotto laufenden Buchmesse, hatten die Organisatoren aufgerufen, den Vertrag mit Altaforte zu brechen. Polacchi hatte in einem Radiointerview den faschistischen Diktator Benito Mussolini als Italiens besten Staatsmann bezeichnet. „Antifaschismus ist das wahre Übel Italiens“, hatte Polacchi betont.
Gegen Polacchi wurden nach dem Radiointerview Ermittlungen wegen Verherrlichung des Faschismus aufgenommen. Der Verlag Altaforte soll enge Beziehungen zur rechtsextremen Partei CasaPound unterhalten, berichteten italienische Medien.

Nach Polacchis Interview hatten mehrere Schriftsteller und Autoren beschlossen, die Buchmesse in Turin zu boykottieren. Das Museum des ehemaligen Konzentrationslagers in Auschwitz drohte mit der Absage der Teilnahme an der Messe, sollte der Verlag Altaforte dabei sein. Bei der Buchmesse ist unter anderem eine Konferenz der Holocaust-Überlebenden Halina Birenbaum geplant.
Polacchi protestierte wegen des Ausschlusses Altafortes von der Messe heftig. Er kündigte eine Klage gegen die Organisatoren an.

Salvini protestiert gegen Ausschluss von Verlag von Turiner Buchmesse

Italiens Innenminister Matteo Salvini, hat am Donnerstag gegen den Beschluss der Organisatoren der Buchmesse von Turin protestiert, den als rechtsradikal geltenden römischen Verlag Altaforte auszuschließen. Der 33-jährige Verleger Francesco Polacchi, der sich selbst als Faschist bezeichnet hatte, hätte bei der Buchmesse eine von ihm veröffentlichte Salvini-Biografie vorstellen sollen.

„In Italien betreibt man Bücherzensur. Das Verbrennen von Büchern hat in der Vergangenheit niemand Glück gebracht. Auf Ideen reagiert man mit Ideen“, kommentierte Salvini am Donnerstag.
Polacchi erklärte, dass er in wenigen Tagen und noch vor der offiziellen Präsentation des Buchs bereits 6.000 Kopien verkauft habe. Das Buch in Interview-Form „Io sono Matteo Salvini“ (Ich bin Matteo Salvini) rückte auf Platz zwei im Ranking der bei Amazon in Italien meistverkauften Bestseller.

Polacchi will Klage einreichen

Nachdem der Verlag von der Buchmesse ausgeschlossen wurde, soll die Salvini-Biografie am Samstag in Turin an einem Ort präsentiert werden, der von Altaforte noch nicht bekanntgegeben wurde. „Unser Ausschluss von der Buchmesse ist eine politische Attacke gegen Salvini“, kommentierte Polacchi, der deshalb eine Klage einreichen will.

Bei der Buchmesse ist unter anderem eine Pressekonferenz der Holocaust-Überlebenden Halina Birenbaum geplant. Diese begrüßte Altafortes Ausschluss von der Buchmesse. „Die Meinungsfreiheit muss stets garantiert werden, doch zuerst besteht die Pflicht zur Wahrheit. Niemand kann das Böse rechtfertigen“, so Birenbaum im Interview mit der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Donnerstagsausgabe).

apa

stol