Dienstag, 18. Februar 2020

„Über den Tod – ohne zu übertreiben“: Theater ohne Worte

Nicht nur Handke kann es, auch das Teatro dei Gordi kommt in diesem Stück gänzlich ohne Worte aus. Am Donnerstag, 20. Februar, gastiert die junge Theaterkompanie „Teatro dei Gordi“ erstmals in Bozen. Mit ihrem Stück „Sulla morte senza esagerare“ versuchen sie auf ironische und unterhaltsame Weise das letzte unserer Tabus zu hinterfragen – den Tod.

Inspiriert wurden die Masken von der Malerei des Künstlers Otto Dix.
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Inspiriert wurden die Masken von der Malerei des Künstlers Otto Dix. - Foto: © Teatro dei Gordi
An der Schwelle zwischen Dies- und Jenseits, wo sich die Seelen endgültig von ihren Körpern verabschieden, steht der Tod. Die Lebenden fürchten ihn, versuchen ihm zu entrinnen, verleugnen ihn, aber sie suchen ihn auch, sehnen ihn herbei und fordern ihn heraus.

Mit zeitgenössischen Masken erzählen vertraute Gestalten wortlos von ihren letzten Augenblicken, von verpassten Gelegenheiten, dem Abschied. Alles mit Ironie gewürzt, ohne je zu übertreiben.
Aber wie viele Verspätungen bei seiner Arbeit, wie viele ungeschickte Versuche, Fehlschläge und zurückgeschickte Seelen. Klar, wie soll der Tod auch – selbst unsterblich – verstehen was Sterben heißt. Trotzdem pflegt man zu sagen, die einzige Gewissheit sei der Tod.

Auszeichnung für das Stück

Das Teatro dei Gordi liefert uns Theaterstück aus dem die Worte verbannt sind und die Mimik von den Masken verborgen wird: Als Ausdrucksmittel bleiben daher nur die Bewegung, die Gestik und die Bühnengestaltung sowie ein Zusammenspiel von Musik und Geräuschen. „Sulla morte senza esagerare“ wurde mit dem Premio alla produzione Scintille 2015 ausgezeichnet. In der Begründung für die Auszeichnung wird unter anderem die Originalität des dramaturgischen Aufbaus hervorgehoben sowie die Liebe zum Detail und der mutige Anspruch eines jungen Ensembles ein Theater ohne Worte zu schaffen.



Der Regisseur Riccardo Pippa erzählt in einem Interview, dass ihm die Idee zum Stück bei der Arbeit mit der inzwischen manchmal etwas ausgelaugt scheinenden Commedia dell’Arte gekommen ist; durch die Ersetzung der typisierten Masken mit neuen, zeitgenössischen hat er daher versucht Neues zu schaffen. Zum gänzlichen Verzicht auf Text, auf Worte wurde er auch angesichts der Erfolge von Familie Floz animiert.

Die von Otto Dix' Malerei inspirierten Pappmascheemasken wurden von der Bühnenbildnerin Ilaria Ariemme geschaffen. Die Wahl des Titels ist eine Hommage an die polnische Dichterin und Literaturnobelpreisträgerin Wislawa Szymborska. Das Teatro dei Gordi ist aus einer Gruppe von ehemaligen Schülern der renommierten Theaterschule Paolo Grassi in Mailand entstanden, die sich 2010 zusammengeschlossen haben. In kürzester Zeit waren sie imstande sich mit ihrer originellen Poesie Bekanntheit und Anerkennung zu verschaffen und ein ansehnliches Publikum aufzubauen. 2019 wurde ihnen auch der Premio Hystrio Iceberg, für die beste neue Theaterkompanie in Italien verliehen.

Aufgeführt wird das Bühnenstück am Donnerstag, 20 Februar, um 21 Uhr im Stadttheater Gries. Tickets sind entweder per Mail ([email protected]), unter der Telefonnummer 0471/324943, oder ab 20.30 Uhr direkt an der Abendkasse erhältlich.

stol

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