Der allseits bekannte Theaterhaudegen, Südtirols Stimmungskanone Nr. 1, Publikumsliebling, der unermüdliche Hauptdarsteller, das „Urvieh“, der unschlagbare, unverwüstliche Gustl Untersulzner – mit diesen Worten wurde der Volksschauspieler in den Theaterrezensionen bejubelt.Und das war sicherlich keine Übertreibung, denn wenn Gustl mit einem verschmitzten Lächeln auf die Bühne trat, brach sofort Lachen im Theatersaal aus. Sein bloßes Erscheinungsbild sorgte für Komik.Das muss schon Anfang der 50er-Jahre der Regisseur Luchino Visconti verstanden haben. Damals drehte er in Venedig seinen Film „Senso“ mit Alida Valli in der Hauptrolle, in einer der Nebenrollen spielte auch ein gewisser Gustl Untersulzner.Dessen weitausholende Gestik, verbunden mit auffallenden mimischen Fähigkeiten, veranlasste Visconti, so wird kolportiert, zum Ausruf: „Ma questo é un Leporello.“Die erste Bühne – das Bozner LehrlingsheimGleich nach dem Krieg gibt es im Hof des Bozner Lehrlingsheimes in der Kapuzinergasse die Gelegenheit für Untersulzner, seine komödiantischen Fähigkeiten zu entwickeln.Es war die erste Südtiroler „Freilichtbühne“ gewesen, erinnert sich Gustl in einem Gespräch in den „Dolomiten“ (1996). Die Saaldecke war nämlich durch eine Bombe zerstört worden.Nichtsdestoweniger brachte die Volksbühne damals ein Stück nach dem anderen auf die Bretter: Das Darlehen für den Wiederaufbau des Theaters, zu dem man sich verpflichtet hatte, war abzustottern. „Buabn, spielts a Stickl, nägschtn Muntig isch wieder a Schuld zu zohln.“Mit den „Drei Eisbären“ von Maximilian Vitus schließlich war es 1949 soweit: Der Saal konnte eingeweiht werden. „Es wor olm gstoaßn voll. Werbung wor net notwendig.“ An die 400 Besucher drängten sich regelmäßig in den kleinen Zuschauerraum.„Mir tian Theater spieln“Aber gehen wir zu den Anfängen: Nach dem Krieg war Untersulzner mit Willi Walther, Kooperator in Bozen, Mitbegründer der katholischen Jugend. Der Willi hat irgendwann gesagt „mir tian Theater spieln“. Das war der Anfang für Gustl.Als bei der Volksbühne Bozen einmal jemand ausfiel und er gefragt wurde, ob er einspringen wolle, sei das für ihn gewesen „wie am Burgtheater in Wien engagiert zu werden“.Am liebsten habe er – von Anfang an – die komischen Rollen gespielt. Einmal – in der Rolle des Kain, der den Abel erschlagen hatte – habe er sich reuevoll vor der Mutter hingekniet und um „Verzweiflung“ gebeten: Mordslacher im Saal!Als hervorragender Darsteller verschiedener Komikerrollen in Volksstücken ist Gustl Untersulzner später mehrfach mit Verdienstmedaillen ausgezeichnet worden, u. a. auch mit jener des Landes Tirol. Aber großen Wert hat er darauf nicht gelegt, „wenn man sigg, wer dös alles kriagt …“, meinte der Gustl im damaligen Gespräch.ImprovisationstalentPannen auf der Bühne? Sie passierten ihm kaum. Das Publikum nehme im Übrigen die Ausrutscher gar nicht so wahr, war er der Meinung.Jedenfalls wusste er in so einem Falle damit umzugehen. „Nix vertuschn“ war seine Devise, sondern ruhig „draufhintrompln“.Ebenso den anderen gegenüber: „Wos tuasch do“, konnte er schimpfen, wenn einer frühzeitig ins Bühnenbild platzte … da lachte dann alles. Aber nicht nur das Publikum lachte, hinter der Bühne wurde manchmal genauso gelacht.Heute gehe es hingegen im Theater zu sehr um Präzision, „ob i drei oder vier Schritt noch rechts geah“, sei doch egal. Diese Kritik verwundert nicht, denn echtes komödiantisches Volkstheater entstand bei Untersulzner immer in Verbindung mit seinen improvisatorischen Fähigkeiten.28 Jahre Theater-ObmannDer Komiker fühlte sich immer stark mit der Volksbühne Bozen verbunden, deren Obmann er als Nachfolger von Franz Treibenreif von 1980 bis 2008 war. „Gustl Untersulzner ist die Volksbühne Bozen, und die Volksbühne Bozen ist Gustl Untersulzner“, schrieb Hugo Seyr in seinem Bericht über das 70-jährige Bestehen der Volksbühne vor einem Jahr.Humor begleitete ihn sein Leben lang, auch, als er zuletzt von der Krankheit gezeichnet war, verlor er nie seinen unverwüstlichen Optimismus und wünschte sich mit einem verschmitzten Lächlen: „Jo holt a kloans Röllele.“ Das wird er jetzt irgendwo anders spielen müssen.62 Jahre BühneDer am 21. September 1928 auf einem Moritzinger Bauernhof geborene Gustl Untersulzner stand seit Herbst 1945 auf der Bühne. Seinen ersten Auftritt hatte er mit der Bozner Volksbühne in dem Stück „Das Opfer des Beichtgeheimnisses“.Der Theraterpionier wirkte in über 800 Aufführungen mit, er stand 62 Jahre auf der Bühne. Etwa 50 Stücke der Volksbühne mit Untersulzner werden vom Fernsehen des Senders Bozen aufgezeichnet und ausgestrahlt, dazu kommen zahlreiche Hörspiel-Produktionen.Der Volksschauspieler war bekannt für seine humorvollen Auftritte. Er galt als Garant für einen lustigen Theaterabend. „Im Grunde bin ich ein ernster Mensch“, sagte Gustl Untersulzner 2007 in einem „Dolomiten“-Interview. Also keiner, der im Gasthaus Witze reißt oder ständig die Stimmungskanone gibt. Still, pflichtbewusst, zuverlässig, so beschrieb er sich.Als er in der Silvesternacht 2007 bei einem Brandunfall schwer verletzt wurde, musste Untersulzner das Theaterspielen aufgeben. Er wurde seither in der Bozner Marienklinik gepflegt.Gustl Untersulzner hinterlässt seine zwei Kinder Ingrid und Stefan. Seine Frau Bice (Beatrix) Borsa verstarb im August 2010.Die Beerdigung findet am 11. November um 15.45 Uhr am städtischen Friedhof von Bozen-Oberau statt. Zuvor, um 14.30 Uhr, wird in der Grieser Stiftspfarrkirche die Eucharistiefeier abgehalten.eva/baFür dieses Video zu Gustl Untersulzner hat die Volksbühne Bozen uns freundlicherweise Material aus dem Videoarchiv zur Verfügung gestellt