Ausschließlich Burgtheater-Mitarbeiter durften bei der Gala im – erraten! – Burgtheater Auszeichnungen in Empfang nehmen. Und Burg-Chef Matthias Hartmann scheint am Prinzip der „öffentlichen Proben“, das er bei Tolstois „Krieg und Frieden“ im Kasino erstmals anwandte und dafür sowohl einen Nestroy-„Spezialpreis“ als auch das Theater-Ranking des ORF-„Kulturmontag“ gewinnen konnte, Gefallen gefunden zu haben. Seine Inszenierung von „Was ihr wollt“, die gestern Premiere hatte, erprobte er zuvor an einem überraschten Publikum, das eine andere Vorstellung erwartet hatte und so in den Genuss einer „Sneak Preview“ kam.Das Ergebnis war papierformgemäß: Eine Starparade voller darstellerischer Kabinettstücke. Neidlos muss man anerkennen: Das Burgtheater-Ensemble ist wohl nicht nur in Österreich, sondern auch im ganzen deutschsprachigen Raum das Maß aller Dinge. Ob Sunnyi Melles als vor Liebe rasende „Phädra“, Sarah Viktoria Frick als selbstbewusste „Johanna der Schlachthöfe“, geistig zurückgebliebene Bauerntochter Beppi („Stallerhof“) oder (Nestroy-preisgekrönt) in verschiedenen Rollen von „Adam Geist“, Martin Wuttke als Pädophiler in Vinterbergs „Das Begräbnis“, Tilo Nest, Joachim Meyerhoff, Ignaz Kirchner, Sven-Eric Bechtolf, Caroline Peters, Christiane von Poelnitz, Johannes Krisch und noch etliche andere – sie alle haben immer das Zeug, auch bestenfalls durchschnittliche Texte zum Erlebnis werden zu lassen.Was für die Regisseure der Burg nicht immer gilt. Michael Thalheimer überzeugte bei seinem späten Burgtheater-Debüt mit einer starker Brecht-Interpretation, das „Nature Theater of Oklahoma“ findet mit seinem eigenwilligen Mammutprojekt „Life and Times“ viele Anhänger des Unkonventionellen (u.a. Platz eins der „Falter“-Jahrescharts), während das Konzept, den belgischen Theater-Querdenker Jan Lauwers zur Mitarbeit einzuladen, erst im März 2011 mit „Die Kunst der Unterhaltung“ die erste echte Bewährungsprobe erhalten wird. Alvis Hermanis wird seine Arbeit mit „Platonow“ (April 2011 im Akademietheater) ebenso fortsetzen wie Jan Bosse (inszeniert „Lulu“ im Mai im Burgtheater). Weitere Höhepunkte stehen bereits im Februar mit einer Botho Strauß-Uraufführung von Matthias Hartmann („Das blinde Geschehen“) und einer Inszenierung von Andrea Breth (30 Kurzszenen von Szenen von Cami, Charms, Courteline) an.Der in Koproduktion mit den Wiener Festwochen geplante Saisonabschluss „Parenté à plaisanterie“ kommt nicht zustande: Der Tod von Christoph Schlingensief reißt auch eine große Lücke in die österreichische Theaterlandschaft. Einige seiner wichtigsten Arbeiten waren hier gezeigt worden. Die Festwochen 2010 schafften es mit Kornel Mundruczós Budapester Dramatisierung von Sorokins „Ljod. Das Eis“ und dem neunstündigen Menschheitsdrama „Lipsynch“ von Robert Lepage auf die Plätze eins und drei der „profil“-Jahresbestenliste. Beide Künstler werden 2011 wiederkommen, ebenso wie Christoph Marthaler, Peter Sellars, Patrice Chereau, Ivo von Hove oder Frank Castorf. Salzburger Festspiele vielversprechendWährend bei den Wiener Festwochen bis zum Abgang Luc Bondys 2013 also weitgehend alles beim Alten bleibt, verspricht die Schlussrunde von Thomas Oberender als Schauspielchef der Salzburger Festspiele ein Feuerwerk sondergleichen. Schon 2010 mit dem Salzburg-Comeback von Peter Stein und Klaus Maria Brandauer („Ödipus auf Kolonos“), einer gelungenen Blutauffrischung für den Jedermann mit Nicholas Ofczarek und Birgit Minichmayr sowie der „Phädra“ nicht unerfolgreich, bietet er 2011 u.a. Uraufführungen von Peter Handke („Immer noch Sturm“) und Roland Schimmelpfennig („Die vier Himmelsrichtungen“) auf, einen sechsstündigen „Faust“-Marathon von Nicolas Stemann sowie eine von Christopher Hampton inszenierte Lesung von Daniel Kehlmanns Stück „Geister in Princeton“. apa