Dienstag, 09. April 2019

Schwere Vorwürfe gegen Ballettakademie der Wiener Staatsoper

Das Wiener Wochenmagazin „Falter” erhebt in seiner neuen Ausgabe schwere Vorwürfe gegen die Ballettakademie der Staatsoper. Kinder seien hier „Opfer autoritärer, gewalttätiger und gefährlicher Unterrichtsmethoden geworden”, wird eine Lehrerin zitiert. Das Spektrum der Vorhaltungen reicht von Demütigungen, Gewalt und Drill bis hin zu einem sexuellen Übergriff.

Das Wiener Wochenmagazin „Falter” erhebt in seiner neuen Ausgabe schwere Vorwürfe gegen die Ballettakademie der Staatsoper.
Das Wiener Wochenmagazin „Falter” erhebt in seiner neuen Ausgabe schwere Vorwürfe gegen die Ballettakademie der Staatsoper. - Foto: © APA

Die notfallmedizinische Behandlung nach Unfällen sei mangelhaft, psychologische und ernährungswissenschaftliche Beratung für die Kinder entgegen internationaler Standards praktisch nicht vorhanden. Schülerinnen seien hingegen geradezu in die Bulimie oder Anorexie getrieben worden. Die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft ist bereits seit Monaten tätig. „Im Grunde hätten wir diesen Laden sofort zusperren müssen”, wird ein anonymer Beamter der Kinder- und Jugendanwaltschaft zitiert.

Schülerinnen getreten, gekratzt und an den Haaren gerissen

Ein Teil der Vorwürfe konzentriert sich auf eine im Jänner gekündigte Lehrerin, die Schülerinnen unter anderem getreten, blutig gekratzt und an den Haaren gerissen haben soll. Gegenüber der Wochenzeitung rechtfertigt sich die Betroffene: „Es tut mir leid, wenn die Mädchen gelitten haben.” Sie habe immer versucht, das Beste aus ihren Schülerinnen herauszuholen.

„Ich bin sehr betroffen, wenn ich all das höre. Es ist klar, dass sich hier eine Lehrerin sehr schlecht benommen hat”, stellt Staatsoperndirektor Dominique Meyer gegenüber dem „Falter” klar: „Das wollen wir nicht, und das dulden wir nicht.”

Eine ehemalige Schülerin erzählt im Beitrag von „Zeit im Blick“ von ihren Erfahrungen.

Lehrer soll Schüler sexuell belästigt haben

Des Weiteren wirft ein ehemaliger Schüler einem einstigen Lehrer sexuelle Belästigung vor. Nach Vorlage des entsprechenden Protokolls wurde dieser Lehrer unmittelbar dienstfrei gestellt und Untersuchungen eingeleitet. Die Staatsoper hat am heutigen Dienstag eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermittelt.

Der „Falter” nennt bezüglich seiner Recherchen mehrere Quellen, darunter Jolantha Seyfried, unter Ioan Holender Leiterin der Ballettakademie. Sie beklagt eine „Sklavenmentalität”: „Die Kinder sind hier nur eine Ware, um die Oper zu bespielen.” Auch die einstige Ballerina Gabriele Haslinger konstatiert: „Die Eltern glauben, die Kinder in der Akademie in besten Händen zu wissen, aber das stimmt nicht.” Die ausgeschiedene Tanzlehrerin Sharon Booth beklagt „Erziehungsmethoden aus dem 19. Jahrhundert”. Neben Interviews beruft sich der „Falter” auch auf Chats und E-Mails von Betroffenen, die man eingesehen habe.

Die Liste der Mängel werde „Stück für Stück abgearbeitet”, heißt es aus der Staatsoper. Man kooperiere seit Monaten mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft. „Wir wollen in allen Bereichen eine lückenlose Aufklärung”, so ein Staatsopernsprecher gegenüber der APA. Unter anderem sollen eine Ombudsstelle eingerichtet und die Pädagogen entsprechend geschult werden. Auch soll verpflichtend das Fach Body Awareness eingeführt werden.

„Die von den Übergriffen betroffenen Schülerinnen und Schüler haben unser volles Mitgefühl“

„Die Schülerinnen und Schüler, die von physischen oder psychischen Übergriffen betroffen waren, haben jedenfalls unser volles Mitgefühl. Jegliche Form von Übergriffen, ob physischer oder psychischer Natur, Grobheiten, Respektlosigkeit und Missbrauch einer Machtposition sind inakzeptabel”, so die Staatsoper in einem der APA vorliegenden Statement. Operndirektor Meyer verteidigt die jetzige geschäftsführende Direktorin der Akademie, Simona Noja: „Der Vorwurf, sie hätte sich nicht um die Beschwerden gekümmert, ist nicht haltbar.” Stattdessen habe sie sich persönlich für Mädchen eingesetzt und verschiedene Initiativen ergriffen.

apa

stol