Sonntag, 29. September 2019

„Die Schattenkaiserin“: Musicalpathos in Innsbruck zum Maximilianjahr

Das vom Landestheater Innsbruck für das „Maximilianjahr“ in Auftrag gegebene Werk „Die Schattenkaiserin“ hat am Samstag ebendort Premiere gefeiert. Das Musical, komponiert von Jürgen Tauber und Oliver Ostermann, stellte aber nicht den Regenten in den Mittelpunkt, sondern Bianca Maria Sforza, dessen zweite Frau. Trotz hoher musikalischer Ambitionen war dabei Schlagerkitsch oft nicht fern.

Das Auftragswerk zum Maximilianjahr wurde am Samstag am Tiroler Landestheater euphorisch aufgenommen.
Das Auftragswerk zum Maximilianjahr wurde am Samstag am Tiroler Landestheater euphorisch aufgenommen. - Foto: © APA

Spannung auf der Erzählebene durfte man sich zudem nicht erwarten. Dass die Sache für Bianca Maria Sforza nicht gut ausgehen würde, wusste man nämlich auch ohne Kenntnis der historischen Fakten sehr schnell. Bereits zu Beginn singt ihr kindliches Ich „La vita è bella“, während die erwachsene Königin völlig vereinsamt und verzweifelt nach Maximilian ruft. Zwangsläufig musste also Spannung auf der inszenatorischen, schauspielerischen und musikalischen Ebene erzeugt werden.

Die Geschichte ist dabei jedenfalls reichlich simpel. Bianca Maria Sforza aus Mailand wird aus machtpolitischen Gründen Maximilians zweite Frau. Der mächtige Herrscher verliert aber schnell das Interesse an ihr und lässt sie oftmals, während er teure Kriege führt und auch sonst notorisch pleite ist, jahrelang allein.

Der rote Faden des Stückes

Die historischen Fakten dahinter, etwa der Machtkampf um Mailand und Italien generell, gerieten dabei ein wenig zum nebensächlichen Hintergrundrauschen. Viel wichtiger war beispielsweise, dass er seine verstorbene erste Frau Maria von Burgund immer noch liebte und damit seiner zweiten Gattin seine Liebe in letzter Konsequenz versagte.

Dieser rote Faden des Stückes, den man zu keinem Zeitpunkt verlor, gab einem mehr Zeit um sich auf andere Aspekte des Abends und des Werkes zu konzentrieren. Da waren unter anderem die Bühne, die vor allem durch Lichteffekte zu einem imposanten Erlebnis wurde, der mächtig donnernde Chor und die beeindruckende Gesangsleistung der Hauptdarstellerin Jil Cleese, die von Andreja Zidaric, welche die Kammerfrau von Bianca Maria Sforza mimte, sogar noch übertroffen wurde.

Leider blieb aber ausgerechnet Maximilian, gesungen von Reinwald Kranner, in stimmlicher Hinsicht relativ blass und nichtssagend.
Selbiges konnte man zum Teil auch über die Musik sagen, obwohl die Ansprüche eigentlich hoch waren. Die Komponisten bedienten sich einer ausgefeilten Leitmotivik, mit deren Hilfe man sofort wusste, ob man sich in Innsbruck oder in Mailand befindet.

Beifall für die 2 stimmgewaltigsten Frauen 

Für Musicalverhältnisse wurde man darüber hinaus insgesamt relativ selten mit Pop-Rock-Plattheit konfrontiert, sondern durfte sich sowohl an symphonischen als auch an mittelalterlichen oder klassischen Versatzstücken erfreuen. In so manch leisem Duett, zum Beispiel zwischen Maria und Maximilian, überschritt man aber die Pathos-Grenze gehörig und schrammte nur knapp am Schlager vorbei. Einige Melodiefetzen blieben hängen, insgesamt war aber vieles Standardware, die man schnell wieder vergaß.

Das Premierenpublikum bedachte jedenfalls nach fast 3 Stunden Aufführungsdauer vor allem die 2 stimmgewaltigsten Frauen, Jil Cleese und Andreja Zidaric mit lauten Bravo-Rufen, von denen auch vereinzelte für Reinwald Kranner abfielen. Auch dem charismatischen Dale Albright, der in der Rolle von Ludovica Sforza glänzte, zollte man laut jubelnd Tribut.

apa

stol