Donnerstag, 30. Januar 2020

Projekt „Lichtbild“: Freier Zugang zu 12.000 historischen Fotos

Das Verständnis für die historische Fotografie zu beleben, das Interesse an alten Bildern zu wecken, den Umgang mit dem analogen und digitalen Kulturschatz zu professionalisieren - dies waren die Ziele des Interreg-Projekts „Lichtbild. Kulturschatz Historische Photographie“, das mit Jahresende 2019 abgeschlossen wurde.

Bozen, um 1890
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Bozen, um 1890 - Foto: © Alois Beer; Sammlung Stadtgemeinde Lienz, Archiv Museum Schloss Bruck – TAP

Zahlreiche Partner aus Tirol und Südtirol arbeiteten 3 Jahre lang an dem grenzüberschreitenden Gemeinschaftsprojekt und setzten dabei zahlreiche Initiativen, darunter Ausstellungen und Handreichungen.
Zum Abschluss des dreijährigen Interreg-Projekts „Lichtbild“ zogen am Donnerstag im Palais Widmann in Bozen Südtirols Kulturlandesrat Philipp Achammer und seine Tiroler Amtskollegin Beate Palfrader nicht nur Bilanz, sondern stellten auch das druckfrische Handbuch zum Projekt vor.

„Fotografie lehrt Menschen zu sehen“

„Fotografie lehrt Menschen zu sehen“, zitierte Landesrat Achammer die Fotografin Berenice Abbott. Der große Wert dieses Interreg-Projektes sei darin begründet, dass es „den großen Umfang an kulturgeschichtlichen und gesellschaftlichen Gemeinsamkeiten und auch die Veränderungen in den beiden Landesteilen aufzeigt“. Historische Fotografien weckten Verständnis für Entwicklung und für Geschichte, sie schafften aber auch das Bewusstsein, dass „Veränderung schon immer stattgefunden hat“. Die historische Fotografie fordere den Betrachter geradezu auf, innezuhalten und nachzudenken, sagte Achammer. Und unterscheide sich von der Fotografie unserer vernetzten und schnelllebigen Welt, wo Bilder ständiger Begleiter und allgegenwärtiges Ausdrucksmittel seien.



Als „faszinierendes Medium“ bezeichnete die Tiroler Landesrätin Palfrader die Fotografie: „Das Projekt 'Lichtbild' rückt den Wert historischer Fotografien in den Mittelpunkt.“ Es sei wichtig, diese Dokumente für die Nachwelt zu erhalten und öffentlich zugänglich zu machen, wozu das Projekt „Lichtbild“ mit großem Erfolg beigetragen habe: Über 12.000 historische Fotografien aus den 1890er bis zu den 1990er Jahren seien nun frei zugänglich.

4 Ausstellungen und eine App

4 Ausstellungen sind im Rahmen des Projekts konzipiert und umgesetzt worden, 2 davon im virtuellen Raum. So sind auf der Internetseite des Projektes „Lichtbild“ Einblicke in die visuelle Geschichte der Familie Kneußl in Tirol-Südtirol-Trentino 1887–1964 sowie eine Ausstellung mit Schlaglichtern auf den Wintersport in der Region im 20. Jahrhundert zu sehen, informierte der Leiter des Tiroler Photoarchivs TAP, Martin Kofler. Der Verein Tiroler Archiv in Lienz war Lead-Partner des Interreg-Projekts.



Im Herbst 2018 ging die Ausstellung „Platz da!“ in Lienz, Bruneck, Innsbruck und Bozen über die Bühne. Historische Aufnahmen zeigten, welche Institutionen, Machthaber und Einzelkämpfer wichtige Plätze der Städte im Laufe der Zeit für sich einnahmen. Die Ausstellung „Frauenbilder“ war im vergangenen Frühjahr 2019 in Lienz, Bruneck, Bozen, Innsbruck und Trient zu sehen: Sie setzte sich mit der Rolle der Fotografie als Zeugin des Wandels am Beispiel der Frauen vor und hinter der Kamera auseinander.

Ein weiteres Ergebnis des Projekts ist die mobile Anwendung für Smartphones „Timetrip Pics“: Der Wandel zentraler Orte in Bozen, Bruneck, Lienz und Innsbruck lässt sich wie im Daumenkino oder mit dem Einbau einer historischen Aufnahme in ein aktuelles Panoramabild visuell nachvollziehen.



Die richtige Aufbewahrung

Für die Vermittlung von Kompetenzen im Umgang mit historischen Fotografien wurden 5 kostenlose Workshops mit Fachleuten aus Österreich, Italien, Deutschland und der Schweiz angeboten. Knapp 600 Interessierte nahmen daran teil. Inhalte waren neben der Geschichte der Fotografie in Tirol und Südtirol, Fotorecht und Creative Commons auch die richtige Aufbewahrung und Ordnung sowie Digitalisierung und Bearbeitung von Fotos. Darüber hinaus wurde zu diesen Inhalten ein E-Learning-Kurs ausgearbeitet, berichtete bei der heutigen Projektbilanz Notburga Siller vom Südtirol Landesamt für Film und Medien.

Freie Foto-Datenbank

Schließlich entstand unter dem Motto „Offen im Zugang“ eine Datenbank mit 12.000 neu erschlossenen historischen Fotografien aus den Archiven der Projektpartner. Die Bilder stehen in Druckqualität zum kostenlosen Download zur Verfügung und können unter Nennung des Fotonachweises auch kommerziell genutzt werden. Auch nach Ende des Projekts stehen online die Datenbank, die virtuellen Ausstellungen und der Online-Kurs zur Nutzung bereit.

Vorgestellt wurde am Donnerstag zudem das 400-seitige deutsch- und italienischsprachige Handbuch zum Projekt mit dem Titel „Fotografien bewahren“. Es ist kostenlos im Landesamt für Film und Medien in der Bozner Andreas-Hofer-Straße erhältlich.



Neben dem Verein Tiroler Archiv für photographische Dokumentation und Kunst (TAP) waren die Stadtgemeinde Bruneck, Amt für Film und Medien und Abteilung Museen des Landes Südtirol am Projekt beteiligt. Zudem arbeiteten das Südtiroler Landesarchiv in Bozen, die Tiroler Landesmuseen und das Tiroler Bildungsforum in Innsbruck sowie die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino an Projekt mit.

lpa