Sonntag, 24. Juli 2016

Shakespeare unterm Zirkuszelt: Sieg des Manegen-Liebeskampfs in Telfs

Shakespeare kam, ging unters Zirkuszelt und siegte: Mit dem Lustspiel „Der Widerspenstigen Zähmung“ des britischen Dichter- und Theatergottes landeten die Tiroler Volksschauspiele in Telfs bei ihrer Eröffnung am Samstagabend einen veritablen Erfolg.

Shakespeare auf Tirolerisch: "Der Widerspenstigen Zähmung" in Telfs
Shakespeare auf Tirolerisch: "Der Widerspenstigen Zähmung" in Telfs - Foto: © APA

Die Inszenierung des Stücks über den ewigen Liebeskampf der Geschlechter geriet feurig, schnörkellos – und setzte auf beträchtliches Regional-Kolorit.

Und wurde mit einer genialen Idee geradezu idealtypisch platziert – nämlich in einem Zirkuszelt, das erstmals bei den Tiroler Volksschauspielen als Aufführungsort diente. Mit der Manege sorgte das Team um Regisseur Markus Völlenklee, seines Zeichens auch Obmann der Volksschauspiele, gleichsam selbst für die Steilvorlage, die einen künstlerischen Volltreffer zur Folge hatte.

Am Ende der beinahe dreistündigen, mit darstellerischen Glanzleistungen gespickten Aufführung erntete das Ensemble Standing Ovations und anhaltende, lautstarke Beifallsbekundungen.

Shakespeare in der Manege

Der sprühende Kampf der Geschlechter, die lautstarken Wortgefechte und Handgemenge zwischen der gefürchtet-widerborstigen, als Furie und „Keiferin von Padua“ verschrienen Braut Katharina und dem „verhaltensauffälligen“ Draufgänger, Wüterich und willigem Bräutigam Petruchio kam in der Manege besonders eindrücklich zur Geltung.

Völlenklee inszenierte die Geschichte über den reichen Kaufmann Batista und den turbulenten, wild umkämpften Umständen der Heirat seiner beiden Töchter Katharina und Bianca wohltuend entlang der Grundlinie der Originaltreue. Regietheaterliche Einfälle der obskuren Art blieben Fehlanzeige.

Und Völlenklee ließ sich auch nicht dazu verleiten, den Zähmungsvorgang und die Wüterich-Einlagen Petruchios in einer Art Ekelshow aufgehen zu lassen, sondern bewahrte in der mitunter auch physisch-ruppigen Dramakomödie Niveau. Dem der „Widerspenstigen Zähmung“ eigenen Vermeiden heutiger politischer Korrektheit wurde richtigerweise entsprochen.

Es wurde gespuckt, geohrfeigt, sich handgreiflich am Boden gewälzt. Doch ein alleiniges, deplatziertes Zur-Schau-Stellen des Brechens des Willens der begehrten Braut blieb erfreulicherweise aus.

„Was ausgekämpft ist, ist was wert. Konvention alleine macht kein Leben“, hatte der Regisseur im Vorfeld als eine der Grundaussagen des Stücks bezeichnet. Und diesen positiven Sukkus ließ Völlenklee auch als eine Art geistigen Überbau seiner Inszenierung anmerken. Das „ewige Rätsel zwischen Mann und Frau“ – heruntergebrochen auf ein komödiantisches, strategisches Ringen miteinander inklusive bewusst gesetzter Verhaltensänderungen.

Und am Ende siegt der Mut zur Liebe mit gegenseitigem Erkennen, ohne sich selbst aufzugeben.

Mit Dialekt gepunktet

Geglückt auch die fortdauernden regionalkoloritischen Einsprengsel. Tirolerische, so ganz und gar nicht Shakespeare-typische Dialektfärbungen waren an der Tagesordnung. Sogar Petruchio lässt man aus Tirol stammen – das „Heilige Land“ ist eben überall.

Das Schauspieler-Ensemble lieferte darstellerische Höchstleistungen am laufenden Band. Ines Schiller war eine eindrückliche, leidenschaftliche und zunächst glaubwürdig-widerborstige Katharina. Felix Defer ein großartig tobender, schreiender, hemmungsloser Petruchio, der in heruntergekommener Montur seine Braut mit einem Moped „entführt“.

Lisa-Maria Sexl sorgte nicht nur mit ihrer anmutenden Darstellung der Bianca für Begeisterung, sondern auch mit in luftiger Höhe verrichteten, artistischen Einlagen. Philipp Rudig stach als Bianca begehrender Freier Hortensio komödiantisch-mimisch ebenso hervor wie Johannes Gabl als auch sprachlich auf volkstümlichen Ur-Tiroler gepolten Petruchio-Diener Grumio.

Fünf Musiker sorgten teils vor, teils hinter dem Vorhang für die poppig-rockig-melodische Untermalung. Ein kolossaler Abend.

apa

stol