Südtirol Online: Wie kam Ihnen die Idee zum Stück „Richtfest“ – ein Stück in dem es um Menschen geht, die gemeinsam ein Haus bauen, deren Vorstellungen vom Wohnen und Leben allerdings ziemlich verschieden sind.Lutz Hübner: Eine Stückidee speist sich immer aus verschiedenen Quellen. Bei ‚Richtfest‘ waren das eigene Überlegungen, Teil einer Baugemeinschaft zu werden, Erzählungen von Freunden, die den Schritt getan haben und nicht zuletzt der Umstand, dass eine Baugemeinschaft ein theatralisch hochinteressantes Sujet ist: Eine Gruppe von Menschen verbindet sich zu einer Schicksalsgemeinschaft, meistens ohne sich vorher zu kennen. Was von den Mitstreitern wirklich zu halten ist, erfährt man erst, wenn man schon ‚auf hoher See‘ miteinander ist.STOL: Sie sind einer der meistgespielten deutschsprachigen Gegenwartsdramatiker. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?Hübner: Da kann ich nur Vermutungen anstellen. Ich schreibe Stücke über Themen, die mich faszinieren, nerven, empören oder für die ich keine Erklärung habe. Ich versuche alle Aspekte des Themas so genau wie möglich zu recherchieren und bemühe mich, die Geschichten dialektisch zu halten, also im besten Fall allen Figuren des Stückes irgendwann einmal Recht zu geben. Ich denke, ich habe das Glück, dass die Themen, die mich beschäftigen auch viele andere Menschen beschäftigen. STOL: Sie schreiben nicht nur Stück für Erwachsene, sondern auch für Kinder und Jugendliche. Was ist der größte Unterschied in der Herangehensweise?Hübner: Da gibt es keinen. Der Aufwand an Recherche, Figurenfindung und Geschichtenkonstruktion ist genau der gleiche. Der Unterschied liegt nur in der Themenwahl, alles andere erfordert die gleiche Sorgfalt.STOL: Wie hat sich Ihr Schreiben im Laufe der Zeit geändert?Hübner: Zum einen hat sich im Laufe der Zeit eine immer engere Zusammenarbeit mit Sarah Nemitz entwickelt, unter deren Mitwirkung auch „Richtfest“ entstanden ist. Zum anderen wird man handwerklich sicherer und beherrscht seine Mittel souveräner. Das kann aber auch eine Gefahr sein, deshalb stelle ich mir bei jedem neuen Stück eine Aufgabe, die ich vorher noch nicht zu lösen hatte, meistens eine formaler Art. Bei ‚Richtfest‘ war das die Anforderung, die meiste Zeit der Geschichte alle Akteure auf der Bühne zu haben, also immer elf Figuren zu erzählen ohne eine dabei aus dem Blick zu verlieren. Solche Aufgabenstellungen halten frisch und verändern auch positiv den Rhythmus einer Geschichte. Meine Prämisse ist: Nie zwei Geschichten hintereinander schreiben, die sich inhaltlich oder formal ähneln._____________________________________________________________Das Schauspielhaus Bochum zeigt „Richtfest“ von Lutz Hübner am Mittwoch, 9. April im Waltherhaus in Bozen und am Donnerstag, 10. April im Stadttheater Meran. Beginn: 20 Uhr, Einführung 19.15 Uhr. Karten unter 0471 313800 und bei Athesia Ticket.