Donnerstag, 28. Februar 2019

„Opernball” kommt auf die Bühne

Der Opernball steht nicht nur am Donnerstag in der Staatsoper auf dem Programm. Am 17. März kommt im Volx/Margareten, der Nebenspielstätte des Wiener Volkstheaters, der 1995 erschienene Roman „Opernball” von Josef Haslinger erstmals auf die Bühne. Im Gespräch mit der APA erinnert sich der 63-jährige Autor an die Aufregungen und den Erfolg von damals.

Haslinger erinnert sich an Aufregungen und Erfolg von damals. - Foto: APA
Haslinger erinnert sich an Aufregungen und Erfolg von damals. - Foto: APA

Das Buch beginnt mit einem Blausäureattentat auf den Opernball, dem 3000 Gäste, darunter Österreichs gesamte Staatsspitze, zum Opfer fallen. Der Medienwirbel war so groß, dass der S. Fischer Verlag 2500 Stück des „Skandalromans” 3 Wochen vor dem geplanten Erscheinen nach Österreich auslieferte - knapp vor dem realen Opernball. Im „Kurier” wurde der Autor mit der Bemerkung zitiert, in der Ballnacht werde er wahrscheinlich persönlich die von ihm als tödliche Falle beschriebenen Opern-Belüftungsschächte im Burggarten überwachen. „Das war eigentlich off the records und als Witz gemeint. Ein schlechter Witz, vermutlich”, erinnert sich Haslinger.

Der Politthriller wurde Haslingers größter Erfolg und verkaufte sich insgesamt eine halbe Million Mal. Die Tantiemen sowie der Verkauf der Filmrechte an Bernd Eichinger, der „Opernball” als Fernseh-Zweiteiler mit Heiner Lauterbach als die Hintergründe des Anschlags akribisch recherchierender Reporter produzierte, finanzierten dem Autor einen langen New-York-Aufenthalt sowie die Anzahlung einer Wohnung in Leipzig, wo er 1996 eine Professur am Deutschen Literaturinstitut übernahm.

Als ein Monat nach Erscheinen des Buches ein Giftgasanschlag in der U-Bahn von Tokio verübt wurde, der erschreckende Parallelen zu dem Roman aufwies - bis hin zum verwendeten Codewort „Harmagedon” -, sei er nicht nur auf seiner rasch organisierten Lesereise in Japan gefragt worden „Herr Haslinger, sind Sie ein Prophet?”, schüttelt der Autor heute noch den Kopf. Der sechs Jahre später verübte Anschlag auf das World Trade Center, der eine neue Dimension des Terrors eröffnete, hatte freilich andere Urheber. „Wenn man meinen Roman tatsächlich als Blaupause der Wirklichkeit nimmt, hab ich einen großen Fehler gemacht: Ich hab damals den Islamismus nicht auf dem Schirm gehabt.”

Ähnlich wie bei der „Opernball”-Verfilmung durch Urs Egger habe er nun auf Alexander Charims Dramatisierung keinerlei Einfluss ausgeübt und auch die Bühnenfassung nicht gelesen, sagt der Autor: „Ich möchte mir die Spannung nicht nehmen lassen. Ich bin sehr neugierig darauf.” Das Theater und Josef Haslinger ist bisher „eine kurze Beziehung”. 

Anfrage vor 2 Jahren

Umso größer war Haslingers Freude, als vor 2 Jahren Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann anfragte, „ob ich für ihre letzte Saison ein Stück schreiben wolle. Das hat gut gepasst - und ich habe einen Stückauftrag bekommen.” Bald habe er dafür auch das geeignete Thema gefunden: „Ich wollte das Phänomen Karl Renner in den Griff bekommen.” In dem Stück namens „Die Renner-Probe” trifft sich eine politische Theatergruppe, der die Subventionen entzogen wurden, in einem ehemaligen Arbeiterheim zur Arbeit an einem Stück über die umstrittene Rolle Karl Renners (1870-1950) für die österreichische Sozialdemokratie und die Republik.

Geschichte und Gegenwart vermischen sich in einem „Spiel im Spiel”, anhand der erbitterten Auseinandersetzung über historische Fragen werden heutige Probleme offenkundig.

apa

stol