Wir haben uns mit ihr zum Gespräch getroffen. <BR /><BR /><b>Frau Mayn, Sie haben Ihre Liebe zur Schauspielerei schon als Jugendliche bei den Rittner Sommerspielen entdeckt. Ihre Rückkehr auf die Freilichtbühne in Südtirol wird vielerorts als ein besonderes Ereignis wahrgenommen – was hat Sie persönlich dazu bewogen, wieder unter freiem Himmel zu spielen, und welche emotionale Qualität hat diese Form des Theaters für Sie heute?</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1331331_image" /></div> <BR /><BR />Christine Mayn: Die Freilichtbühne hat für mich etwas Magisches. Dort habe ich als junge Mädchen meine ersten prägenden Theatererfahrungen gemacht. Jetzt, viele Jahre später, wieder unter freiem Himmel zu spielen, fühlt sich fast wie ein Nachhausekommen an. Die Natur wird Teil der Inszenierung – das Licht, der Wind und die Geräusche des Abends. Das macht jede Vorstellung einzigartig und erinnert mich daran, warum ich diesen Beruf einmal gewählt habe: weil Theater lebendig ist und immer im Augenblick entsteht.<BR /><BR /><b>Die Freilichtbühne bringt eine ganz eigene Dramaturgie mit sich – Natur, Wetter und Publikum verschmelzen auf besondere Weise. Wie beeinflusst dieses Umfeld Ihre Interpretation der Rolle und Ihr Spiel im Vergleich zu einer klassischen Guckkastenbühne?</b><BR /><BR />Mayn: Im Freilichttheater kann man nichts kontrollieren – und genau das macht seinen Reiz aus. Man spielt nicht gegen die Natur, sondern mit ihr. Ein Windstoß, das Zwitschern der Vögel oder ein dramatischer Himmel können einer Szene eine zusätzliche Ebene geben. Gleichzeitig entsteht eine unmittelbare Nähe zum Publikum. Man spürt dessen Reaktionen sehr direkt, und das macht das Spiel oft spontaner und intensiver als in einem geschlossenen Theaterraum.<BR /><BR /><b>Bei den Meraner Festspielen übernehmen Sie eine zentrale Rolle – was reizt Sie gerade an dieser Produktion und wie würden Sie Ihre Figur in wenigen Worten charakterisieren?</b><BR /><BR />Mayn: Ich spiele eine Hotelbesitzerin, die gemeinsam mit ihrem Mann einen traditionsreichen Hotelbetrieb führt und plötzlich mit einer Situation konfrontiert wird, die ihr Leben und ihre Verantwortung als Gastgeberin auf eine harte Probe stellt. Mehr möchte ich gar nicht verraten – schließlich soll das Publikum die Geschichte selbst erleben.<BR />Was diese Rolle für mich aber so besonders macht, ist ihre Nähe zu meiner eigenen Herkunft. Ich weiß, wie viel Herzblut, Verantwortung und Einsatz hinter einem Hotelbetrieb stecken. Man hat Verantwortung nicht nur gegenüber den Gästen und der Gemeinde, sondern auch gegenüber der ganzen Region.<BR />Gerade in Südtirol, wo der Tourismus seit Generationen das Leben vieler Menschen prägt, ist ein Hotel weit mehr als ein Unternehmen. Es ist auch ein Stück Heimat und Visitenkarte nach außen.<BR /><BR /><b>Sie haben im Laufe Ihrer Karriere zahlreiche Rollen verkörpert: Inwiefern fordert oder überrascht Sie diese aktuelle Rolle künstlerisch, und gibt es Aspekte, die Sie selbst neu entdecken mussten?</b><BR /><BR />Mayn: Mich fasziniert, wie das Leben manchmal einen Kreis schließt. Als Schauspielerin darf ich Erfahrungen nutzen, sie aber gleichzeitig in etwas Neues verwandeln.<BR />Genau das liebe ich an meinem Beruf: Jede Rolle führt einen auch ein Stück zu sich selbst zurück. Und manchmal erkennt man erst auf der Bühne, wie sehr man selbst in einer Figur weiterlebt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1331334_image" /></div> <BR /><b>Südtirol hat eine lebendige, vielsprachige Kulturszene mit einem sehr spezifischen Publikum. Spüren Sie bei den Meraner Festspielen und auf der Freilichtbühne eine besondere Resonanz – und wenn ja, wie wirkt sich diese auf Ihre Arbeit und Ihren künstlerischen Ausdruck aus?</b><BR /><BR />Mayn: Ja, auf jeden Fall. Das Publikum in Südtirol begegnet dem Theater mit großer Offenheit und gleichzeitig mit einer bemerkenswerten Aufmerksamkeit. Vielleicht liegt es an der besonderen kulturellen Vielfalt dieser Region. Man spürt, dass die Menschen zuhören, mitfühlen und sich wirklich auf eine Geschichte einlassen. Diese Resonanz trägt einen als Schauspielerin durch den Abend und schenkt einem viel Vertrauen. Genau dieser Austausch zwischen Bühne und Publikum macht Theater für mich so wertvoll. Und wenn man das Glück hat, mit so einem wunderbaren und kreativen Regisseur, wie Torsten Schilling, zu arbeiten, fühlt man sich einfach richtig. Aufgehoben eben!<BR /><h3> Zur Person Christine Mayn</h3>Geboren in Bozen, besuchte Christine Mayn die Schauspielschule in Innsbruck. Erste Theatererfahrung sammelte sie bei den Rittner Sommerspielen. Sie wurde durch Auftritte in zahlreichene Fernsehfilmen bekannt, spielte unter anderem in „Das Traumschiff“.<BR /><BR />1989 erhielt sie die Auszeichnung „Goldener Enzian“ für Verkaufte Heimat I+II, Alpe-Adria Filmfestival, Triest. Sie ist mit dem Schauspieler Nick Wilder verheiratet.<BR /><BR /><b>Termin:</b> Premiere am 2. Juli um 21 Uhr, oberhalb der Gärten von Schloss Trauttmansdorff, weitere Aufführungen bis 20 Juli