Regisseur Georg Clementi will sich bei seiner Inszenierung von Peter Turrinis Stück „Die Wirtin“ nicht wirklich festlegen und stellt hinter den letzten Vorhang immer wieder neue Endszenen. Augenzwinkernd überlässt die fesche, weltkluge Wirtin Mirandolina dem Publikum die Entscheidung. Die Vereinigten Bühnen Bozen zeigen mit Turrinis Komödie „Die Wirtin“, frei nach Goldonis „Locandiera“, ein Stück leichter Muße, prall gefüllt mit derben Scherzen, gewieften Dialogen und eng geschnürten Korsetten. Freilich hat Goldonis selbstbewusste und unabhängige Wirtsfrau im Laufe der Jahrhunderte etwas an Schlagkraft verloren, ist von der Zeit selbst eingeholt worden und doch ist es immer noch schön zu hören, wie klug sie die ihr zu Füssen liegenden Männer davon überzeugt, dass eine Frau weder Heilige noch Hure ist, oder doch vielleicht beides zusammen sein kann.Mirandolina verdreht allen Männern den KopfTamara Stern als schwungvolle, sportliche Mirandolina, versprüht jugendlichen Elan und freudige Selbstgwissheit. Fröhlich und voller Tatendrang macht sie sich an die Bekehrung der unverbesserlichen Männerwelt und die endgültige Eroberung ihres sturköpfigen Oberkellners Fabrizio.Kommt Clementis Ensemble anfangs noch etwas zaghaft ins Spiel, wirken die ersten Monologe des verarmten Marchese von Albafiorita (Peter Schorn) und des neureichen Barons von Forlinpopoli (Armin Dallapiccola) etwas aufgesetzt und verloren in Thomas Peknys zeitloser Riviera Bar, so bringt spätestens Thomas Hochkofler als schlitzohriger, neapolitanischer Fabrizio Leben und Fleisch auf die Bühne. Italienischer Charme, oder was das Ausland darunter verstehtNicht immer ist Georg Clementis Farbgebung stimmig. Verspielte Cabarettöne, wechseln mit deftigstem komödiantischen Schlagabtausch und den überzeichneten Typisierungen der commedia dell’arte. Geflucht wird auf Italienisch, wobei der Akzent gern deutsch sein kann, ebenso wie die gekünstelte Aussprache der edlen und weniger edlen Namen der Figuren. Die Geschichte schwebt im Raum, den leichtfüßigen 1950er Jahre Einlagen der beiden Traumtänzer (Franz Weger, Iosu Lezameta) gleich, sucht sie - besonders bei den Kostümen - nach einem einheitlichen Bild und gewinnt im Laufe des Abends doch immer stärker an Kontur.Mirandolina überzeugt durch strategische KriegsführungWenn Mirandolina all ihre frechen Verführungskünste einsetzt, um den großartigen Peter Hladik als misogynen Cavaliere Rippafratta in den Reigen ihrer Anbeter einzureihen ist eine ebenso wunderbare Kostprobe bester Komödie wie die tollpatschigen Annäherungsversuche zwischen der Wirtin und ihrem geliebten, verschlagenen Kellner. Thomas Hochkofler spielt den Fabrizio zwar mit gewohnt intensiver Bühnenpräsenz, doch stets aus einer gewissen Distanz, als würde er seiner Figur liebevoll zublinzeln. Gerade aus dieser Haltung heraus funktionieren auch seine Brecht`schen Rollensplits sehr gut, die Clementi mit sicherer Hand in die Handlung eingebunden hat.Eine durchaus unterhaltsame Inszenierung, der ab und an die Raffinesse und lustvolle Leichtigkeit der italienischen Komödie abgeht.Jutta Telser