Uraufgeführt wurde das Werk im Jahr 1966 im Großen Festspielhaus in Salzburg.„Heute sieht man dieses Werk aus einer ganz anderen Perspektive“, sagt Nagano. Früher sei es mutig gewesen, eine neue Sprache. Heute sei er aber ein wenig vorsichtiger mit Angaben des Komponisten wie ein vierfaches Forte, denn das habe Henze damals geschrieben, um einen Effekt zu betonen – nämlich ein Spielen ohne Grenze – heute sei das rein technisch gesehen nichts mehr Neues, daher gehe er sehr sensibel mit diesen Angaben des damals jungen Komponisten um. Mit der Musik die Antwort auf heutige Fragen gebenDie Bassariden sind die Bürger Thebens, die sich hinreißen lassen vom Dionysus-Kult. Es gibt den Anfang und das Ende – diese Teile seien von der Vernunft der Bürger geprägt – und es gibt den Mittelteil, in der die Willkür und das Chaos herrschen und in der das Volk einem Hochstapler aufsetze.„Henze setzt den inhaltlichen Schwerpunkt in dieser Oper auf die Masse, auf das Volk“, so Nagano. Am Ende verstehen alle, in welchem Chaos sie sich befänden, wobei niemand sagen könne, wie sie dorthin geraten seien.„In der Zeit der Uraufführung war ein Hauch von Freiheit nach dem Krieg zu spüren“, sagt Regisseur Krzysztof Warlikowski. „Der Mensch der Masse nach einer Richtung setzt Henze einen Propheten vor – Religion als Opium fürs Volk, ich denke, das wollte Henze mit dieser Oper sagen. Er zeigt ein Volk, das das Dionysische attraktiver findet als das Biedere des Pentheus. Manchmal kann die Sprache keine Antwort auf eine Frage geben. Und genau da setzt dann die Musik ein“, so Warlikowski weiter.Die breite Bühne in der Felsenreitschule teilt er in vier Abschnitte: Der mittlere Teil sei der Krönungsort, rechts sei das Schlafzimmer der Agave und damit ein intimer Ort, links finde man die Kultstätte und einen Berg, der nach oben strebe und mit allen anderen Ebenen in Wechselwirkung stehe.Das originale Libretto in englischer FassungNach längerer Diskussion habe man sich entschieden, das originale Libretto zu nutzen und die englische Fassung der Oper auf die Bühne zu bringen, sagt Kent Nagano. (Für die Uraufführung wurde die deutsche Fassung genutzt.)Auch Nagano zeigt sich dankbar über die fundierte musikalische Probezeit. „Wir haben in den ersten Proben sehr viel diskutiert“, sagt er. „Aber das hilft am Ende sehr viel, wenn man das Werk in einen so besonderen Ort wie die Felsenreitschule transferiert.“Diese Bühne sei ein Ort, an dem Magie möglich ist. Oft stünden die Sänger in der Inszenierung so weit weg von ihm, das er sie gar nicht sehen könne, trotzdem aber sei durch die intensive Probenzeit eine Kommunikation durch einen ästhetischen Instinkt möglich.Die Premiere wird am heutigen 16. August um 19.30 Uhr in der Felsenreitschule in Salzburg aufgeführt. Regisseur Krzysztof Warlikowski, Dirigent Kent Nagano und die Sänger Tanja Ariane Baumgartner, Sean Panikkar, Russell Braun (v.l.). C. F. Pichler aus Salzburg