Mittwoch, 10. Juni 2020

Tanz Bozen findet in verknappter Form statt

EDEN – Tanz für einen Zuschauer ist die künstlerisch-programmatische Antwort des Festivals Tanz Bozen auf die aktuellen Herausforderungen der Zeit.

Tanz Bozen versteht sich als zeitgenössisches Festival, dynamisch und interaktiv, lokal verortet und in der Gesellschaft verankert.
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Tanz Bozen versteht sich als zeitgenössisches Festival, dynamisch und interaktiv, lokal verortet und in der Gesellschaft verankert. - Foto: © Veranstalter
Das ursprünglich geplante Festivalprogramm des Künstlerischen Leiters Emanuele Masi musste aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen präsentiert die Stiftung Haydn nun vom 15. bis 31. Juli eine außergewöhnliche und einzigartige 36. Ausgabe des beliebten Tanzfestivals.


In den mehr als 35 Jahren seines Bestehens ist es dem Festival Tanz Bozen stets gelungen, sich den Veränderungen der Gesellschaft anzupassen und diese aufzunehmen. Tanz Bozen versteht sich als zeitgenössisches Festival, dynamisch und interaktiv, lokal verortet und in der Gesellschaft verankert. Die Pandemie hat die Grundlagen unseres gesellschaftlichen Miteinanders erschüttert und vieles infrage gestellt. Der gesellschaftliche Rahmen hat sich verändert und mit ihm auch das Festival Tanz Bozen, das über die Sprache der Bewegungen auch immer ein Gradmesser der sich verändernden Gesellschaft sein möchte. Es wäre daher nicht nur unmöglich, sondern auch unangebracht gewesen, das ursprünglich geplante Programm nur an geltende Sicherheitsmaßnahmen anzupassen. Vielmehr will die 36. Ausgabe von Tanz Bozen 2020 einen neuen Blick auf das Festival ermöglichen und das Theater als Ort der Verbindung und Teilhabe neu denken.
Ein neuer Blick

„Wir wollten ein Zeichen setzen für unser Publikum und die Künstler, die Techniker und Lieferanten; schließlich hängen viele Arbeitsbereiche an einem Festival wie Tanz Bozen“, so der künstlerische Leiter Emanuele Masi, „Wir tragen auch eine gesellschaftliche Verantwortung und haben deshalb dieses außergewöhnliche Programm entwickelt, das wir unter allen Umständen umsetzen können. In Zusammenarbeit mit drei renommierten internationalen Choreografen verdichtet sich Tanz Bozen 2020 zu einem intimen Dialog zwischen Zuschauer und Darsteller. Als uns klar war, dass wegen der Sicherheitsauflagen eine Rückkehr zur „Normalität„ nicht möglich ist, haben wir uns die gebotene Distanz zu Nutze gemacht: Sie ist es nun, die die verlorene Beziehung zwischen Zuschauer und Tänzer wiederherzustellen vermag, dann nämlich wenn ein Zuschauer in einem bestimmten Moment auf genau einen Tänzer trifft. Und bereits vorab, wenn der Zuschauer sein Theater wieder betritt“.


Im Großen Saal des Bozner Stadttheaters performt jeweils ein Tänzer/eine Tänzerin für einen Zuschauer. Gezeigt wird abwechselnd eine von drei Choreografien, die exklusiv für Tanz Bozen 2020 kreiert wurden: Eden of Carolyn der Amerikanerin Carolyn Carlson, Eden secondo Michele des italienischen Choreografen Michele Di Stefano und Eden selon Rachid des Franzosen Rachid Ouramdane. Performt werden die Soli von insgesamt 10 Tänzerinnen und Tänzern, die sich auf der Bühne abwechseln (zwei bei Carlson, sechs bei Di Stefano, zwei bei Ouramdane). Der einzelne Zuschauer wählt den idealen Blickwinkel selbst und ist eingeladen, sich dem Tanz und dem Theater neu zu öffnen.


EDEN – Tanz für einen Zuschauer bietet vom 15. Juli bis 31. Juli symbolgeladene Performances und intensive Erfahrungen und lässt die Beziehung zwischen Zuschauer/in und Tänzer/in, die sich eins zu eins gegenüberstehen, neu entstehen. Das Theater verwandelt sich in einen Garten Eden: Ein Ort, frei von Stress und Kummer, eine Oase in einer hektischen Welt. Wie sich einst Adam und Eva zum ersten Mal im Garten begegnet sind, so wird auch das Theater zum mystischen Ort einer Begegnung zwischen einem Tänzer/einer Tänzerin und einem Zuschauer/einer Zuschauerin. Hier kann Neues beginnen und Altes aufbrechen. Denn wie Stendhal über die Schönheit sagt, ist das Paradies ein Versprechen des Glücks und die Sehnsucht nach einer verlorenen Herkunft. Dieses Versprechen, diese Nostalgie benennt einen Mangel, eine Abwesenheit, einen Bruch in der Geschichte der Menschheit.
Infos zu Reservierung

Vom 15. bis 31. Juli finden von 11 bis 22.30 Uhr jeweils 30 Aufführungen pro Tag in sechs Slots statt. Die Aufführungen dauern max. 10 Minuten. Ein Slot besteht aus 5 Wiederholungen derselben Choreografie mit demselben Darsteller. Jeden Tag gibt es zwei Slots zu jeder der drei Choreografien. Interessierte Besucher können Tag, Choreograf und Uhrzeit auswählen und online oder an der Theaterkasse des Stadttheaters Bozen reservieren. Reservierungen sind erst ab dem 24. Juni möglich.

Aktuelle Öffnungszeiten des Stadttheaters Bozen Verdiplatz 40
T: 0471 053800
Dienstag-Freitag von 11-14 Uhr
NB: Die Uhrzeiten der Theaterkasse passen sich laufend den neuen Maßnahmen an.

Alle Aufführungen sind kostenlos. Am Montag, den 20. und 27. Juli finden keine Aufführungen statt. Zutritt ab 14 Jahren.

eva