Als geouteter Homosexueller war er einer der ersten in Italien, der sein Geschlecht wechselte. Wie die Regisseurin Serena Sinigaglia diese Geschichte inszeniert hat, erklärt sie im Gespräch. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1236801_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wer war Giò Stajano?</b><BR />Serena Sinigaglia: Man müsste eigentlich von den vielen Giò Stajanos sprechen. Als Enkel von Achille Starace, Parteisekretär des Partito Nazionale Fascista und somit Mussolinis rechte Hand, wurde „Giò“ als Junge geboren und später zur Frau. Sie war eine der ersten Transsexuellen Italiens, die in Casablanca operiert wurde. Aber Giò Stajano war auch Schriftstellerin, Malerin, Schauspielerin, sie spielte unter anderem in Fellinis <Kursiv>La Dolce vita</Kursiv> mit, und am Ende ihres Lebens wurde sie sogar Nonne. Für mich war sie eine Frau, die die andere Seite des 20. Jahrhunderts repräsentiert. <BR /><BR /><BR /><b>Ein Leben, das dem Scheinwerferlicht ausgesetzt war... Wie stand Stajano zu ihrer Andersartigkeit?</b><BR />Sinigaglia: Stajano wurde sich ihrer Andersartigkeit mitten in der Zeit des Faschismus bewusst und traf für die damalige Zeit sicherlich eine sehr mutige aber auch kluge Entscheidung – nämlich die eigene Identität nicht zu verleugnen. Giò entschied sich, ihre Identität, sexuelle Orientierung, aber auch ihre existenzielle philosophische Ausrichtung kontinuierlich darzustellen. Damit vertritt sie eine positiv gesunde epikureische Philosophie. In diesem Sinne verkörpert sie im Gegensatz zu Pasolini etwa die andere Seite des 20. Jahrhunderts.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1236804_image" /></div> <BR /><BR /><b>Der Text des Stückes von heute Abend „Beata oscenità“ stammt von Massimo Sgorbani. Wie haben Sie ihn entdeckt?</b><BR />Sinigaglia: Durch Gianluca Ferrato, den Darsteller des Stückes Stücks, und den Direktor des Teatro Stabile von Bozen, Walter Zambaldi.<BR /><BR /><BR /><b>Was hat Sie dann bewogen, das Stück zu inszenieren?</b><BR />Sinigaglia: Ich habe mich sofort in Sgorbanis Schreibstil verliebt, weil er wie ein Feuerwerk wirkt, sich verwandelt, Synthese und Poesie zugleich. Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass Theaterstücke keinesfalls Filmtexte imitieren sollten. Theater sollte seine eigene fantasievolle, poetische und synthetische Sprache sprechen, die Sprache der antiken griechischen Tragödien.<BR /><BR /><BR /><b>Sie haben gesagt, dass der Hauptdarsteller Ihnen den Text empfohlen hat...</b><BR />Sinigaglia: Es ist so, dass der Autor diesen tatsächlich „für“ Gianluca Ferrato geschrieben hat. Wir wollten schon lange eine gemeinsame Arbeit machen und unsere gemeinsame Liebe zu den Texten von Sgorbani hat uns nun zusammengeführt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1236807_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie setzen Sie den Monolog auf der Bühne gemeinsam um?</b><BR />Sinigaglia: Ich habe Gianluca gebeten, in sich hineinzuhören und die ganze Palette von Gefühlen einzusetzen, um diese facettenreiche Figur darzustellen – gleichzeitig mit absoluter Eleganz. Ich wollte eine Art Molly Bloom aus James Joyces <Kursiv>Ulysses</Kursiv>, das bedeutet, sich in den Flow zu begeben ohne der Figur jedoch einen „Bewegungsfallschirm“ zu reichen. Und so bewegt sich alles um Ferrato herum, er muss in seiner Unbeweglichkeit seine inneren Regungen bewegen, in der Hoffnung, dass dies auch beim Publikum geschieht.<BR /><BR /><BR /><b>Das klingt kompliziert. Was war dabei die größte Herausforderung?</b><BR />Sinigaglia: Ich verwende normalerweise keine Videos. In dieser Hinsicht bin ich als Regisseurin altmodisch: Video ist Video, Theater ist Theater. In diesem Stück aber schien es mir unerlässlich, Videos einzusetzen, historische Bilder, die das Leben von Stajano erzählen. Ich habe versucht, ein kohärentes, bildhaftes und dichtes Universum zu schaffen, in das der Zuschauer hoffentlich eintauchen wird.<BR /><h3> Zur Person Serena Sinigaglia</h3><BR />Die Theater- und Opernregisseurin wurde 1973 in Mailand geboren und wurde mehrfach ausgezeichnet. Als Gründerin und künstlerische Leiterin von „A.T.I.R. (Associazione Teatrale Indipendente per la Ricerca)“ in Mailand ist Sinigaglia derzeit zusammen mit Lella Costa Direktorin des Teatro Carcano in Mailand. In ihrer Regiearbeit wechselt sie seit jeher zwischen Klassikern und zeitgenössischen Dramen. <BR /><BR /><b>Termine:</b><BR />11.11., Stadttheater Bozen; <BR />12.11., Stadttheater Sterzing; <BR />13.11., Nobis Bruneck; <BR />15.11., Forum Brixen <BR />Beginn: 20.30 Uhr – später auf Tour in Italien.