<b>STOL: Ihr seid gerade wieder frisch zurück aus den USA, wo Shanti Powa am vergangenen Wochenende ein ganz besonderes Konzert gespielt hat. Worum ging es dabei?</b><BR />Bertrand J. Risè: Wir waren als Band bei der weltweit größten Konferenz gegen Korruption in Washington DC eingeladen. Dort haben sich verschiedene Organisationen aus der ganzen Welt – ONG, Botschafter, Staatssekretäre und Institutionen wie die Weltbank – getroffen, um über Initiativen im Kampf gegen Korruption zu sprechen. Diese Konferenz wird von „Transparency International“ jährlich in einer anderen Stadt organisiert. Innerhalb dieser Organisation gibt es den Flügel JM International, der das Netzwerk „Fair Play Music“ betreut. Dieses besteht aus Musiker aus aller Welt, die in ihren Songs Statements gegen Korruption und für mehr Chancengleichheit setzen. Ziel ist es, durch die Musik eine starke Stimme gegen Korruption in die Welt zu tragen und Künstler zusammenzubringen, die ein ähnliches Mindset verbindet. Dazu gehören sehr viele Künstler aus Ländern mit großer Armut oder Bürgerkriegen. Vor Ort haben wir zum Beispiel den Künstler „Alesh“ aus der DR Kongo kennengelernt, der in seinem Heimatland politisch verfolgt wurde, es aber geschafft hat, dort eine große Fangemeinde aufzubauen. Indem er seine politischen Texte mit tanzbarer Mainstreammusik verbunden hat, ist es ihm gelungen, seine regierungskritischen Aussagen durch die Musik trotz Verfolgung zu verbreiten. Shanti Powa ist seit 2 Jahren Teil dieses Netzwerkes, was uns dafür qualifiziert hat, bei dem im Rahmen der Konferenz organisierten Konzert im 9:30 Club mit den Künstlern „Alesh“, Faith Mussa aus Malawi, „Rain in Sahara“ aus Indien, „Blitz the Ambassador“ aus Ghana und der Rap-Legende Rakim auf der Bühne zu stehen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="844340_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Wie wurde Shanti Powa Teil des „Fair Play Music“ Netzwerkes?</b><BR />Thomas Maniacco: „Fair Play Music“ veranstaltet auf der Suche nach neuen Mitgliedern regelmäßig einen Musikwettbewerb. Dort haben wir uns vor 2 Jahren mit „Rolling On“, unserem ersten Song mit Guido Craverio, der auch mit Musikgrößen wie Seeed zusammengearbeitet hat, als externem Produzenten, beworben. Die Aussage dieses Songs hat perfekt zur Mission von „Fair Play Music“ gepasst, weshalb wir von einer Jury zusammen mit 2 afrikanischen Künstlern als „Fair Play Music Award-Gewinner“ ausgewählt wurden. Dadurch wurden wir als Anticorruption und Fair Play-Ambassadors Teil dieses internationalen Netzwerkes und hätten bereits im vergangenen Jahr in dieser Funktion in Südkorea auftreten sollen. Die Pandemie hat das leider verhindert. Umso mehr hat es uns gefreut, dass wir in diesem Jahr erneut ausgesucht wurden, um bei der Konferenz in Washington zu performen. <BR /><BR /><i>Im Video zu sehen ist der Online-Auftritt von Shanti Powa als „Fair Play und Anticorruptionmusic Ambassadors“ beim „Youth Forum“ der UNO</i><i>im vergangenen Jahr.</i><BR /><BR /> <video-jw video-id="y5ouSZhD"></video-jw> <BR /><BR /><BR /><b>STOL: Habt ihr dort nun den wichtigsten Auftritt euerer bisherigen Laufbahn hingelegt?</b><BR />Maniacco: Für uns ist jeder Auftritt wichtig, weil es uns dabei nicht nur darum geht, Musik auf hohem Niveau und eine mitreißende Show zu liefern, sondern auch die Botschaft zu verbreiten, die unserer Musik zugrunde liegt. Aber der Auftritt in Washington stellt auf jeden Fall ein absolutes Highlight dar.<BR /><BR />Risè: Für ins war dieser Auftritt eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass sich 12 Jahre harter Arbeit als Band bezahlt machen. Wenn man gerade im 9:30 Club seine Instrumente aufbaut und Teil eines so wichtigen Events sein darf, kann man sich auch mal auf die Schulter klopfen, vor allem nach der schwierigen Zeit, die wir Musiker in den vergangenen beiden Jahren durchstehen mussten. Shanti Powa ist eine internationale Band und die internationale Bühne ist der Ort, wo wir hingehören. Das Konzert in Washington war ein großer Schritt in die Richtung, wo wir hinwollen – und das ist die Welt.<BR /><BR /><b>STOL: Auch unter musikalisch war dieses Konzert Neuland für Shanti Powa.</b><BR />Maniacco: Auf jeden Fall, da wir mit einigen großen Unbekannten ins Flugzeug Richtung Amerika gestiegen sind. Zum einen konnten nur 6 unserer 10 Bandmitglieder die Reise antreten und zum anderen war mit den Organisatoren verabredet, dass wir neben unserem eigenen Set, als auch die Songs der anderen Ambassadors begleiten würden. Wir haben uns vor Ort also mit den anderen Künstlern im Proberaum eingeschlossen, um ihre Songs einzustudieren. Die Atmosphäre, die dabei entstanden ist, war von Anfang an super und es gab sofort einige magische Momente. Deshalb haben wir beschlossen, den Auftritt als gemeinsames Konzert aller Künstler vorzubereiten. Wir haben so innerhalb weniger Tage eine funktionierende Show auf die Beine gestellt, die zunächst uns als Musiker, aber dann auch das Publikum begeistert hat. Als Shanti Powa sind wir es gewohnt, in einer Band mit vielen Mitgliedern zu spielen, wo jeder zwar einen ganz anderen musikalischen Einfluss mitbringt, am Ende aber ein runder Sound entsteht. Diese Voraussetzung und das Talent der anderen Künstler haben sicher dabei geholfen, dass das auch in Washington so gut funktioniert hat.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="844343_image" /></div> <BR /><BR />Risè: So eng mit anderen Künstlern hat Shanti Powa noch nie zusammengearbeitet, daraus ist etwas Einzigartiges entstanden, was sich aber durchaus wiederholen könnte. Wir haben gesehen, dass wir die Fähigkeit haben, uns auch auf andere Künstler einzustellen. In Zukunft kann es durchaus sein, dass wir wieder mit anderen Künstlern aus verschiedensten Teilen der Welt zusammenarbeiten werden. Die Band hat gezeigt, dass sie unter Druck abliefern kann. Als Sänger kann ich meinen Mitmusikern da nur ein Kompliment aussprechen.<BR /><BR /><b><BR />STOL: Was erwartet jemanden, der bei einem Konzert von Shanti Powa im Publikum steht?</b><BR />Risè: Wer auf unsere Konzerte kommt, den erwartet auf alle Fälle Bewegung – nicht nur mit dem Körper, sondern auch im Geist. Ihn erwartet ein Gefühl der Familie: Band und Publikum gehören zusammen als eine große Familie - es braucht beide, damit eine Show unvergesslich werden kann. Vor allem erwartet ihn viel positive Energie.<BR /><BR />Maniacco: Wir haben uns mittlerweile eine Show erarbeitet, die Menschen mitreißen kann. Vielseitigkeit spielt dabei eine zentrale Rolle. Wir kommen aus dem Reggae, haben aber in den vielen Jahren unseres Bestehens daraus unseren eigenen Shanti-Sound entwickelt, der sich aus vielen unterschiedlichen Musikstilen bedient. Wichtig ist auch, dass unser Publikum sich vom Konzert etwas mitnimmt, was auch danach noch in seinem Kopf weiterarbeitet. <BR /><BR /><b>STOL: Shanti Powa will nicht nur eine gute Show liefern, sondern durch die Musik auch eine Botschaft verbreiten. Wie lautet diese Botschaft?</b><BR />Risè: Die Botschaft ist eigentlich ganz einfach. Sie basiert auf den Werten Liebe, Gemeinschaft, Frieden, Wahrheit. Auf allem, was von Herzen kommt. Uns ist es wichtig, dass es auf der Welt weniger Hass und Leid und wieder mehr Gerechtigkeit gibt. Wir wollen eine Stimme für diese Werte sein. Das treibt uns an, auch auf der Bühne. Vor allem an junge Menschen wollen wir bei unseren Konzerten dieses Anliegen herantragen, ihnen zeigen, dass es auch anders geht; dass es auch möglich ist, mit offenem Herzen durch die Welt zu gehen und dass das Leben dadurch nur schöner wird. Unsere Songs sollten Jung und Alt dazu anspornen, Liebe zu verbreiten und die Welt ein bisschen besser zu machen, als sie gerade ist.<BR /><BR />Maniacco: In unserer Gesellschaft werden die Menschen immer stärker zu Individualisten – jeder denkt immer mehr an sich und an seinen eigenen Vorteil. Aber wir denken, dass es immens wichtig ist, den Gemeinschaftssinn wieder zu stärken. Jeder ist wichtig, jeder kann einen Beitrag dazu leisten, dass wir ein gutes Auskommen miteinander haben. Es gibt viel, was man dafür unternehmen kann, wir hoffen durch unsere Musik und unsere Texte einen Beitrag dazu zu leisten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="844346_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Schaut man aktuell auf die großen Probleme in der Welt, ist es um diese Werte häufig nicht gut bestellt. Was gibt euch Hoffnung?</b><BR />Risè: Hoffnung ist immer da, ohne sie würde unser Kampf keinen Sinn machen. Genährt wird sie zum Beispiel aus Freundschaften und Begegnungen, wie wir sie in Washington mit den anderen Künstlern hatten. Es bestärkt uns zu sehen, dass es da Menschen gibt – Musiker, Aktivisten, Menschen aus jeder Sparte der Gesellschaft – die dieselben Ziele verfolgen und sich für eine bessere Welt einsetzen. Große Hoffnung setzen wir auch in die junge Generation, die ganz sicher auf dem richtigen Weg in Richtung einer offeneren Gesellschaft ist. Auch wenn wir gerade schwierige Zeiten durchleben dürfen wir nicht den Kopf hängen lassen, es lohnt sich weiterzukämpfen.<BR /><BR /><b>STOL: Der Auftritt in Washington war ein Schritt auf die internationale Bühne. Wie schaut ihr zurück in Südtirol auf die Musikszene hierzulande?</b><BR />Maniacco: In den vergangenen 20 Jahren hat sich viel getan und in Südtirol hat sich eine sehr farbenfrohe Musikszene entwickelt. Südtiroler Künstler aus den verschiedensten Genres – von Klassik, über Jazz, Pop, Rock, Hip-Hop oder World Music - konnten kleine und große Erfolge im In- und Ausland feiern. Wir haben das Glück in einem Land zu leben, wo es gute Musikschulen gibt und es eigentlich jedem offen steht ein Instrument zu lernen. Allerdings besteht seit Jahren auch ein großer Wermutstropfen: Es kann nicht sein, dass es in der Landeshauptstadt Bozen kein richtiges Kulturzentrum gibt, wo lokale Bands Konzerte veranstalten könnten, um sich dem heimischen Publikum zu präsentieren.<BR /><BR />Risè: Es gibt in Südtirol unglaublich viel Talent. Zumindest in der Hauptstadt sollte es allerdings einen Ort in Form eines Kulturzentrums geben, wo dieses Talent zusammenfließt; wo sich Künstler treffen und austauschen können. Dann könnten wir uns wahrscheinlich über noch viel mehr innovative und hochwertige Musik aus Südtirol freuen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="844349_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Shanti Powa hat das Jahr 2022 mit einem Highlight abgeschlossen. Was nehmt ihr euch im neuen Jahr vor?</b><BR />Risè: Der Auftritt in Washington hat in uns allen ein Feuer entfacht, das wir weiter lodern lassen wollen. Das bedeutet, wir wollen uns in allen Aspekten der Band verbessern: Egal ob es dabei um interne Abläufe, Disziplin oder musikalische Fähigkeiten geht. Das Jahr 2023 soll in der Geschichte unserer Band einen Meilenstein setzen, indem wir viele tolle Konzerte spielen, neue Musik herausbringen und weiterhin unser Bestes geben.<BR /><BR />Maniacco: Wir sind bisher auf eigene Faust schon weit gekommen und werden auch in Zukunft weiterhin selbst hart dafür arbeiten, um unsere Message in die Welt zu tragen. Momentan sind wir auf der Suche nach einigen wichtigen Partnern, die uns dort weiterhelfen können, wo es alleine nicht mehr weitergeht. Es wird neue Musik von Shanti Powa geben und wir haben alle große Lust, auf der Bühne zu stehen, weshalb die Planungen für eine Tour bereits angelaufen sind.<BR />