Donnerstag, 23. Februar 2017

Theaterschule Bruneck: "ESF-Amt betreibt Bürokratieterror"

Klaus Gasperi hat die Schnauze voll. In einem offenen Brief an Landeshauptmann Kompatscher kritisiert der Leiter des Brunecker Stadttheaters die Kontroll- und Abrechnungspolitik des Europäischen Sozialfonds Bozen.

Die Theaterschule Bruneck, die es seit 2009 gibt, braucht dringend Geld.
Die Theaterschule Bruneck, die es seit 2009 gibt, braucht dringend Geld.

Die Theaterschule Bruneck, die seit 2009 zum Stadttheater gehört, braucht dringend Geld. 60.000 Euro fehlen in der Kasse, hält Klaus Gasperi in einem offenen Brief fest. Und das nicht erst seit gestern. Bei der Summe handelt es sich laut Gasperi um Gelder, die das ESF-Amt Bozen dem Stadttheater für die Schuljahre 2010 bis 2013 schuldet.

„Der stumpfsinnige Bürokratieterror des Amtes ist verantwortlich, dass unseren Mitarbeitern Gehälter nichts ausbezahlt werden und dass Lieferanten und Vermieter zu Recht protestieren, weil sie nicht zu ihrem Geld kommen“, schreibt Gasperi in einer deutlichen Sprache.

Der Hintergrund: Das Amt habe, so der Theatermacher, die Kontrollen und Abrechnungen noch immer nicht abgeschlossen. In Klaus Gasperis Augen eine bewusste Taktik, „um andere tatsächliche Unregelmäßigkeiten im damaligen ESF-Amt Bozen zu vertuschen.“

Nachhall des ESF-Skandals

Zur Erinnerung: 2013 bemängelte eine EU-Prüfstelle, dass heimische ESF-Projekte nicht ordnungsgemäß abgewickelt worden waren - Südtirol hatte seinen ESF-Skandal.

Daraufhin wurden akribische Kontrollen durchgeführt. So akribisch, dass der Untersuchungsausschuss des Landtages Ende Mai 2015 in seinem Mehrheitsbericht festhielt, dass die Überprüfung der Projekte schleppend voranginge. In den ESF-Ämtern herrschte „Unterbesetzung, Personalwechsel, Angst und Panik bis hin zur Lähmung“, so der Bericht.

Klaus Gasperi schließt seinen Brief, so wie er ihn begonnen hat: Mit klaren Worten.

"Vielen jungen Südtirolern konnten wir den Weg für eine Karriere auf der Bühne oder vor der Kamera ebnen. Damit ist jetzt Schluss," schreibt er - und bedankt sich für „Desinteresse, Gleichgültigkeit und mangelnde Weitsicht.“

stol/aw

stol