Donnerstag, 19. Dezember 2019

Rätsel um Erbauer von Schiefem Turm von Pisa gelöst

Das Rätsel um den Erbauer des Schiefen Turms von Pisa ist gelüftet worden.

Der schiefe Turm von Pisa zählt zum Weltkulturerbe.
Der schiefe Turm von Pisa zählt zum Weltkulturerbe. - Foto: © APA (AFP) / TIZIANA FABI

Das Wahrzeichen der toskanischen Stadt Pisa wurde in der ersten Phase vom Architekt und Bildhauer Bonanno Pisano im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts errichtet. Bonanno Pisano hatte unter anderem die Bronzetore der Kathedrale von Pisa sowie von Monreale in Palermo entworfen.

Dass Bonanno Pisano den Turm errichtet hatte, entdeckte die Paleografie-Expertin an der Elitehochschule Scuola Normale di Pisa, Giulia Ammannati, berichtete die toskanische Tageszeitung „La Nazione“ am Mittwoch. Sie entzifferte einen Stein mit lateinischer Inschrift, der 1838 in Bonannos Grab bei Ausgrabungen um den Schiefen Turm von Pisa gefunden worden war. Auf dem schlecht lesbaren Stein, den Ammannati jetzt entziffern konnte, standen 2 lateinische Hexameter, in denen sich Bonanno als Erbauer eines „wunderbaren Werks“ erklärt. Die Ergebnisse von Ammannatis Recherchen wurden in einem neu veröffentlichten Buch bekannt gegeben.

Ammanitis Entdeckung bestätigt Behauptungen des Renaissance-Architekten Giorgio Vasari, der Bonanno als ersten Erbauer des Turmes genannt hatte. 3 Bauphasen und 177 Jahre waren nötig, um den Turm von Pisa zu errichten. Bonanno Pisano begann 1173 mit dem Bau und errichtete den ersten Stock, der von 15 Säulen aus weißem Marmor mit klassischen Kapitellen und Blendbögen umgeben war. Beim Bau des dritten Stocks im Jahre 1178 kippte der Turm aufgrund des instabilen Untergrunds, auf dem er errichtet wurde, um 5 Zentimeter, weshalb der Bau eingestellt wurde.

Erst 100 Jahre später nahm Giovanni Di Simone die Arbeiten wieder auf und versuchte, die Schieflage zu kompensieren. Das Ergebnis war jedoch nicht wie erwartet, der Glockenturm stand immer noch schief und die Arbeiten wurden deshalb erneut eingestellt. Tommaso Pisano führte die Errichtung des Glockenturms fort und vollendete den Bau 1372.

Als das 58,5 Meter hohe Bauwerk mit einer Neigung von 4,5 Meter gegenüber der Vertikalen umzufallen drohte, wurde es 1990 für Besucher geschlossen. Der 800 Jahre alte Turm wurde dann zwischen 1993 und 2001 mit tonnenschweren Gewichten unter dem Fundament um 44 Zentimeter „geradegezogen“. Während der 28 Millionen Euro teuren Arbeiten wurde es durch starke Stahlseile gesichert. Die Wiedereröffnung des Schiefen Turms von Pisa, der zum Weltkulturerbe zählt, erfolgte schließlich im Dezember 2001, 11 Jahre nach seiner Schließung.

apa