Freitag, 19. November 2021

PERFAS: Erneuter Kulturlockdown gefährdet Existenzen

Die Vereinigung PERFAS (Performing Artists Association South Tyrol) mahnt angesichts der angespannten Corona-Situation in Südtirol an, dass ein Herunterfahren des Kulturbetriebs keine Option sei. Für zahllose Kulturschaffende könnte ein erneuter Kulturlockdown das endgültige Aus bedeuten.

PERFAS-Präsident Peter Schorn fordert: „Es darf darum keinesfalls zur Gewohnheit werden, dass Kultur nur noch in den Sommermonaten stattfinden darf.“
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PERFAS-Präsident Peter Schorn fordert: „Es darf darum keinesfalls zur Gewohnheit werden, dass Kultur nur noch in den Sommermonaten stattfinden darf.“ - Foto: © privat
Obwohl die Kunst- und Kulturbranche auch in Südtirol schwer von der Pandemie getroffen wurde, arbeiten die Musik-, Theater- und Kulturschaffenden derzeit allen existenziellen Bedrohungen und Widrigkeiten zum Trotz mit viel Energie und Optimismus.

Dennoch stehen sie erneut vor dem Abgrund. Sollte Südtirol zur orangen Zone werden, würden laut geltenden Bestimmungen weitreichende Einschränkungen in Kraft treten: Aufstiegsanlagen in Skigebieten müssten schließen, Restaurants auf Abholservice umstellen und auch die Kulturstätten müssten erneut zusperren.

„Dass wir Darstellenden Künstler nun zum dritten Mal in 2 Jahren unsere Berufe möglicherweise monatelang nicht ausüben und den Menschen kein kulturelles Angebot mehr machen dürfen, ist nur schwer zu ertragen und extrem frustrierend. Zumal wir diesen Herbst mit der Impfung ein sicheres und hochwirksames Mittel zur Verfügung hätten, um diese katastrophale Situation alle gemeinsam zu verhindern“, sagt Peter Schorn, Präsident der PERFAS und Schauspieler.

Gleichzeitig bedanken sich die Kunstschaffenden bei jedem Einzelnen, der die Konsequenzen des eigenen Handelns auch für andere mitdenke und sich Informationen aus zuverlässigen Quellen suche, um eine verantwortungsbewusste Impfentscheidung zu treffen.

Denn erneute Kulturschließungen und Berufsverbote würden auch wieder teure Ausfallszahlungen und finanzielle Unterstützungen notwendig machen – bei ohnehin knappen Ressourcen. Diese Unterstützungen waren in der Vergangenheit für viele Kulturschaffende ein wohl gemeinter und durchaus geschätzter, aber bereits kaum ausreichender Tropfen auf den heißen Stein. Es steht zu befürchten, dass viele Strukturen, Kleinunternehmer und Kulturschaffende bei einem erneuten Kulturlockdown nicht mehr zu retten sein werden und die Südtiroler Kulturlandschaft zur Wüste würde. Eine Katastrophe auch für das gesellschaftliche Klima.

„Es darf darum keinesfalls zur Gewohnheit werden, dass Kultur nur noch in den Sommermonaten stattfinden darf. Zumal sich an den Fakten nichts geändert hat: Theater, Konzertsäle und Kinos zählen – mit 3G oder auch 2G, mit Abstand und Maske – nach wie vor zu den sichersten Orten. Das wurde mehrfach wissenschaftlich nachgewiesen und steht außer Frage“, betont Felix Senoner, Geschäftsführer von PERFAS und Musiker.

Nachdem sich die Landesregierung nun bereits dafür einsetzt, Aufstiegsanlagen auch in orangen Zonen offen zu halten, erwarten sich die Künstlerinnen und Künstler bei PERFAS dasselbe Engagement auch für die Kultur. Bewegung und Erholung in der Natur zuzulassen, sei richtig und wichtig. Nebenbei dürfe man auch „einen wirtschaftlichen Sektor nicht blockieren“, so Landesrat Alfreider.

Dasselbe gelte selbstverständlich auch für den kulturellen Wirtschaftssektor, der einen unverzichtbaren Beitrag zur mentalen Gesundheit und zur Erholung – gerade unter den enormen Belastungen der Pandemie – leistet. Und wie wichtig solche Erholungsinseln auch für die Bereitschaft zur Regeleinhaltung sind, habe die sozialpsychologische Forschung deutlich gezeigt. Dazu komme, dass das Risiko, sich zu verletzen und das Gesundheitssystem zusätzlich zu belasten, auf einem Theatersitzplatz noch deutlich geringer sei als auf der Skipiste.

PERFAS richtet darum einen eindringlichen Appell an die politischen Entscheidungsträger: „Lasst Kulturstätten geöffnet! Jede Form der Schließung würde den künftigen Kulturbetrieb, allen voran die freischaffenden Künstler, in ihrer Existenz gefährden und irreversible kulturelle Schäden anrichten.“

pho