Montag, 19. April 2021

Peter Drassl ist tot: Ein Leben für die Bühne

Der Eppaner Schauspieler Peter Drassl ist tot: Er starb am Montag im Alter von 78 Jahren.

„Ich spiele immer aus Freude“, sagte Peter Drassl über seine Jahrzehnte auf der Bühne. Am Montag ist der Schauspieler gestorben (Bild: Aufführung „Der Zerrissene“ im Stadttheater Bozen, 2005)
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„Ich spiele immer aus Freude“, sagte Peter Drassl über seine Jahrzehnte auf der Bühne. Am Montag ist der Schauspieler gestorben (Bild: Aufführung „Der Zerrissene“ im Stadttheater Bozen, 2005) - Foto: © Rupert Larl
Mit 5 Jahren hatte er seinen ersten Auftritt: Im Dialektstück „Die Glockenhofer“ musste der kleine Peter Drassl ein Gedicht auf Hochdeutsch vortragen, verabschiedete sich dann aber mit „Guate Nocht“.

„Da hat der ganze Saal gelacht. Das war der Anfang“, erinnerte sich Peter Drassl in einem „Dolomiten“-Interview im Jahr 2005. Es war der Anfang eines Lebens auf den Bühnen Südtirols – und darüber hinaus.
Die Liebe zum Theater lag dem Eppaner im Blut: Sein Vater war Mitglied der Theatergruppe in Kaltern und öffnete seinem Sohn dadurch schon in jungen Jahren die Tür zur Welt des Schauspiels.



In 33 von 39 Jahren Mitgliedschaft leitete Peter Drassl die Theatergruppe Eppan, war auch bei den Freilichtspielen in Neumarkt und Lana mit dabei und wirkte bei den Vereinigten Bühnen Bozen mit.

Auch auf österreichischen Bühnen war der Eppaner Schauspieler aus Leidenschaft zu sehen: beim Theatersommer Haag 2010 und im Theater in der Josefstadt in Wien. Über seine Erfahrungen in Österreichs Hauptstadt sagte Drassl im Interview: „Jedes Theater, wo immer man hingeht, hat seine Eigenart und seine Qualität. Sicher ist der Rahmen hier ein anderer als in Wien. (…) Südtirol hat viele Bühnen und viele gute Leute. (…) Den Vergleich mit dem Ausland brauchen wir nicht zu scheuen, im Gegenteil, wir sollten selbstbewusster werden.“

Abseits der Bühne war Drassl 37 Jahre lang in der Sparkasse tätig, 30 davon als Filialleiter. „Ich sage immer, Bankdirektor ist mein schönster Nebenberuf, weil ich so gerne Theater spiele“, erklärte Drassl im „Dolomiten“-Interview 2005.


Und: „Ich spiele immer aus Freude, ich habe einfach Lust daran. Ich spiele nur Rollen, die mir gefallen, da habe ich es sicher einfacher als ein Berufsschauspieler. Aber Kraft muss man in jedem Fall hineinlegen ins Spielen. Wenn ich für eine Rolle probe, bin ich mit 100 Prozent dabei. Das ist Knochenarbeit.“

Roland Selva , Regisseur und künstlerischer Leiter der „Freilichtspiele Unterland“, sagt über Peter Drassl: „Er war ein toller Kolleg, nicht nur als Schauspieler mit viel Humor und Witz ausgestattet; ein Schauspieler, der immer auch ausgleichend und integrierend wirkte. Vorausschauend und dem Neuen durchaus offen, war er ein wichtiges Mitglied unseres Ensembles.“

Doch auch nach der aktiven Zeit auf der Bühne wurde Peter Drassl nicht müde, die Menschen mit seiner Schauspielkunst zu erheitern: Seit Dezember 2018 war er einmal wöchentlich mit seinem „Montags-Lacher“ auf STOL zu sehen.


Sein Gesundheitszustand erlaubte es im vergangenen Jahr nicht mehr, neue Folgen aufzunehmen, doch auch die Wiederholungen wurden oft und gerne von den STOL-Leserinnen und Lesern geschaut.

Peter Drassl hinterlässt seine Frau Henriette, die ihm während seiner langen Karriere stets den Rücken frei gehalten hat, und 3 Kinder, von denen 2 die Liebe zum Schauspiel übernommen hatten: Tochter Gerti Drassl ist sowohl auf der Theaterbühne als auch vor der Kamera zu Hause, unter anderem für die österreichische TV-Serie „Vorstadtweiber“.


Und auch sein Sohn Architekt Stefan Drassl stand bereits auf zahlreichen Bühnen in Südtirol, auch gemeinsam mit dem Vater. Tochter Ursula wählte hingegen einen Weg abseits der Bühne.

Kulturlandesrat Philipp Achammer würdigte den verstorbenen Schauspieler: „Mit Peter Drassl verliert Südtirol einen großartigen Schauspieler, einen hervorragenden und glaubwürdigen Charakterdarsteller der ersten Garde. Drassl hat die Südtiroler Theaterszene geprägt. Als Schauspieler hat er sein Publikum ebenso überzeugt, wie er es zum Lachen gebracht hat.“

liz

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