<BR />Nachdem am Montag bereits durchgesickert war, dass die Florentiner mit Zambaldi liebäugeln, wurde diese Vermutung gestern Abend Realität: „In einem für die Zukunft der Stiftung besonders wichtigen Schritt hat der Verwaltungsrat es als vorrangig erachtet, eine Fachkraft zu finden, die institutionelle Garantien und eine solide Führungskompetenz bieten kann.<BR /><BR />Am Ende der Diskussion hat dieser unter dem Vorsitz der Bürgermeisterin von Florenz, Sara Funaro, einstimmig Walter Zambaldi als Generaldirektor ausgewählt“, hieß es dann in einer Aussendung. Zambaldi wird nun die Nachfolge von <b>Carlo Calabretta</b> am Teatro della Pergola antreten. Letzterer wird weiterhin für die Stiftung in einem Team arbeiten, das erweitert wird.<BR /><BR />Künstlerischer Leiter bleibt <b>Stefano Massini,</b> der auch gestern sein Projekt vorstellte. Massini und Zambaldi arbeiten schon seit Jahren zusammen und haben Stücke wie „Mein Kampf“ oder „Donald“ realisiert. An der Pergola sind die Positionen des Verwaltungsdirektors und des Intendanten – im Gegensatz zu Bozen – getrennt. Organisatorische Unterschiede, die mit dem unterschiedlichen rechtlichen Status der beiden Institutionen zusammenhängen. Das TSB kann als Theater von „bedeutendem kulturellem Interesse“ im Gegensatz zur Pergola weiterhin eine einzige Leitung haben. <BR /><BR />Walter Zambaldi erfülle alle Anforderungen, hieß es aus Florenz, nicht nur wegen seines ausgezeichneten Rufes als Theaterdirektor von Bozen sondern auch weil er der Vizepräsident von PLATEA ist, einer institutionellen Vertretung des öffentlichen Theaters (Nationaltheater und Theater von Städten mit bedeutendem kulturellem Interesse) gegenüber Regierungsorganen, öffentlichen Verwaltungen, lokalen Behörden und Gewerkschaften.<BR /><h3> „Ich laufe nicht davon“</h3><BR />Spät war dann Walter Zambaldi endlich erreichbar und meinte lächelnd auf die Frage, ob und wann er denn nach Florenz übersiedeln werde: „Sie haben es so beschlossen.“ Nun müsse alles gut geplant werden, „besonders auch um unser Bozner Theater zu schützen.“ Auf jeden Fall werde er einen Übergang gewährleisten, der dem TSB keinen Schaden zufüge. Ob er stolz sei, wollte ich ebenfalls wissen, immerhin fiel die Entscheidung für ihn einstimmig aus: Wieder lächelte er. Ja, er fühle große Emotionen, doch wolle er auf dem Boden bleiben. Dass er einstimmig zum Generaldirektor gewählt worden sei, sei auch ein Zeichen der Wertschätzung „für das Stadttheater Bozen und das von uns geschaffene Modell.“ Nun müsse vorerst jeder Schritt, versichert er, „mit dem Verwaltungsrat in Bozen, der Gemeinde und der Provinz abgestimmt werden. Ich werde nicht davonlaufen! Es gibt verschiedene Modelle der Zusammenarbeit für die Zukunft!“<BR /><h3> Nachfolge</h3><BR />Es liegt auf der Hand, dass der Abgang Zambaldis ein enormes Problem bei der Nachfolge am TSB mit sich bringt. Es ist keine Kandidatin oder kein Kandidat in Sicht für diese äußerst erfolgreiche Institution: Das Stabile ist meist ausverkauft und hat seine Finanzen in Ordnung, ein seltener Erfolg in der italienischen Landschaft.<BR /><BR />Die Gesellschafter des Stabile selbst – Provinz und Gemeinde – sind zwar stolz darüber, dass der Bozner an die Pergola berufen wurde, sie sind natürlich aber auch besorgt darüber, wie es weitergehen soll. Da gebe es mehrere Möglichkeiten: Man könnte einen jungen Nachwuchskünstler oder eine Nachwuchskünstlerin einsetzen, oder man trennt die Aufgabenbereiche und unterscheidet zwischen dem künstlerischen und dem managementbezogenen Teil.<BR /><BR />Jedenfalls braucht sich das Publikum noch keine Sorgen machen, denn das Programm von 2026/27 steht bereits und trägt die Handschrift von Walter Zambaldi. <BR /><BR />Das Teatro della Pergola ist für Zambaldi sicherlich eine Herausforderung. Denn das Theater wurde kürzlich – zusammen mit den Theatern von Rifredi und Pontedera – vom nationalen Theater zum Stadttheater herabgestuft, wodurch staatliche Mittel in Höhe von 380.000 Euro verloren gingen. Die Theaterstiftung hat aber beim Verwaltungsgericht Latium bereits gegen die Entscheidung der Ministerialkommission Berufung eingelegt. Das Urteil wird für den 24. März erwartet. <BR /><BR />Im Falle einer Ernennung könnte Zambaldi die Aufgabe haben, den verlorenen Status wiederherzustellen, und das wird dem neuen Generaldirektor, so wie ich ihn kenne, sicherlich gelingen.<BR /><h3> Zur Person Walter Zambaldi</h3><BR />Er war der erste Bozner (*1975), der in der 65-jährigen Theatergeschichte des Teatro Stabile 2015 die Intendanz übernahm – sowohl für die Künstlerische Leitung als auch für die Verwaltung. Unter seiner Ägide wurde das Haus am Verdiplatz zu einem der 18 Theater von bedeutendem kulturellem Interesse in Italien ernannt. Zambaldi ist mit allen renommierten Theatern Kooperationen eingegangen, u.a. auch mit der Stiftung Teatro della Toscana, zu der das Pergola in Florenz gehört, das uns jetzt unseren Theaterdirektor weggeschnappt hat. In den Jahren seiner Intendanz arbeitete er mit allen wichtigen Theaterleuten zusammen. Er war nicht nur für die Leitung der Saison in Bozen zuständig, sondern auch für jene in Meran, Bruneck, Brixen und Sterzing und zeichnete verantwortlich für die Produktion von etwa 50 Vorstellungen und die Realisierung von Theaterfestivals wie „Wordbox-Parole per il Teatro“ und „Fuori! Il Teatro fuori dal Teatro“. <BR /><BR /><BR /> Unter seiner Leitung unterzeichnete das TSB Vereinbarungen mit den wichtigsten Kultur- und Theaterinstitutionen der Region wie dem Centro Servizi Culturali Santa Chiara in Trient und dem Coordinamento Teatrale Trentino; er förderte die Ausschreibung der regionalen Theatergruppe und seit 2019 die Ausschreibung für die Schaffung einer regionalen Plattform für Live-Aufführungen und unterzeichnete die Absichtserklärung mit den Theatern von Venetien und Friaul-Julisch Venetien. Zudem beteiligte sich das Teatro Stabile von Bozen an Projekten zur Förderung der zeitgenössischen Dramatik wie dem Projekt <Kursiv>Scritture.</Kursiv> Er gestaltete Theatersaisonen für Schulen aller Stufen und öffnete sein Angebot für Kindergärten. Bereits von 1997 bis 2003 war er Assistent von Marco Bernardi am Stabile. <BR /><h3> Das Teatro della Pergola</h3><BR />Es ist in Florenz eines der ältesten und renommiertesten historischen Theater Italiens, gegründet 1656, bekannt als das erste Beispiel eines Theaterbaus im „italienischen Stil“ mit U-förmigen Rängen und Logen, das bis heute als lebendiges Kulturzentrum für Opern, Schauspiel, Konzerte und Kulturinitiativen dient und Schauplatz bedeutender Premieren war, wie z.B. Verdis Macbeth. Es ist ein architektonisches Juwel, das die Geschichte der Theaterkunst maßgeblich beeinflusst hat und eine wichtige Rolle in der Florentiner Kultur spielt.