Die Vereinigten Bühnen Bozen zeigen das Singspiel in drei Akten „Im weißen Rössl“ , eine Koproduktion mit der Stiftung Haydn und dem Tiroler Landestheater in Zusammenarbeit mit der Bürgerkapelle Gries und dem Chor „Flat Caps“ inszeniert von der österreichischen Schauspielerin und Regisseurin Ruth Brauer-Kvam. Margit Oberhammer hat sich das Stück angesehen...<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1314354_image" /></div> <BR /><BR />Der Zahlkellner Leopold muss sich schnippisch abweisen lassen. „Es muss was Wunderbares sein“ träumt und singt er weiter. Erwin Belakowitsch singt von der Sehnsucht des Leopold so herzzerreißend ehrlich schön, dass es außer dem schnippischen Grantscherben Josepha allen im Saal zu Herzen geht. Ein ausgezeichneter Schauspieler ist er zudem.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1314357_image" /></div> <BR /><BR />Die Inszenierung von „Im weißen Rössl“ von Ruth Brauer-Kvam fürchtet sich nicht vor Gefühlen. <Kursiv>„Love is in the air“</Kursiv> – die Leuchtschrift auf der Bühne ist Programm. Cupido, eine von der Regie neu eingeführte zweite Rolle für den Piccolo, hat alle Hände voll zu tun, bis am Ende drei glückliche Paare um die Wette strahlen. Rote Herzen leuchten, große und kleine, ersetzen die vertrockneten Lebkuchenherzen, die sich eine spröde (wunderbar jodelnde) Nadine Zeintl in der Rolle der Josepha um den Hals hängt. Die eigennützigen Versprechen verflossener Verehrer an die Peppi, Josi und mit weiteren Kosenamen Bedachte. Sentimental? Ja. Kitschig? Ja. Jedoch dermaßen stimmig und präzise gemacht, dass man sich gar nicht sattsehen kann an den Details im Bühnenbild, in den Kostümen, den Bewegungen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1314360_image" /></div> <BR />Die Bühnenbildnerin Monika Rovan schafft mit sparsamen Mitteln, suggestivem Licht (Micha Beyerman) eine überaus gekonnte Künstlichkeit. Farbige Spiegelungen am Himmel und im See kräuseln sich sanft. Violette Augentäuschungen, wie sie die Schlager- und Operettenmusik aufs Gemüt zu legen vermag. Gasthaus und See, Konturen der Berge und Wälder, Alm, Kühe und Schwäne: alles Kulisse für die rosarote Brille der Touristen. Wenige, strategisch platzierte und bewegte Requisiten setzen fröhliche Signale. Die Tischdecken flugs umgedreht und <Kursiv>„die ganze Welt ist himmelblau“.</Kursiv> Ein rot-weiß-roter Zug fährt über die Bühne, die Beine des frisch verliebten Paars Karlchen und Sigismund (Johannes Hut und Philip Leonhard Kelz mit viel komödiantischem Esprit) ragen aus dem Heißluftballon. Badehäuschen für die in den Augen der Nationalsozialisten „entartete“ Badeszene der 1930 uraufgeführten Operette finden ebenso Platz wie der große Chor der Touristen in knallgelben Regenmänteln. Wie die Bühne sind die Kostüme von Alfred Mayerhofer und die Choreografie von Damian Czarnecki der Koproduktion mit dem Tiroler Landestheater zu danken. Die Verkleidungen sprechen detailreich und witzig wie die Kulissen vom Landaufenthalt der Städter, markieren Rollen und Figuren. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1314363_image" /></div> <BR />Die vielen von vier Komponisten geschriebenen Tänze, vom Walzer bis zum Foxtrott, wollen choreografiert sein. Die Kellnerinnen schrubben im Takt, Besen werden zu Windflügeln. Die Szene um das gelüftete Geheimnis des Kaiserschmarrn-Rezepts ist dermaßen hübsch gemacht, dass sie hier einfach erwähnt werden muss.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1314366_image" /></div> <BR />Es liegt im Wesen der Operette, dass die Ausstattung, das Drumherum, so zentral am Erzählen der Geschichte beteiligt ist. Das soll keineswegs die Leistung der Sängerschauspieler schmälern. Die Akteure der Handlung geben ihren Figuren Profil durch verschiedene Härte- oder Weichheitsgrade des jeweiligen Dialekts, durch klar unterschiedene Stimmlagen. Bis hin zum Jodler zeichnen sie Gefühle und Lokalkolorit mal derber, mal feiner. Krachledern Thomas Hochkoflers Textilfabrikant Giesecke, still vergnügt der von Johann Nikolussi gespielte Privatgelehrte, augenzwinkernd der Kaiser Franz Joseph von Lukas Lobis. Mit geschmeidigem Tenor umgarnt Martin Lechleitners Anwalt Dr. Siedler die angebetete, stimmlich strahlende Cinzia Zanovello/Ottilie. Während sich das Karussell weiterdreht, bricht Leopold aus Kummer endgültig zusammen, bevor er sich zum Abschied aufrappelt. Da wird es plötzlich still auf der Bühne. Unter der operettenhaften Oberfläche wird einen Augenblick die Tiefe spürbar. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1314369_image" /></div> <BR />Wie im Kabarett oder im Couplet des Wiener Volkstheaters wendet sich die Operette mit sprachspielerischen Klischees, mit ironischen Pointen direkt ans Publikum. Valentina Insko Fink in der pfiffig und souverän gesungenen und gespielten Rolle des Piccolos/Cupido gibt dafür gleich am Beginn ein klares Signal. Sie geht durch die Zuschauerreihen, um Bestellungen aufzunehmen und stimmt mit einem Gstanzel auf gute Laune ein. Die gute Laune ist Sinn und Zweck des für Bozner Verhältnisse riesigen Spektakels. Alle Beteiligten, die 50 Musiker des Haydn Orchesters, das Zither-Gitarre-Akkordeon Trio, die Bürgerkapelle Gries, der Chor „Flat Caps“ stellen sich samt den Sängerschauspielerinnen mit sicht- und hörbar Engagement in den Dienst des fröhlichen musikalischen Mischmaschs. Der musikalische Leiter Christoph Huber lässt den Sound des Broadways anklingen. Das Publikum spendet viel Szenenapplaus, klatscht die flotten Rhythmen mit und bedankt sich begeistert für die professionelle musikalische Theaterunterhaltung. <BR /><BR /><BR /><b>Termine:</b><BR />20., 10 Uhr, Schulvorstellung <BR />21., 19.30 Uhr samt Dirndl & Lederhosen Contest während der Pause 22., 18.45 Uhr, Stückeinführung und 19.30 Uhr Vorstellung <BR />23.5., 19.30 Uhr Dernière, Stadttheater Bozen<Rechte_Copyright></Rechte_Copyright>