Freitag, 31. Mai 2019

Maria Stuart bei den Wiener Festwochen

„Erinnerung, schütte dein Herz aus.” Dieser an sich selbst gerichteten Forderung kommt die Königin nur zu gut nach. Mit „Mary Said What She Said” hat das Trio Robert Wilson (Regie), Darryl Pinckney (Text) und Isabelle Huppert (Schauspiel) der schottischen Herrscherin Maria Stuart ein ebenso intensives wie fragiles Stück gewidmet. Bei der gestrigen Festwochen-Premiere gab es dafür großen Applaus.

Isabelle Huppert verkörpert die berühmte schottische Königin. - Foto: APA (AFP)
Isabelle Huppert verkörpert die berühmte schottische Königin. - Foto: APA (AFP)

Mehr als 25 Jahre ist es her, dass dieses Kreativgespann mit der Dramatisierung von Virginia Woolfs „Orlando” für Begeisterungsstürme sorgte. Es ist keine kleine Last, die somit auf dem vor wenigen Wochen in Paris uraufgeführten Stück liegt, für das sich Pinckney in die Gedankenwelt der 1542 geborenen Königin von Schottland, die diesen Titel für kurze Zeit auch in Frankreich innehatte, einfühlte. Alte Erfolge und Erinnerungen sollte man wohl besser aus dem eigenen Geist streichen - ganz im Gegensatz zur Protagonistin.

Sie dreht dem Publikum in Wilsons wie üblich beinahe gänzlich leergeräumter Inszenierung auf der Bühne der Halle E im Museumsquartier zunächst den Rücken zu. Vor einer mächtigen, anfangs in weiß erstrahlenden Leinwand stehend, beginnt sie ihr Lamento, das weniger um Mitleid heischt, als einer Selbstvergewisserung gleichkommt. Ihr enges, beizeiten im Licht funkelndes Kleid wie eine Rüstung tragend, gibt sich diese Herrscherin selbstbewusst, stark - und doch um ehrliche Einblicke in ihr mitunter dramatisches Schicksal nicht verlegen.

Wer keine Karten mehr für den theatralen Einsatz von Isabelle Huppert ergattern konnte, der hat noch bis 12. Juni die Gelegenheit, sich die Vielseitige auf der Leinwand zu Gemüte zu führen. Im Wiener Stadtkino ist unter dem Titel „Isabelle Mon Amour” eine filmische Retrospektive zum Oeuvre der Kinoikone angesetzt. Darunter finden sich neben jüngeren Produktionen auch Preziosen wie „Der Loulou” (Loulou) am 6. Juni, „Die Spitzenklöpplerin” (La dentelliere) am 7. Juni oder Claude Chabrols „Biester” (La ceremonie).

apa

stol