Wie viel Kultur braucht eine Stadt – und wie viel Neues verträgt Tradition? Darüber spricht Stadträtin Bettina Kerer im Interview. Sie erklärt, warum Vereine und Ehrenamt für das gesellschaftliche Leben unverzichtbar sind. <BR /><BR /> Stadträtin Bettina Kerer sprüht förmlich, wenn sie über Kultur und über „ihre“ Vereine spricht: „Kultur ist kein Luxus – ganz im Gegenteil“, sagt Kerer, die seit 2015 im Gemeinderat sitzt. Seit 2020 ist sie Brixner Stadträtin, seit 2024 als solche auch für die Bereiche Ehrenamt und deutsche Kultur verantwortlich.<BR /><BR /><b>Sie sprechen mit Begeisterung über Kultur und Vereine. Was bedeutet Kultur für Brixen?</b><BR />Bettina Kerer: Kultur ist für Brixen kein Luxus, sondern zentraler Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Für die älteste Stadt Tirols gehört Kulturarbeit seit jeher zur DNA. Die Vereine mit ihren Ehrenamtlichen sind enorm wichtig. Das zeigt sich nicht nur in der finanziellen Unterstützung von Seiten der Gemeinde, sondern auch im regelmäßigen Austausch mit den Vereinsverantwortlichen. Diese Treffen werden sehr geschätzt. <BR /><BR /><b>Brixen gilt als traditionsreiche Bischofsstadt. Wie gelingt der Spagat zwischen Tradition und moderner Kultur?</b><BR />Kerer: Brixen ist historisch stark von seiner klerikalen Geschichte geprägt. Gleichzeitig wollen wir auch den Mut haben, Neues zuzulassen. Als offene Stadt möchten wir eine Kulturarbeit betreiben, die auch experimentierfreudig ist. Natürlich kann nicht jeder mit allen Formaten etwas anfangen, aber genau diese Vielfalt braucht es.<BR /><BR /><b>Die Ausgaben für Kultur sind gestiegen. Steigen die Kosten oder die Nachfrage?</b><BR />Kerer: Beides würde ich sagen – der generelle Kostenanstieg spielt sicher eine Rolle, aber die Vereine sind auch sehr aktiv. Zudem haben wir zwei, drei neue Vereine dazubekommen. Aber der Fokus wurde nochmals verstärkt: Vor zehn Jahren lagen die Jahresbeiträge für Kulturvereine bei rund 196.000 Euro, heuer sind es 302.000 Euro. Wer Kultur fördert, stärkt auch das soziale Leben. Dieser Aspekt muss immer mitgedacht werden. Kultur ist ein Bindeglied. <BR /><BR /><b>Brixen hat sich als Kulturstadt einen Namen gemacht. Worin sehen Sie die Gründe dafür?</b><BR />Kerer: Ja, mit Stolz dürfen wir sagen, dass Brixen bei Kulturschaffenden beliebt ist. Das hat viel mit Netzwerkarbeit im Hintergrund zu tun. Wichtig ist für uns vor allem die Vernetzung mit der Stadt und ihren Menschen. Wir wollen dem Kulturbetrieb nichts überstülpen, sondern etwas entwickeln, was zu Brixen passt.<BR /><BR /><b>Welche kulturellen Einrichtungen und Veranstaltungen prägen Kultur in Brixen besonders?</b><BR />Kerer: Es gibt viele Träger und Initiativen, die das kulturelle Leben enorm bereichern – etwa Musik und Kirche, das Südtiroler Kulturinstitut oder das Teatro Stabile. Mit dem Astra bietet Brixen zudem eine Plattform für junge Kultur, außerdem bietet der Tschumpus für die Brixner ein tolles Programm. Gleichzeitig zeigt sich die Kraft der Kultur aber auch bei einem Chorkonzert, bei den vielen Veranstaltungen in der Stadtbibliothek, bei einer Theateraufführung in Afers oder beim Altstadtfest.<BR /><BR /><b>Welche Rolle spielt Nachwuchsförderung?</b><BR />Kerer: Ein Anliegen ist uns die gute Zusammenarbeit mit der Musikschule Brixen. Mit rund 1.300 Schülern leistet sie eine ausgezeichnete Jugendförderung und trägt wesentlich dazu bei, junge Menschen für Musik und Kultur zu begeistern.<BR /><BR /><b>Was fehlt in Brixens Kulturlandschaft?</b><BR />Kerer: Eine Freilichtbühne für große Konzerte etwa. Hierfür könnte künftig ein neuer Stadtpark am Priel eine Alternative sein. Der Domplatz ist nicht geeignet für größere Konzerte; er strahlt an und für sich und soll kein Eventpark – wohl aber ein Treffpunkt – sein. Wir haben sehr viele Anfragen für Veranstaltungen am Domplatz. Hier gilt es jedes Mal abzuwägen, schließlich wollen auch die Leute ins Herz der Stadt einladen. Diesen Spagat zu schaffen, ist nicht immer einfach. <BR /><BR /><b>Über welche kulturellen Veranstaltungen dürfen sich heuer noch Kulturbegeisterte freuen?</b><BR />Kerer: Da steht jede Menge auf dem Programm. Etwa ein Konzert der Bürgerkapelle in der Hofburg mit der „Banda Musicale dell'Aeronautica Militare“ Ende Juli, ein Konzert der Regensburger Domspatzen im Dom, ein Konzert der Bürgerkapelle Brixen mit dem Indie-Pop-Duo Anger oder der Tschumpus Kultursommer. <BR /><BR /><b>Stichwort Stadtgalerie: Wie soll sie sich weiterentwickeln?</b><BR />Kerer: Die Stadtgalerie mit ihrer zeitgenössischen Kunst wird aktuell im Auftrag der Gemeinde vom Südtiroler Künstlerbund betrieben, der Auftrag wird jährlich neu vergeben. Aktuell sind wir dabei, über die weitere Zukunft der Galerie im Stadtrat zu beraten. Klar ist: Die zeitgenössische Ausrichtung wird bestehen bleiben. Kunst kann gefallen oder auch nicht. Unser Auftrag als Gemeinde ist es, auch eine andere – zeitgenössische Sicht der Kultur – zu fördern. Wir erhoffen uns da auch eine gewisse Offenheit von Seiten der Einheimischen – wenn man sich einlässt, kommt viel zurück. <h3> Wie sieht es mit der finanziellen Förderung aus?</h3> Im Vereinsverzeichnis der Gemeinde Brixen sind 71 Vereine eingetragen, die im kulturellen Bereich tätig sind. Dazu zählen unter anderem sechs Bildungsausschüsse, zahlreiche Chöre und Theatervereine, sechs Musikkapellen, verschiedene Musikvereine, Vereinigungen zur Traditionspflege sowie Museumsvereine. Der Stadtrat der Gemeinde Brixen hat eine Reihe von Jahresbeiträgen für kulturelle Tätigkeiten und Projekte genehmigt. Für die Kulturarbeit stellt die Gemeinde im Jahr 2026 insgesamt 530.000 Euro zur Verfügung. Anfang Mai bewilligte der Stadtrat 263.200 Euro für die kulturelle Jahrestätigkeit der Vereine. Darüber hinaus gewährt die Gemeinde Geld für Kulturprojekte im laufenden Jahr. Dafür sind bisher 82.500 Euro vorgesehen. Weitere projektbezogene Beiträge sollen folgen. Für 2026 sind für ausgewiesene Kulturvorhaben in der Gemeinde 269.000 Euro vorgesehen. <Rechte_Copyright></Rechte_Copyright>