Donnerstag, 18. April 2019

Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen in Ballettakademie

Nach den publik gewordenen Missständen an der Ballettakademie der Wiener Staatsoper hat die Staatsanwaltschaft offiziell ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dieses richtet sich vorerst gegen drei Verdächtige, so Behördensprecherin Nina Bussek am Donnerstag. Die Sonderkommission zur Klärung der Vorwürfe leitet statt Christian Kircher nun doch Verfassungsgerichtshofpräsidentin Brigitte Bierlein.

Die Untersuchungen laufen vorerst wegen Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses. - Foto: APA (dpa/Archivbild)
Die Untersuchungen laufen vorerst wegen Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses. - Foto: APA (dpa/Archivbild)

Bei den 2 Verdächtigen soll es sich um 2 ehemalige Lehrerinnen und einen männlichen Kollegen handeln. Die Untersuchungen laufen vorerst in Richtung Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses und Quälen von unmündigen Personen. Das Strafgesetzbuch sieht dafür Freiheitsstrafen von bis zu 3 Jahren vor. Man stehe ganz zu Beginn der Ermittlungen, betonte Bussek.

Wie viel Zeit diese in Anspruch nehmen werden, ist derzeit nicht absehbar. Zunächst müssen die Beschuldigten vernommen und die Betroffenen zeugenschaftlich befragt werden. Die Staatsoper soll hinsichtlich einzelner Punkte von sich aus eine Sachverhaltsdarstellung übermittelt haben, die zu sichten und auszuwerten ist. Die von der Staatsanwaltschaft veranlassten Erhebungen könnten zusätzliches Beweismaterial erbringen und weitere Ermittlungsschritte notwendig machen.

Das ist passiert

Der „Falter” hatte in der vergangenen Woche schwere Vorwürfe gegen die Ballettakademie bekannt gemacht. Vornehmlich eine mittlerweile entlassene Ballettlehrerin soll im Unterricht Kinder, die teilweise erst 11 Jahre alt waren, ausgesprochen grob behandelt, gekratzt, getreten und verbal gedemütigt haben. Auch hinsichtlich Gewichtskontrolle soll die Lehrerin ein strenges Regiment geführt haben.

Der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft waren die offenbar systematischen Quälereien an der Ballettakademie - eine inzwischen 20-Jährige Ex-Schülerin berichtete der „New York Times”, sie wäre „wie ein Fußball” getreten worden - seit längerem bekannt. Die Behörde war seit Dezember am Haus tätig. Auch der Vorwurf eines sexuellen Übergriffs durch einen Lehrer steht im Raum. Der Betroffene wurde von der Staatsoper mittlerweile bis zur Klärung der Vorwürfe dienstfrei gestellt, wobei die Staatsanwaltschaft gegen den Lehrer und zwei Kolleginnen mittlerweile Ermittlungen eingeleitet hat.

apa

stol