Die Komödie von Leo Meier des Stadttheaters Bruneck ist eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Schauspielhaus Salzburg. Regisseur Alexander Kratzer bringet diese originell und mit viel Esprit auf die Bühne.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1311999_image" /></div> <BR /><BR />Die beiden Männer konterkarieren die testosteronschwangere Fußballerwelt, indem sie ausgesprochen höflich miteinander sprechen. Mit Fliege und weißem Sakko – Real Madrid, das „Weiße Ballett“ – erinnern sie eher an Opernsänger als an Sportler. Sobald die kurz behosten Beine sichtbar werden, weisen sie diese dann doch als Fußballer aus. Wie der Stürmer (Olivier Günter) und der Mittefeldspieler (Ludwig Wendelin Weißenberger) aber ansonsten miteinander reden und vor allem worüber, dürfte auf Fußballplätzen und in Spielerkabinen wohl eher die Ausnahme sein: über die Stille, das Zusammen-schweigen-Können, über den Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ und – über das Sterben. <BR /><BR /><BR />„Hätten Sie Lust zu Weihnachten zu uns zu kommen?“, fragt der Stürmer schließlich zwischen Waldgesprächen und schwungvollem Training, welches Kratzer die beiden auf dem schiefen Kunstrasen mit Wembley-Stadion-Bogen (Bühnenbild von Thomas Garvie) absolvieren lässt. Doppelpässe, Flanken, Torschüsse und Kopfbälle sind ein lustiges Feuerwerk an guten Einfällen und gleichzeitig ein vorsichtiges Sich-näher-Kommen. Der Weihnachstabend in Glitzergarderobe und Moon Boots gerät zum launigen Fest, mit der Mutter (unglaublich witzig: Christiane Warnecke) als größtem Fan des neuen Freundes ihres Sohnes: „Wenn jemand so gute Pässe spielt, braucht er nicht den Plural von Espresso zu kennen.“ Als die Mutter schließlich wegen einer Bananenallergie an einem Bananenbrot stirbt, und die Schauspielerin Warnecke gleich darauf als Scientology-Priesterin erscheint, um sich gewissermaßen selbst zu begraben, ist das zum Brüllen wie die Beerdigungsszene insgesamt. Für die Handlung erschließt sich der Friedhofs-Klamauk erst später, wenn es nochmals ums Sterben geht. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1312002_image" /></div> <BR /><BR />Während sich die Mannschaftskameraden mehr und mehr annähern, indem sie zusammen „Killing me softly“ hören und sich gegenseitig Komplimente machen: „Sie haben schöne Augen, vor allem, wenn Sie mich ansehen“, und es zu einem ersten Kuss kommt („Was war zuerst da? Der Geschlechtsverkehr oder die Romantik“?), steuert die Handlung dem eigentlichen Höhepunkt entgegen: einer Pressekonferenz. Hier zeigt sich Kratzers Ideenreichtum, die Vielseitigkeit der Schauspielerinnen (Warnecke als Reporterin und Karoline Breschar als Moderatorin und Fluglinieninfluenzerin), die Absurdität des Fußballbetriebes in seiner übertriebenen Bedeutung für unsere Gesellschaft und vor allem zeigt sich, dass der Fußballer Sergio Ramos ein Philosoph ist. Zusammen mit den beiden anderen Fußballern stellt er sich den Fragen der Presse, die sich zunächst in erster Linie für das junge queere Paar interessiert: „Werden Sie sich nach einem Tor küssen?“ <BR /><BR /><BR />Bis schließlich Sergio Ramos mit seinem Monolog über das Sterben übernimmt. Der Welt- und Europameister und langjährige Kapitän von Real Madrid hat sich vor allem mit seiner Härte, die zuweilen an Brutalität grenzte, einen Namen gemacht. Nachdem er mit seiner Familie auf Urlaub in Athen!!! war und auf der Akropolis einen Stein berührte, wird ihm, dem<Kursiv> „Galaktischen“</Kursiv>, auf einmal seine eigene Sterblichkeit bewusst. Die Schlussfolgerung, dass er im Gegensatz zu Stein, Akropolis und Sonne sterblich sei, weil die schon viel länger da sind, und er eben kein Stein sei, bringt ihn zum Weinen. Mehr kindliche Naivität über die Erkenntnis sterben zu müssen, geht nicht. Markus Weitschacher als Ramos ist einfach nur herzerweichend köstlich! Dass er ein Bild der Akropolis als Tattoo auf der Stirn trägt, tut ein Übriges, hat doch der richtige Sergio Ramos sämtliche Tätowierungen aller Matrosen dieser Welt auf seinem Körper vereinigt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1312005_image" /></div> <BR /><BR />Der Wechsel des Stürmers nach Paris gerät angesichts solch philosophischer Gedanken fast zur Nebensache. Für die Beziehung mit dem Mittelfeldspieler ist sie natürlich eine Belastung. Ebenfalls rührend ist der schüchterne Abschied am Flughafen, in der die beiden Fußballer noch Geschenke austauschen: eine Stange Zigaretten, Blumen, eine Nagelschere. „Beim Nägelschneiden werde ich an Sie denken.“Auf die Frage nach der Ablösesumme des Freundes, die 150 Millionen Euro beträgt, kommt ein süßes: „Für mich sind Sie unbezahlbar!“<BR />Die Idee, die Zartheit zweier Seelen in die harte Fußballerwelt zu verpflanzen, ist großartig. Vor allem weil es der Inszenierung gelingt, hinter all der Absurdität Menschliches zu zeigen. Ob sich die Oberflächlichkeit des Profifußballs so viel Tiefgründigkeit verdient, ist allerdings eine andere Frage. <BR /><BR /><BR /><b>Termine:</b> 14., 15., 17., 20., 23., 24. und 27. Mai –<BR /><b>Beginn:</b> 20 Uhr, sonntags 18 Uhr – Stadttheater Bruneck