Dienstag, 09. April 2019

Ungarn: Sänger der Staatsoper bekennen sich als „Afro-Amerikaner“

15 Sänger der Ungarischen Staatsoper haben sich in schriftlichen Erklärungen als „Afro-Amerikaner“ bekannt. Dies gab Staatsopern-Intendant Szilveszter Okovacs am Montagabend im privaten Fernsehsender ATV bekannt.

 Sänger der Ungarischen Staatsoper beahaupten „Afro-Amerikaner“ zu sein, damit das Opernhaus keine schwarzen Schauspieler beschäftigen muss.
Sänger der Ungarischen Staatsoper beahaupten „Afro-Amerikaner“ zu sein, damit das Opernhaus keine schwarzen Schauspieler beschäftigen muss. - Foto: © shutterstock

Hintergrund ist ein juristischer Streit mit den Rechteinhabern der Oper „Porgy und Bess“ von George Gershwin. Die Erben des Komponisten verlangen nämlich von Opernhäusern, die das Werk aufführen, dass die Darsteller Schwarze sein müssen.

Die Staatsoper in Budapest führt „Porgy und Bess“ seit einem Jahr nur mit weißen Sängern und Sängerinnen auf und sieht nun einer möglichen Klage der Rechteinhaber entgegen. Um in dem drohenden Rechtsstreit die eigenen Chancen zu verbessern, forderte Okovacs die an der Aufführung mitwirkenden Darsteller auf, sich schriftlich als „Afro-Amerikaner“ zu bekennen. In ungarischen Medienberichten war von massivem Druck auf die Sänger und Sängerinnen die Rede.

Der Intendant gilt als Günstling des mächtigen rechts-nationalen und xenophoben Ministerpräsidenten Viktor Orban. Im Gespräch mit dem Sender ATV meinte Okovacs: „In Ungarn gibt es kein Hautfarben-Register.“ In der Erklärung, die 15 von 28 Darstellern unterschrieben, heißt es, dass „afro-amerikanische Herkunft und Bewusstsein einen untrennbaren Teil der Identität“ des Unterzeichners bilde.

Zunächst war nicht klar, ob es sich dabei um eidesstattliche – und damit gerichtsverwertbare – Erklärungen handelte oder nur um formlose Schreiben. Die Ungarische Staatsoper war bereits im Vorjahr international ins Gerede gekommen, nachdem sie auf Druck von homophoben Orban-Anhängern 15 Aufführungen des Musicals „Billy Elliot“ vom Spielplan gestrichen hatte.

dpa

stol