Dienstag, 08. November 2016

Nestroy-Preis: MacDonald und Galke als beste Darsteller prämiert

Einen Nestroy für die beste Nebenrolle hat sie schon Zuhause, nun kommt ein weiterer Preis hinzu: Sona MacDonald wurde Montagabend im Wiener Ronacher zur besten Schauspielerin gekürt. Sie konnte sowohl als Julie in „Fräulein Julie“ von August Strindberg im Theater in der Josefstadt sowie als Sie in „Blue Moon“ von Torsten Fischer und Herbert Schäfer in den Kammerspielen überzeugen.

Sona MacDonald wurde Montagabend im Wiener Ronacher zur besten Schauspielerin gekürt.
Sona MacDonald wurde Montagabend im Wiener Ronacher zur besten Schauspielerin gekürt. - Foto: © APA

„Ich kann euch allen sagen: Man braucht sich keine Wunschrollen aussuchen. Andere haben manchmal etwas mit dir vor, was du dir nicht vorstellen kannst. Dann passiert etwas, du gehst mit ihnen auf eine Reise, und man öffnet sich“, dankte MacDonald ihren Regisseuren und Kollegen aus beiden Stücken. „Es war eine unglaubliche Zeit, weil wir das zusammen kreiert haben. Ich ehre diese Figuren und liebe sehr den Duft einer Bühne, wenn andere geatmet haben vor einem. Es ist ein wunderschöner Beruf, der schwer und grausam ist. Danke.“

Rainer Galke bester Darsteller

Ein Klassiker hat Rainer Galke zum Erfolg verholfen: Der deutsche Mime konnte als Irrsigler in Thomas Bernhards „Alte Meister“ (von Dusan David Parizek am Volkstheater inszeniert) reüssieren und setzte sich gegen namhafte Konkurrenten durch. „Diehl, Maertens, Ofczarek, Teichtmeister: Es war schon so großartig, mit euch nominiert zu sein. Irgendetwas muss da schief gelaufen sein“, meinte er verschmitzt nach dem langen Applaus.

Die beste Regie ging an eine Produktion der Burg: Andrea Breth machte hier das Triple komplett und sicherte sich die Auszeichnung nach 2003 und 2011 erneut, diesmal für John Hopkins' „Diese Geschichte von Ihnen“ am Akademietheater.

Bestes Stück "Lost and Found"

Das beste Stück kam, wie schon vor der Gala feststand, von Yael Ronen und ihrem Ensemble. Sie zeichneten für die Uraufführung von „Lost and Found“ am Volkstheater verantwortlich. Ronen konnte zwar nicht selbst anwesend sein, meinte aber in verlesenen Dankesworten: „Als Einwanderin fühlt es sich großartig an, umarmt und respektiert zu werden. Hoffentlich kann Österreich diesen Respekt auch außerhalb des Theaters leben.“

Und mit diesem Autorenpreis gab es letztlich den Ausgleich im Match zwischen Volkstheater und Burgtheater, waren es am Ende des Abends doch jeweils drei Preise für diese Häuser, die als einzige mehrfach ausgezeichnet wurden.

beste deutschsprachige Aufführung aus der Schweiz

Die beste deutschsprachige Aufführung kam heuer wiederum aus der Schweiz: Simon Stone, im Vorjahr noch als bester Regisseur prämiert, hat am Theater Basel „Engel in Amerika“ von Tony Kushner auf die Bühne gebracht.

Lebenswerk an Frank Castdorf

Und zum Abschluss wurde ein Großer der Theaterszene mit Standing Ovations gewürdigt: Frank Castorf, der noch bis Sommer 2017 der Berliner Volksbühne vorsteht und sich mit seinen oft radikalen Inszenierungen selbst zur Institution gemacht hat, erhielt den Lebenswerkpreis – und wurde im Videoporträt etwa mit folgendem Zitat vorgestellt: „Theater muss Haltung sein. Ob's gefällt oder nicht, geht mir am Arsch vorbei.“

Den Preis in Händen, meinte Castorf: „Recht herzlichen Dank. Ich lebe ja noch.“ Und in einer sehr launigen Rede erzählte er über seine Anfänge: „Ich wollte mir einen Jux machen. So fing das alles als Missverständnis an, was Sie jetzt ausbaden müssen.“

apa

stol