Internationale Namen wie Brigitte Kowanz, Anish Kapoor, Francois Morellet, Heinz Mack, Laurence Bonvin unterstreichen die Faszination Licht. Sie gehören zu den 19 Künstlern und Künstlerinnen, welche auch die sozialkritische Auseinandersetzung mit dem kostbaren Gut Wasser thematisieren. Kuratiert wurde die Ausstellung „Notationen“ von der international tätigen deutschen Kuratorin Bettina Pelz. Wir haben mit ihr gesprochen. <b>von Eva Gratl</b><BR /><BR />Vertrocknete Wasserproben aus Proben rund um Neustift und ihre Strukturen, Pflanzen die sich durch Kondenswasser ernähren, Laserzeichnungen, die das Zusammenspiel eines Laserlichtes und von Wasser in Bewegung auf lichtsensiblem Papier abbilden, auch das Schmelzen des Aletschgletschers: Die Ausstellung ist nicht nur etwas für Fachleute, sie bietet ungemein viel Vergnügen beim Schauen und auch kritische Ansätze. Am liebsten möchte man lange vor den Werken bleiben, um die Einheit von Kunst im Dialog mit Geschichte wirken zu lassen, denn neue Räume und viele Wege öffnen sich: Zugänglich ist auch der Kapitelsaal des Klosters. <BR /><BR /><b>Welche Idee liegt diesem Teil der Bespielung des Klosters zugrunde?</b><BR />Bettina Pelz: Der Titel dieses Projektes ist „Notationen“, wie man eben auch Notate in der Kunst und Wissenschaft macht. So setzen sich die Künstler und Künstlerinnen mit den aktuellen Veränderungen in der Natur, in der Umwelt und im Klima auseinander, indem sie diese künstlerisch aufzeichnen und nachvollziehen. Schwerpunkt ist hier zeitgenössische Kunst im Dialog mit kulturhistorischem Erbe. <BR /><BR /><b>Das „Eröffnungsprogramm“, der Auftakt der Schau beginnt in der Engelsburg...</b><BR />Pelz: Ja, sie ist frei für jeden zugänglich und Wasser und Licht sind hier die beiden Themen, das sind ja große Krisenthemen. <b>Charly Nijensohn</b>, ein argentinischer Künstler, widmet sich der der Salar de Uyuni in Bolivien, einer der größten Salzwüsten der Erde. Sie war einmal ein Meer und sie beherbergt wichtige Lithiumvorkommen, die gerne kommerziell erschlossen würden. Indigene Communities wehren sich dagegen. Der Künstler hat dafür ein Denkmal in Form eines Triptychons geschaffen. Oft haben die Werke einen engen Bezug zur Umgebung. <b>Sara Förste</b>r z.B. war im März 2024 im Kloster Neustift zu Gast, um mit verschiedenen Materialien und Methoden die Lichtsituationen im und um das Kloster aufzuzeichnen. Sie sehen hier alles Lichtproben aus Neustift. Außerordentlich auch in der Engelsburg das Werk von <b>Anish Kapoor</b>. Es ist eine Arbeit von 2003, die ein intensives Sehen verlangt. Entweder die schwarze Fläche kommt einem entgegen oder sie fällt zurück. Es geht um die Nichtreflexion von Licht, erst bei längerem Sehen erschließt sich das Werk. Der Versuch Kapoors war es, so nahe wie möglich an eine Fläche zu kommen, die nicht Licht reflektiert. Hier geht es dem Künstler um die Erschaffung einer Fläche, die kein Licht reflektiert, die einfach nur „pur“ ist, die keine Interaktion mit dem Raum hat. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1035936_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie ist es Ihnen gelungen, so wichtige künstlerische Positionen nach Neustift zu bringen?</b><BR />Pelz: Ich bin gut vernetzt, ich beschäftige mich seit über 25 Jahren als Kuratorin mit dem Thema lichtbasierte Medien und arbeite international. Für dieses Projekt arbeiten wir zusammen mit der Sammlung Zumtobel, dem großen Leuchthersteller aus Österreich. Das Unternehmen hilft Künstlern und Künstlerinnen in der Entwicklung neuer Arbeiten. Aus dieser Zusammenarbeit entstand eine sehr große Sammlung, die an interessante Kooperationspartner verliehen und im Rahmen von Festivals temporär gezeigt wird. Wir haben uns heuer die Arbeiten von <b>François Morellet, Heinz Mack, Anish Kapoor, Brigitte Kowanz, Keith Sonnier</b> ausgesucht. Insgesamt sind auch viele Künstler und Künstlerinnen aus dem globalen Süden präsent. Denn die UNESCO hat dazu aufgerufen, in den historischen Orten mehr für ihre Präsenz zu tun. Lateinamerika, Afrika sind stark präsent. <BR /><BR /><b>Ein Anliegen der Ausstellung war Ihnen die Interaktion mit den historischen Räumen des Klosters. Wie haben Sie das gelöst?</b><BR />Pelz: Mich interessiert das Zusammenspiel in den verschiedenen Räumen. Ich habe versucht, Themenräume und Nachbarschaften zu bilden, so dass man auch innerlich einen Bezug herstellen kann. <b>Nicolás Rupcich</b> étwa ist ein chilenischer Fotograf, der im April 2022 im nördlichen Polarmeer unterwegs war, um die aktuellen Veränderungen aus seiner Perspektive zu zeigen. Wir sehen das Material, das er nicht verwerten wird, das, was aussortiert wurde. Der ökosoziale Ansatz war mir wichtig. Ich möchte Künstler und Künstlerinnen zeigen, die heute die Welt mit Aufmerksamkeit beobachten und sensibel der Gegenwart gegenüber sind. <b>Julian Hölscher</b> animiert das bekannte Bild „Eismeer“ von C.D. Friedrich in Form eines 3D-Mappings, so dass man direkt in das Bild hineintreten kann, es ist unser Beitrag zum C.D. Friedrich-Jahr. Dem deutschen Künstler <b>Heinz Mack</b> gelingt es, mit seinem Glas- Lichtkubus im chinesischen Zimmer einen besonderen Dialog einzugehen. Zeitgenössisches und Historisches entfalten hier eine friedliche Koexistenz. <b>Brigitte Kowanz</b> präsentiert eine Arbeit, die einen Text in Morse Code übersetzt, fast einen Altar neben den historischen Kunstwerken. „Sichtbares trifft auf Verborgenes. Augenblick auf Dauer“: Hier ist Licht Träger von Information, es ist auch eine medienkritische Arbeit, denn wir hegen uns ein in eine codierte Welt. <BR /><BR /><b>Welches sind Ihre schönsten Augenblicke hier im Kloster im Rahmen dieser Ausstellung?</b><BR />Pelz: Sicher nachts, wenn man ganz alleine ist und diese Lichtinstallationen und Objekte und vor allem das Kloster mit den wunderbaren Werken die besondere Aura entfalten. Ich freue mich aber, dass diese Licht-Kunst-Wasserwerke auch während des Tages erlebbar sind. Denn temporär sind auch Räume, wie der Kapitelsaal geöffnet, der normalerweise nicht zugänglich ist. <BR /><BR /><b>Termin:</b> Bis 29. 6., Kloster Neustift