Das shakespearesche Mörderdrama, gespielt in der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel, entstand um 1593 und schildert den rücksichtslosen Aufstieg des Herzog von Gloucester auf den englischen Königsthron. Dafür müssen aber erst mehrere Familienmitglieder beseitigt werden. Die ersten Opfer auf seinem blutrünstigen Weg sind seine beiden Brüder Georg, Herzog von Clarence, und der regierende König Eduard IV. sowie dessen Kinder. Nicht enden will seine Lust an der Zerstörung, bis ihm blutig entrissen wird, was er blutig erlangte. Mit „Richard III.“ schuf Shakespeare den größten und faszinierendsten Schurken der Weltliteratur, dessen Blutgier und Skrupellosigkeit grenzenlos sind. Stückl will jedoch nicht ein hässliches, missgestaltetes Menschenungeheuer zeigen, sondern einen gelangweilten Spieler mit Lust am Risiko, dessen Einsatz Menschleben sind. Diesen eleganten Manager der Macht stellt Nico Holonics als redegewandten geistig überlegenen Zyniker und eiskalten Unterdrücker dar. Menschlich gesehen tritt er jedoch als seelisch Verkrüppelter auf, der weder zu Liebe noch zu Empathie fähig ist. Dieser Richard ist kein Einzeltäter, sondern die extreme Verkörperung eines völlig korrupten Systems, in dem nur Macht, Besitz, Einfluss und hoher Rang zählen. Fast alle der eng versippten Adelsclique um Richard erweisen sich als Bande von intriganten Gangstern in Maßanzügen, die sich lächelnd zum Familienfoto aufstellen, während sie den Dolch unterm Sakko tragen. Demgemäß steht dem Bösewicht auch ein großartiges Ensemble zur Seite, allen voraus Stefan Murrs Buckingham, dessen Lebensinhalt mit beamteten Pflichtbewusstsein erfüllt ist, und Justin Mühlenhardts unerschütterlicher Todesengel Catesby, der sich am Ende als der einzige Liebende entpuppt. Ilona Grandke sorgt als Königin Margaret für hellsichtigen Grusel, Xenia Tiling stellt eine laszive, das Verderben suchende Lady Anne dar und Thomas Kylau als Bischof Ely einen sich aus der Verantwortung windenden Mitläufer.Die letzten Szenen der Tragödie hat Stückl stark eingestrichen und zum Schluss setzt er alles wieder auf Anfang: ein neues Kind auf der Schaukel, ein neuer König auf dem Thron. Das Morden jedoch wird weitergehen. Termine und EinführungenDie Aufführungen finden am 24. und 25. März im Waltherhaus, Bozen statt und beginnen jeweils um 20 Uhr. Kostenlose Einführungen gibt es jeweils um 19.15 Uhr. Karten sind im Büro des Südtiroler Kulturinstituts erhältlich und bei Athesia Ticket.