Dienstag, 07. Mai 2019

„Peter Pan” wird zum Volksopern-Ballett

Auf die Idee, ein Ballett zur bekannten Geschichte von „Peter Pan” zu kreieren, hatten Volksopern-Ballettmeisterin Vesna Orlic ihre Tänzer gebracht. „Ich habe hier einfach genau die richtigen Typen dafür”, erzählt die Choreografin des am Samstag zur Uraufführung kommenden Stücks im APA-Interview.

Die Vorbereitungen laufen vor der Premiere auf Hochtouren. - Foto: APA
Die Vorbereitungen laufen vor der Premiere auf Hochtouren. - Foto: APA

Das bubenhafte japanische Luftsprungtalent Keisuke Nejime sei etwa der geborene „Peter Pan”, jene Verkörperung von freudigem kindlichem Übermut, die James Matthew Barrie um 1900 zum literarischen Klassiker des Nicht-Erwachsen-Werdens machte. Die zierlich-freche Suzanne Kertesz ist die ideale Tinker Bell, die Wienerin Mila Schmidt kommt als verantwortungsvolle Wendy, Laszlo Benedek als dümmlich-böser Captain Hook zum Einsatz.

”Das wichtigste in einem Stück für Kinder ist: Keine Minute Langeweile”, sagt Orlic. „Die Dramaturgie muss sehr klar sein, es muss ständig etwas passieren. Die Bösen sind vor allem komisch, und die Tänzer sind vor allem auch Schauspieler in jedem Detail.” Als verlorene Kinder von Nimmerland ist der Kinderchor der Volksoper für drei Nummern dabei.

Eineinhalb Jahre lang arbeitete Orlic an ihrem neuen Ballett. Sie habe schon lange etwas für Kinder machen wollen, und der Stoff „Peter Pan”, obwohl von der Geschichte her gut geeignet, hatte in Wien als Tanzstück gar keine Tradition. Die große Herausforderung war deshalb, geeignete Musik zu finden. Weil die Arbeit an der Szene, an der Dramaturgie und den Figuren schon weit gediehen war, bevor die Partitur feststand, stand der Schaffensprozess eigentlich Kopf. „Das haben wir aber sehr genossen, es war ein kreativer und experimentierfreudiger gemeinsamer Prozess.”

Nach durchhören zahlreicher möglicher Musikstücke, waren es schließlich Filmmusikwerke österreichischer Komponisten der 1930er bis 60er Jahre, die bei Orlic „sofort Bilder im Kopf” entstehen ließen. Erich Wolfgang Korngold und Max Steiner heißen nun die Schöpfer der handlungsfreundlichen, treibenden und fröhlichen Musik, Guido Mancusi komponierte maßgeschneidert einige Passagen dazu. Mit 80 Musikern ist das anspruchsvolle Geflecht im Orchestergraben riesig besetzt.

Erschüttert wurde die jüngere Phase der Probenarbeit zu einem Stück, bei dem für Orlic „die Bedürfnisse von Kindern an der Schwelle zum Erwachsenwerden” im Mittelpunkt stehen, freilich durch den Skandal um die Staatsopern-Ballettschule. Der überwiegende Teil des Volksopern-Ballettensembles wurde dort ausgebildet. Vorwürfe, dass Kinder und Jugendliche psychisch und physisch misshandelt und unmenschlichem Drill ausgesetzt gewesen sein sollen, sorgten an der Volksoper vor allem für Überraschung.

”Von meinen Tänzern habe ich nie solche oder ähnliche Berichte gehört”, sagt sie. Es breche ihr das Herz, dass die Schule nun auf diese Weise im Rampenlicht stehe. „Das Niveau an der Schule ist sehr hoch, die Erwartungen sind sehr hoch - insbesondere unter den Schülerinnen und Schülern”, so Orlic. Disziplin und Training im klassischen Ballett infrage zu stellen, hält sie nicht für sinnvoll. „Ohne Disziplin, ohne hartes Training kann man diesen Beruf nicht ausüben.”

Vor allem wenn man lange aktiv sein wolle - Orlic selbst war bis zum Alter von 40 Jahren als Tänzerin im Einsatz - müsse man ein solides Fundament aufbauen. „Man zerbricht nicht an Disziplin”, ist sie überzeugt. Sie arbeite - nicht zuletzt in „Peter Pan” - mit Absolventen, die als starke Persönlichkeiten aus der Ausbildung hervorgegangen sind. Für die Schule wünscht sie sich vor allem mehr Ressourcen. Um Missständen vorzubeugen - vor allem aber, um die notwendige Unterstützung der Schüler sicherzustellen, die für ihren Traum „an und über ihre Grenzen gehen müssen”.

apa

stol