Montag, 27. Juli 2020

Sommer der italienischen Museen: Mit Kreativität gegen starke Verluste

Die italienischen Museen erleben einen heißen Sommer und das nicht nur wegen der hohen Temperaturen. Archäologische Parks und Museen haben seit Ende des Lockdowns im Mai fast alle wiedergeöffnet, kämpfen jedoch gegen einen starken Besucherrückgang und riesige Einnahmeverluste. Um dem Tourismusschwund entgegenzuwirken, zeigen sich Museumsdirektoren erfinderisch.

Eike Schmidt schlägt ungewöhnliche Wege ein. Und auch an anderen Orten in Italien wird man kreativ.
Eike Schmidt schlägt ungewöhnliche Wege ein. Und auch an anderen Orten in Italien wird man kreativ. - Foto: © APA (AFP) / TIZIANA FABI
Für Eklat sorgte der deutsche Uffizien-Direktor Eike Schmidt, der sich vor einigen Tagen an der Seite der blonden Star-Influencerin Chiara Ferragni vor der Botticelli-Venus fotografieren ließ. Die 33-jährige Ferragni, Italiens blondes Schönheitsidol, hat auf Instagram 20 Millionen Follower. Im Begleittext des auf der Uffizien-Seite geposteten Bilds wird Ferragni als „eine Art zeitgenössische Gottheit der Social-Ära“ mit der Botticelli-Venus verglichen. Der Post bekam mehr als 33.000 Likes, doch Schmidt wurde mit Kritik überhäuft.

Der gebürtige Freiburger ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Wir haben eine demokratische Auffassung des Museums: Unsere Sammlungen gehören allen, nicht nur einer selbst ernannten kulturellen Elite“, sagte er im Interview mit der Tageszeitung „La Repubblica“. Die Uffizien haben seit dem Lockdown stark auf Social Media gesetzt und posteten unter anderem Videos auf der bei Jugendlichen beliebten Internetplattform TikTok.

Pro Tag 34.000 Euro Verlust für das Ägyptische Museum in Turin

Ab dem 31. Juli will das Ägyptische Museum in Turin wieder 7 Tage die Woche öffnen und nicht mehr nur 3 wie seit Mai. 1200 Museumsbesucher pro Tag statt der 8000 in der Zeit vor der Coronavirus-Epidemie zählt das größte Museum ägyptischer Kunst der Welt außerhalb Kairos, was einen Einnahmerückgang von 34.000 Euro pro Tag bedeutet. 3 Million Defizit während der 3 Monate Lockdown wurden angesammelt. Museumsdirektor Christian Greco hofft auf Unterstützung seitens der Gemeinde Turin und der Region Piemont, um die Verluste einzudämmen.

Schließlich finanziert das Turiner Museum archäologische Ausgrabungen in Ägypten, Restaurierungsarbeiten im Wert von 400.000 Euro und Stipendien für Forscher. „Diese Tätigkeit hält das Museum am Leben, wir können nicht darauf verzichten“, sagte Greco. Die Sammlung des über 200 Jahre alten Museums umfasst 32.500 Artefakte, von denen 6500 ausgestellt sind.

Zaghafter Optimismus in Venedig und Mailand

Auch die Museen in Venedig sind durch den starken Besucherrückgang, sowie die strengen Anti-Covid-Distanzierungsregeln belastet. Rund 7000 Besucher pro Wochenende besichtigten im Juli den Palazzo Ducale in Venedig, die Hälfte gegenüber der Zeit vor der Coronavirus-Epidemie im Februar. Jedenfalls ist die Lage wesentlich besser als im Juni, als nur 3000 Besucher pro Wochenende gezählt wurden.

Auch das Mailänder Museum der Wissenschaft und Technologie ist mit einem Besucherrückgang konfrontiert, sein Direktor Fiorenzo Galli lässt sich aber nicht entmutigen. „Im Jänner konnten wir noch ein Besucherwachstum von 23 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat 2019 melden, doch dann ist es zum Stillstand gekommen. Wir arbeiten jetzt an einem Plan zur Veranstaltung von Shootings für Modemagazine, sowie Events in Partnerschaft mit großen Unternehmen in unserem Museum“, sagte Galli.

Hoffen auf den Bonus der Regierung

Eine wichtige Rolle zur Förderung der mit der Epidemie konfrontierten italienischen Museen soll der sogenannte „Art Bonus“ spielen, ein Steuerguthaben für Mäzene, die mit Schenkungen zur Renovierung und Instandhaltung von Denkmälern beitragen. Das von der Regierung aufgelegte Programm „Art Bonus“ belohnt das finanzielle Engagement von Privaten für kulturelle Einrichtungen mit Steuererleichterungen von bis zu 65 Prozent. Das Steuerguthaben soll auf 3 Jahre verteilt werden. In den vergangenen Jahren hatten namhafte Brands der Luxusindustrie wie Gucci, Tod s und Bulgari mit dem „Art Bonus“ die Restaurierung von Denkmälern und Monumenten wie dem Kolosseum und der Spanischen Treppe in Rom finanziert.

apa

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