Die Hintergründe zum Ohrfeigen-Gate bei den Oscars, Chris Rock als Wiederholungstäter und ein Problem, das viele Südtiroler betrifft. <BR /><BR />Aber der Reihe nach. Für diejenigen, die in den Weiten des Netzes nicht bereits auf das Video der körperlichen und anschließend verbalen Aggression von Will Smith gestoßen sind: Zum genannten Angriff kam es bei der 94. Oscarverleihung in der Nacht vom 27. auf den 28. März. Und zwar während eines Monologs des diesjährigen Moderators der Academy Awards: Komiker Chris Rock. <h3> Angespannte Atmosphäre im Dolby Theatre</h3>Dabei spricht Rock Will Smiths Ehefrau, die Schauspielerin Jada Pinkett Smith (50), an: Er freue sich, sie in „Die Akte Jane 2“ zu sehen. Zur Erklärung: Geplant ist keine Fortsetzung des 1997 erschienenen Films, in dem Hauptdarstellerin Demi Moore mit Glatze zu sehen ist – Chris Rock wollte eine Anspielung auf die Frisur von Pinkett Smith machen.<BR /><BR />Spätestens als die Schauspielerin die Augen verdreht, wird klar, dass die Atmosphäre im Dolby Theatre von Los Angeles bereits angespannt ist. Rock macht einfach weiter, Will Smith steht daraufhin auf, steigt auf die Bühne, bleibt vor dem Präsentator stehen und verpasst ihm mit der Rechten eine Ohrfeige. Indes hört Chris Rock nicht auf zu lächeln.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="752912_image" /></div> <BR /><BR />Aber nicht genug: Auf die körperliche Gewalt folgt die verbale. „Lass den Namen meiner Frau aus deinem verdammten Mund“, hört man den Schauspieler auf Englisch sagen. Dabei verwendet er das im US-amerikanischen Fernsehen verpönte F-Wort. <BR /><BR />Wie hat es Chris Rock nun geschafft, Will Smith derart in Rage zu versetzen? Der Witz des Komikers war schlichtweg deplatziert und taktlos. Denn die Schauspielerin leidet an alopecia aerata, auch bekannt als kreisrunder Haarausfall. „Diese Autoimmunkrankheit ist die zweithäufigste Ursache für Haarausfall“, sagt Dr. Klaus Eisendle, Primar der Dermatologie am Bozner Krankenhaus. <h3> Rund 10.000 Südtiroler leiden an alopecia</h3> Tausende Südtiroler leiden darunter, wenn auch nicht alle so stark wie Pinkett Smith. „Etwa 2 Prozent der Bürger hatten mindestens einmal alopecia aerata“, weiß der Primar. Rund 10.000 Südtiroler hatten folglich mit diesem Problem zu kämpfen. Ein Teil davon nur zeitweilig. <BR /><BR /><embed id="dtext86-53603916_quote" /><BR /><BR />„Bei der Hälfte der Betroffenen wachsen die Haare wieder nach“, so Dr. Eisendle, viele andere müssten hingegen u.a. mit Kortison behandelt werden. Denn es gebe keine zugelassene Therapie. „Das Problem ist, dass Kortison zwar wirkt, aber wenn der Patient die Therapie einstellt, fallen ihm die Haare wieder aus“, so der Primar. <BR /><BR />Es sei besonders für Frauen psychisch belastend, je nach Subtyp der Krankheit kahle Flecken am Hinterkopf zu haben. Bei alopecia universalis fallen alle Körperhaare aus, weiß Dr. Eisendle. Das könne dann auch für Männer belastend sein, zumal bei dieser Form der Erkrankung auch Wimpern und Augenbrauen ausfallen. <BR /><BR />Vor nur 4 Monaten, am 28. Dezember 2021, hatte Jada Pinkett Smith in einem Video auf den sozialen Medien eine Narbe auf ihrem kahlgeschorenen Kopf zeigt und erklärt, wie es immer schwieriger für sie wird, die Zeichen der Krankheit an ihrem Körper zu verstecken. Gleichzeitig versucht sie, ihr Problem mit Humor anzugehen und beweist Mut, indem sie mit dem unangenehmen Problem an die Öffentlichkeit geht. <h3> Chris Rock als Wiederholungstäter </h3> Wie für einen Moderator der Oscars üblich, wollte auch Chris Rock mehrere Themen mit Humor angehen. Allerdings muss er wohl nichts über die Krankheit der Schauspielerin gewusst haben, oder aber absichtlich versucht haben, die Frau ins Lächerliche zu ziehen. <BR /><BR />Letzteres wäre gar nicht so abwegig, zumal das nicht der erste deplatzierte Witz war, den Chris Rock auf Kosten von Jada Pinkett Smith machte. Jedoch der erste, dessen negative Folgen er unmittelbar zu spüren bekam. <BR /><BR />Auch 2016 begleitete der Komiker das Publikum durch die wichtigste Nacht für die Filmindustrie. Pinkett Smith war hingegen nicht erschienen – aus Protest gegen die mangelnde Vielfalt in der Oscar-Jury und unter den Nominierten: Von den 20 Hauptnominierten war damals kein einziger schwarz. <BR /><BR />In seinem Monolog machte sich Rock damals schon über Pinkett Smith lustig, und das mit einem äußerst geschmacklosen Vergleich zwischen dem friedlichen Protest der afroamerikanischen Schauspielerin und seinem eigenen Wunsch, eine Liaison mit Sängerin Rihanna einzugehen. Pinkett Smith, die die Oscars boykottiert sei wie „ich, wenn ich Rihannas Höschen boykottiere – ich wurde gar nicht erst eingeladen!“ <h3> Das späte „mea culpa“ von Smith</h3>Heuer saß die Schauspielerin nur wenige Meter von Chris Rock entfernt, als dieser die „Die Akte Jane“-Anspielung machte. Sie verdrehte lediglich die Augen, zeigte wahre Größe, indem sie den Komiker ignorierte. Ihr Ehemann nicht. Aber er würde es bereuen. <BR /><BR />Wenige Minuten nach der Ohrfeige wurde Will Smith der Oscar für den besten Hauptdarsteller überreicht. Er brach in Tränen aus und entschuldigte sich bei der Academy und den anderen Nominierten. <BR /><BR />Erst am Folgetag bat Smith auch Chris Rock um Verzeihung – auf Instagram verurteilt Will Smith „jede Form von Gewalt“ und schreibt, sein Verhalten sei nicht zu entschuldigen. Er habe emotional reagiert, weil „Witze auf meine Kosten sind Teil des Jobs, aber ein Witz über Jadas Gesundheitszustand war zu viel für mich zu ertragen und ich habe emotional reagiert.“ Ich möchte mich öffentlich bei dir entschuldigen, Chris.“<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />