Dienstag, 20. März 2018

Retrospektive: Luise Gruber Kainrath

Wer bin ich? Diese Frage stellt sich die Künstlerin Luise Gruber Kainrath in ihrem 90. Lebensjahr auch in Form einer Ausstellung. Mit einer Retrospektive als Querschnitt durch ihr vielfältiges Schaffen zeigt sie im Lanserhaus in Eppan die unterschiedlichen Zugänge zur Beantwortung dieser Frage.

Luise Gruber Kainrath stellt im Eppaner Lanserhaus aus. - Foto: Gregor Khuen Belasi
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Luise Gruber Kainrath stellt im Eppaner Lanserhaus aus. - Foto: Gregor Khuen Belasi

Von Kind auf immer schon an allem Kreativen und Schöpferischen interessiert, ging sie schon früh einen eigenen Weg, erlernte das Zeichnen nach der Natur, suchte sich Vorbilder aus der heimischen Kunstszene wie Elfie Widmoser und Anni Egösi, bildete sich im Musikalischen aus, arbeitete für kurze Zeit auch als Zuckerbäckerin und ging dann als eine der allerersten Südtiroler Frauen an die Wiener Akademie der angewandten Künste, um Innenarchitektin zu werden.

Josef Zoderer über die Künstlerin

Der Schriftsteller Josef Zoderer zur selben Zeit in Wien erinnert sich: „…Luise Gruber stellte sich bei der Wiener Oper abends, nachts und am Morgen in die Reihe, um wenigstens zu einer Stehplatzkarte zu kommen – die Oper in Wien war für sie der Tempel der Freude, überhaupt, sagt sie – die vier Jahre in Wien waren Jahre der Kultur, nicht so sehr der Liebe. Weiter bin ich – und bin ich ja sowieso nicht (mit leeren Händen und leeren Augen) imstande, Frau Luise Grubers Lebensweg zu skizzieren, ich bin auch nicht gerade interessiert an Designer-Produkten, an Stühlen und Tischen – auch wenn Luise gerade mit ihrer Abschlussarbeit an der Wiener Angewandten, nämlich einem Tisch soviel Aufmerksamkeit auf sich zog, dass sie mit Foto auf der damals zweitgrößten Tageszeitung, nämlich der Wiener Arbeiter-Zeitung landete.“

Mit 90 Jahren darf man zurückblicken

Die Retrospektive zeigt frühe Zeichnungen, Entwürfe für schmiedeeiserne Arbeiten, Möbel, Aquarelle und weitere Bilder unterschiedlichster Techniken bis hin zu in diesem Jahr entstandenen Arbeiten. Hier wird deutlich, wie sehr Gruber-Kainrath einen selbst bestimmten Weg gegangen ist und sich ihren ganz eigenen Schönheitsbegriff erarbeitet hat.

Foto: Gregor Khuen Belasi 

Gruber Kainrath meint: „Mit 90 Jahren darf man zurückblicken. Viele Wegkreuzungen habe ich gesehen und bin immer wieder – meinen Möglichkeiten entsprechend – recht entschlossen einen ureigenen Weg gegangen. Neben der naturgegebenen Anlage und Freude für die Musik waren es die letzten Jahrzehnte über vor allem die Bilder, meine eigenen als auch anderer, die mir zum Lebenselixier geworden sind: mit Bleistift, Pinsel, Papier und Leinwand als handwerkliche Instrumente, mit Licht, Schatten und Farbe als formgebende Elemente habe ich diese Welt für mich erfahren.“

Foto: Gregor Khuen Belasi 

Am Ende bleibt die Frage nach dem eigenen Ich vielleicht gar unbeantwortet und spornt Luise Gruber Kainrath auch im 90. Lebensjahr an, künstlerisch weiter auf der Suche zu bleiben.

stol

stol