Mittwoch, 04. April 2018

Stadttheater Bozen: „Mother Song“

Der Nahe Osten ist ein Pulverfass. In einigen Ländern erfährt die Zivilbevölkerung das schlimmste Leid. Die Theaterperformance „Mother Song“ betrachtet die Folgen der Kriege aus der Perspektive von Frauen. Vom 4. bis zum 8. April wird sein Werk im Stadttheater Bozen aufgeführt.

Sally Bashar Ghannoum, Bettina Kerl, Tijen Gosen Lawoton, Anna Unterberger, Hanna Binder. - Foto: Alexi Pelekanos
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Sally Bashar Ghannoum, Bettina Kerl, Tijen Gosen Lawoton, Anna Unterberger, Hanna Binder. - Foto: Alexi Pelekanos

Zur Recherche ist der irakisch-belgische Regisseur Mokhallad Rasem vor Probenbeginn in den Nahen Osten gereist und hat dort mit Frauen gesprochen, die buchstäblich alles verloren haben: Kinder, Ehemänner, Lebensgrundlagen. Seine Reise führte ihn von Bagdad ins syrische Damaskus, nach Aleppo und in den Libanon. Rasem hat Frauen an Gräber begleitet, ihre Rituale kennengelernt, ihre zerbombten Häuser gesehen. Seine Gespräche hat er aufgezeichnet. Die Bild- und vor allem Tonaufnahmen sowie Textzitate aus antiken Dramen bilden die Ausgangsbasis für die Theaterperformance mit einem vielseitigen internationalen Frauenensemble.

Die Südtiroler Film- und Theaterschauspielerin Anna Unterberger trifft auf die Ensemblemitglieder des Landestheaters Niederösterreich Hanna Binder und Bettina Kerl sowie auf die aus Aleppo stammende Sängerin Sally Ghannoum und die britisch-türkisch-stämmige Tänzerin Tijen Lawton. In intensiven Proben, die stark von der Persönlichkeit und Vorstellungskraft der Bühnenkünstlerinnen getragen werden, entsteht ein berührender, sehr bildstarker Theaterabend über universelle Gefühle von Verlust und Trauer und die Hoffnung auf neues Leben.

Premiere am 4. April in Bozen 

Mokhallad Rasem ist 2006 aus dem Irak nach Belgien geflohen. Er hat in der Antwerpener Theaterszene schnell Fuß gefasst, wurde Hausregisseur am renommierten Toneelhuis und hat sich mit seiner Siegerproduktion beim „Young Directors Award“ bei den Salzburger Festspielen 2013 auch international einen Namen gemacht. 2016 war er mit den Performances „Waiting“ und „Body Revolution“ gemeinsamer Gast von Transart und den Vereinigten Bühnen Bozen. Obwohl er in Europa bestens angekommen ist, bleibt seine Verlusterfahrung existentiell spürbar: „Wenn du deine Heimat verlierst, verändern sich deine Sinne. Alles schmeckt anders, hört sich anders an, das Licht ist anders.“, sagt Mokhallad Rasem.
Die erste Premiere dieser internationalen und mehrsprachigen Koproduktion fand am 3. März am Landestheater Niederösterreich in St. Pölten statt. Premiere an den Vereinigten Bühnen Bozen ist am 4. April, die Premiere am Toneelhuis Antwerpen ist am 24. April.

Vorstellungstermine:

Mittwoch, 4. April 2018, 20 Uhr - Stadttheater Bozen, Studio
Donnerstag, 5. April 2018, 20 Uhr - Stadttheater Bozen, Studio
Freitag, 6. April 2018, 20 Uhr - Stadttheater Bozen, Studio
Samstag, 7. April 2018, 20 Uhr - Stadttheater Bozen, Studio
Sonntag, 8. Apr 2018, 18 Uhr - Stadttheater Bozen, Studio

Tickets gibt es unter www.theater-bozen.it

stol

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