Sonntag, 23. April 2017

„Im Rampenlicht zu stehen war immer schon meins“

12 Jahre lang hat der Pfalzner Fabian Mutschlechner als KFZ-Mechaniker gearbeitet. Dann sattelte er um: In Hamburg ließ er sich zum Schauspieler, Sänger und Tänzer ausbilden. Mutschlechner wollte Schaubühne statt Hebebühne.

Fabian Mutschlechner spielt zurzeit für die Krimödie Hamburg. - Foto: Cornelia Wolff
Fabian Mutschlechner spielt zurzeit für die Krimödie Hamburg. - Foto: Cornelia Wolff

3 Jahre besuchte der heute 30-jährige Fabian Mutschlechner die „Stage School Hamburg“, eine private Musicalschule, die zum Bühnendarsteller ausbildet. Mutschlechner, ein gebürtiger Pfalzner, war ein Quereinsteiger. Ein totaler Quereinsteiger. Bis dahin hatte er als KFZ-Mechaniker gearbeitet. Im Juli feiert Mutschlechner mit der Compagnie Magdeburg 09 seine erste große Premiere. Er spielt den Hamlet.

Südtirol Online: Herr Mutschlechner, soll ich jetzt „hoi“ oder „moin, moin“ zu Ihnen sagen?
Fabian Mutschlechner: (lacht) Eigentlich sagt man im Norden „moin“, aber Sie können gerne „hoi“ zu mir sagen. Auch wenn ich größtenteils in Hamburg lebe, ich bleibe ein Südtiroler.

STOL: In Hamburg arbeiten Sie als Schauspieler, Sänger und Tänzer. Eigentlich sind Sie aber gelernter KFZ-Mechaniker…
Mutschlechner: Genaugenommen bin ich KFZ-Techniker. Ich habe 12 Jahre lang in Bruneck in der Garage Staggl gearbeitet. Dort habe ich auch meine Ausbildung zum Meister gemacht. Eigentlich war ich ganz glücklich mit meinem Job.

STOL: Klingt nach einem klaren Karriereweg.
Mutschlechner: Ja. Als Jugendlicher habe ich mir überlegt, was ich machen könnte. Und nach einem Praktikum in der Werkstatt hab ich gemerkt, dass mir das gefällt. Dann habe ich KFZ-Mechaniker gelernt, danach KFZ-Elektriker und anschließend habe ich den KFZ-Techniker-Meister gemacht. Ich war auch zweimal bei den Berufs-Landesmeisterschaften und habe Lehrlinge ausgebildet. 2010 wurde ich vom Land zum Ausbilder des Jahres gewählt.

Foto: Privat

STOL: Und dann beginnen Sie eine Ausbildung als Tänzer. Das hört sich nach einem ziemlichen Bruch in Ihrer Vita an.
Mutschlechner: (lacht) Ja, das war tatsächlich ein großer Bruch. Irgendwann habe ich mich gefragt: Ist das alles, was ich im Leben machen möchte? Ich hatte in meinem Beruf alles erreicht, was ich erreichen wollte. Und die Bühne, die hatte ich als Bild schon länger im Kopf. Diesem Bild habe ich immer mehr Bedeutung geschenkt.

STOL: Das Bild aus einer völlig anderen Welt…
Mutschlechner: Stimmt. Es handelt sich um total unterschiedliche Welten. Ich habe mich aber in meiner Freizeit schon früher mit Tanzen beschäftigt.

STOL: Früher heißt?
Mutschlechner: Ich habe schon als kleiner Junge gerne getanzt und als ich 17 Jahre alt war, entschieden zum Volkstanz zu gehen. Was ich als Jugendlicher gemacht habe, war aber nicht unbedingt für die Bühne gedacht. Volkstanz ist kein Bühnentanz. Trotzdem, die Bühne hat mich immer schon fasziniert. Im Rampenlicht zu stehen war immer schon ein bisschen meins. (lacht)

Ich habe mich dann in der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz in Südtirol engagiert, ich war etwa als Kinder- und Jugendbetreuer tätig. Zweimal habe ich auch für „Die Pustertaler“ beim „Grand Prix der Volksmusik“ mitgetanzt. Einmal konnten wir den Vorentscheid des Grand Prix gewinnen.

STOL: Bei „Marianne und Michael“ und dem „Silvesterstadl“ waren Sie auch als Volkstänzer dabei.
Mutschlechner: Genau. Beim „Silversterstadl“ war ich mit Alex Pezzei und bei „Marianne und Michael“ mit den Pustertalern.

STOL: Erfahrungen, die Ihren Entschluss reifen ließen…
Mutschlechner: Ich habe gemerkt, dass das mein Weg sein wird. Ich habe mich immer gefreut, wenn ich auf der Bühne stand. Das war immer aufregend. Da wurden schon Weichen gestellt.

Foto: Marc Weber

STOL: 2013 bewerben Sie sich dann an der Stage School Hamburg – und werden aufgenommen. Ein harter Neuanfang als Quereinsteiger?
Mutschlechner: Ja. Ich war ein totaler Quereinsteiger. An der Schule wird man in drei Sparten ausgebildet: in Schauspiel, Gesang und Tanz. Ich dachte, ich komme als Tänzer an die Schule. In den 3 Jahren meiner Ausbildung musste ich dann feststellen, dass ich als Tänzer keine Karriere mehr machen werde. Dafür war ich einfach schon zu alt. Dafür habe ich aber meine Gesangsstimme und meine Fähigkeiten im Schauspiel entdeckt. Und darauf konzentriere ich mich heute.

STOL: Darf ich Ihnen eine persönliche Frage stellen?
Mutschlechner: Ja.

STOL: Hat man Sie zuhause belächelt?
Mutschlechner: Die Situation war natürlich gespalten, man muss sich ja erstmal beweisen. Das hat sich aber in Grenzen gehalten, da meine Familie immer hinter mir stand und mich unterstützt hat. Natürlich sind Fragen aufgekommen wie: „Willst du das jetzt wirklich machen? Willst du wirklich deine Karriere als Mechaniker hinschmeißen?“

Über diese Fragen habe ich viele Nächte geschlafen. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

STOL: Und jetzt fiebern alle mit, wenn Sie in Magdeburg den Hamlet spielen. Ihre erste große Rolle.
Mutschlechner: Stimmt, das ist bis jetzt die größte Herausforderung. Immerhin ist Hamlet eines der anspruchsvollsten Stücke, die im deutschen Sprachraum gespielt werden. Ich hatte zig Bewerbungen verschickt, und Gisela Begrich, die Regisseurin des Stückes, hat mich nach Magdeburg eingeladen.

Auf die Audition habe ich mich gut vorbereitet, ich habe ja auch eine Schwäche für klassische Stücke und Musik. Nach meinem Auftritt hieß es, man würde sich bei mir am nächsten Tag melden. Auf der Rückfahrt im Zug habe ich dann einen Anruf erhalten, ich hatte die Rolle. Und zwar die von Hamlet. Da war ich dann baff.

STOL: Und? Ein bisschen Muffensausen?
Mutschlechner: (lacht). Natürlich ist man etwas aufgeregt. Aber ich glaube, das geht vielen Schauspielern so, weil man nicht weiß, was auf einen zukommt. Eine Herausforderung ist immer toll: Man muss einfach machen.

STOL: Herr Mutschlechner, Handwerk hat goldenen Boden, heißt es. Ist eine Rückkehr in die Werkstatt denkbar?
Mutschlechner: Ab und zu bin ich auch heute noch in der Werkstatt. Ich stamme von einem Bauernhof und da gibt es immer etwas zu reparieren. Und auch in meiner alten Firma schaue ich gelegentlich vorbei. Ganz weg bin ich also nicht.

STOL: Ist eine berufliche Rückkehr also möglich?
Mutschlechner: Eher nicht, aber man weiß ja nie, was passiert. Als Darsteller geht man ja nicht von einem Engagement zum nächsten, da gibt es Hungerstrecken. Man muss schon schauen, dass man sich über Wasser hält.

Aber ich lebe gerade meinen Traum. Und ich bin mir sicher, ich bin auf dem richtigen Weg.

Interview: Andrej Werth

stol