Wir haben mit ihr gesprochen. <b>von Ferruccio Delle Cave</b><BR /><BR />K<b>atharina Gschnell</b> ist Schauspielerin und Regisseurin in einem, die seit 2012 in Theater, Film und Fernsehen tätig ist. Nach ihrer Ausbildung an der Schauspielschule Innsbruck mit staatlichem Abschluss in Wien arbeitete sie vor allem als Schauspielerin in Südtirol und allgemein im deutschsprachigen Raum freischaffend. Neben zahlreichen Engagements auf renommierten Bühnen sowie in Film- und TV-Produktionen ist sie Mitbegründerin des Schauspielerinnenkollektivs „binnen-I“. <BR /><BR />Seit einigen Jahren ist Katharina Gschnell auch als Regisseurin tätig, so fürs „Theater an der Etsch“ in „Fräulein Braun“ und „Alte Liebe“. Seit diesem Jahr hat sie die künstlerische Leitung der traditionsreichen „Freilichtspiele Südtiroler Unterland“ übernommen. Katharina Gschnell setzt sich in ihrer künstlerischen Tätigkeit besonders für zeitgenössische Zugänge, neue Perspektiven und die Öffnung des Theaters für ein breites, junges Publikum ein.<BR /><BR /><b>Sie haben kürzlich die künstlerische Leitung der „Südtiroler Freilichtspiele Unterland“ und des „Theater an der Etsch“ übernommen. Was bedeutet Ihnen diese Aufgabe und welche Herausforderungen sehen Sie dabei?</b><BR />Katharina Gschnell: Ich fühle mich den Freilichtspielen schon länger sehr verbunden. Bereits während der Schauspielausbildung hat mich mein erster Weg zu den FSU und zu Roland Selva geführt, weil ich einfach in Berührung mit Theater sein und Erfahrungen sammeln wollte und die Freilichtspiele sind, neben den Heimatbühnen, das Theater, das für das Unterland steht. Roland Selva hat mir schon bald nach der Ausbildung größere Rollen anvertraut, wodurch ich viel gelernt habe und wofür ich sehr dankbar bin. Seit 2015 bin ich auch Teil des Vereinsvorstandes. Der Verein fühlt sich also ein bisschen wie meine „Theaterheimat“ an und von dem her erfüllt mich der Schritt in die Leitung natürlich mit Freude und Stolz, aber auch mit Respekt. Es ist eine lange Theatertradition, der man hier gerecht werden darf, und dabei gleichzeitig seine eigene Richtung zu finden, wird, denk' ich, eine der großen Herausforderungen. Diese Balance zu schaffen zwischen Vertrautem und Neuem. Und im Weiteren besteht der Verein ja aus Menschen, deren Liebe zum Theater und ehrenamtliche Tätigkeit die Freilichtspiele am Leben halten und da wünsche ich mir auch sehr, dass es mir und uns weiterhin gelingt, eine so schöne Gemeinschaft zu bleiben, die Freude am Entstehenlassen von Kultur hat. <BR /><BR /><b>Beide in Neumarkt angesiedelten Theaterunternehmungen sind kulturell im regionalen Kontext entstanden und immer noch verankert. Sehen Sie dies in Ihrer Arbeit als Problem oder als Chance?</b><BR />Gschnell: Wo Theater- und Kulturräume, auch im regionalen Kontext, entstehen und sich dann auch noch für so lange Zeit erfolgreich halten können, sehe ich immer eine Chance. Es bedeutet ja, dass die Nachfrage danach vorhanden ist und auch der Wille der Menschen und Institutionen, die es mittragen, es weiterhin zu erhalten. Letzten Endes tragen ja auch die kleiner strukturierten und regional geführten Kultureinrichtungen einen wesentlichen Teil zu dieser Kulturdichte und -vielfalt in Südtirol bei und das ist ja etwas Schönes. Aus der regionalen Prägung und dem unmittelbaren Umfeld von Neumarkt und dem restlichen Unterland sind die Freilichtspielen ja auch entstanden, und es ist demnach auch identitätsstiftend für uns und dieser Geist darf und soll auch weiterhin bestehen. Sei es in Form von unseren Laienspielerinnen und -spielern vor Ort, oder in Form von sprachlichen oder textlichen Anpassungen oder einfach nur durch den Unterlandler Charme, den wir hoffentlich mitbringen! <BR /><BR /><b>Sie haben seit Ihrem Beginn allein auf dem Theater in mehr als 30 Stücken als Schauspielerin mitgewirkt. Nun sind sie auch Regisseurin. Wie beeinflusst diese Doppelrolle Ihre Arbeit als Intendantin?</b><BR />Gschnell: Aus der künstlerischen Perspektive erhält man durch die Regie schon diesen Blick von Außen auf eine Inszenierung und spürt eine Art Gesamtverantwortung, die ich als Schauspielerin in dieser Form noch nicht kannte. Diese Verantwortungsebene und der Überblick übers große Ganze ist natürlich etwas, was ich in der Tätigkeit als künstlerische Leitung nun wiedererkenne und das mir jetzt hilft. Was die Vereinbarkeit dieser drei Aufgaben, Regie, Schauspiel und künstlerische Leitung angeht, bin ich selbst noch gespannt, wie es sich in den nächsten Jahren entwickeln wird. Bis jetzt habe ich bei den Winterproduktionen des Theaters an der Etsch Regie geführt; gerne möchte ich mich in den kommenden Jahren auch in der Inszenierung der größeren Sommerproduktion versuchen. Bis dahin freu' ich mich über die Mitarbeit externer Regisseurinnen und Regisseure und vielleicht ergibt sich da ja auch mal eine passende Konstellation, um auch als Schauspielerin mitzuwirken. Außerhalb des FSU-Kontextes möchte ich auf jeden Fall, insofern es die Zeit zwischen der künstlerischen Leitung und meiner Familie zulässt, auch weiterhin als Schauspielerin arbeiten. <BR /><BR /><b>Ihre Regiearbeiten fürs „Theater an der Etsch“ zeichnen sich durch eine emotionale Dichte aus. Was ist Ihnen in der Regie besonders wichtig?</b><BR />Gschnell: In der zwischenmenschlichen Arbeit mit dem Team ist es mir besonders wichtig, dass ein offenes, vertrauensvolles Umfeld geschaffen wird, sodass sich jeder wohl fühlt und der Boden gegeben ist für ein freies, kreatives Arbeiten. Inhaltlich oder künstlerisch gefällt es mir, Geschichten aussuchen zu können, die ich für erzählenswert halte oder deren Essenz ich anderen Menschen mitgeben möchte. Vielleicht spielt emotionale Dichte da tatsächlich eine Rolle, ja. In der Inszenierung selbst bin ich dann auf der Suche nach Authentizität, Ehrlichkeit und manchmal auch Verrücktheit. Ich möchte durch Stimmungen, in Bildern oder durch Formen das Publikum erreichen und ihm etwas mitgeben, sei es Identifikation, oder Freude, aber es kann auch Unwohlsein oder Befremdlichkeit sein. Wenn es gelingt, die Menschen im Zuschauerraum in irgendeiner Form mitzunehmen oder zu berühren – das ist das Schönste an Theaterberufen. <BR /><BR /><b>Freilichtspiele gehören im gesamten deutschsprachigen Raum zu Höhepunkten des regionalen Theaterlebens, in dem, neben Profis immer auch Laienschauspieler auftreten. Sehen Sie in dieser Mischung eine besondere Chancen und Herausforderung?</b><BR />Gschnell: In der eigener Erfahrung als Schauspielerin fand ich es immer eine enorme Bereicherung, wenn es Teams gab, in denen Laien und Profis gemeinsam spielen. Man kann in beide Richtungen so viel voneinander lernen. Was ich bei Laienschauspielerinnen und -schauspielern oft bewundere ist z.B. die anhaltende Begeisterung fürs Theater, die Direktheit in der Sprache, vor allem im Dialekt oder deren Mut im Spiel. Aber da gibt es noch Vieles mehr, und umgekehrt macht es Laien hoffentlich auch Spaß, mit Profis zu arbeiten. Aus Sicht der Regie ist es vielleicht schon nochmals eine andere Herausforderung, weil verschiedenste Spielstile oder Herangehensweisen aufeinander treffen, die man innerhalb einer Produktion im besten Fall auf einen gemeinsamen Nenner bringen muss. Allgemein sehen wir aber diese Mischung zwischen Laien und Profis ja bei allen größeren Freilichtspielen in Südtirol: Es ist über die Jahre so gewachsen und hat meines Erachtens totale Berechtigung, einen besonderen Charme und ist eine Chance auf Berührung auch zwischen den Künstlerinnen und Künstlern. <BR /><BR /><b>Verraten Sie unseren Lesern und Leserinnen den Titel des diesjährigen Theaterstücks für die Freilichtspiele und das nächste fürs „Theater an der Etsch?</b><BR />Gschnell: Das würde ich sehr gerne, aber für Mai 2026 ist wieder die jährliche Pressekonferenz gemeinsam mit den zwei anderen ältesten Freilichtspielen Südtirols – den Freilichtspielen Lana und den Rittner Sommerspielen – geplant und wir alle freuen uns im Zuge der Konferenz unsere Sommerstücke bekannt zu geben. Die Zuschauenden dürfen sich auf jeden Fall auf ein bunt gemischtes, abwechslungsreiches Sommerprogramm freuen! <BR /><BR />Infos: <a href="https://www.fsu-neumarkt.com/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">www.fsu-neumarkt.com</a>