„Fanes“, ein Auftragswerk der Vereinigten Bühnen Bozen der Dramatikerin Anna Gschnitzer, feiert am 15. Februar Premiere. Musicbanda Franui aus Osttirol begleitet den Abend live mit ihrer unverwechselbaren Klangbatterie und mit neu arrangierten und komponierten Liedern und Musikstücken. Auf der Bühne wird auch die Eppaner Schauspielerin Gerti Drassl zu sehen sein.<BR /><BR /><BR /><b>Ausgangspunkt Ihres Schauspiels „Fanes“ sind die ladinischen Sagen mit den mutigen und wilden Frauen aus dem sagenhaften Reich der Fanes. Wie transportieren Sie diesen Stoff auf die Theaterbühne?</b><BR />Anna Gschnitzer: Die Sagen und das Buch von Anita Pichler „Die Frauen aus Fanes“ sind ein starker und archaischer Stoff. Es werden zeitlose Themen verhandelt. Trotzdem war mir schnell klar, dass ich da einen eigenen Zugang finden muss. Deshalb werden die Sagen nicht eins zu eins auf der Bühne erzählt. Ich versuche gemeinsam mit meiner Protagonistin, aus der Gegenwart auf die Sagen zu blicken, den Weg, die Annäherung sichtbar zu machen und den Sagen gleichzeitig Raum zu geben. Diese Gratwanderung war für mich eine große Herausforderung.<BR /><BR /><BR /><b>Im Stück befragen Sie nicht nur die Vergangenheit, sondern auch eine fragil gewordene Gegenwart und Zukunft…</b><BR />Gschnitzer: Die Sagen verhandeln u.a. das Verhältnis Mensch-Natur, und ich konnte damit auch einen Bogen zu unserer Gegenwart ziehen. Wir Menschen haben vergessen, dass wir Tiere sind, die ihr Fell verloren haben. Das hat uns in eine katastrophale Lage gebracht. Eine der Erzählungen, die in den Sagen stecken, ist die eines Paktes mit den Murmeltieren. Ein Versprechen, das vergessen wurde. Dieser Bruch mit der Natur führt dazu, dass die Zivilisation der Fanes untergeht. Es geht in dem Stück auch sehr stark um das Thema Erinnerung. Dabei geht es mir gar nicht darum zu suggerieren, dass früher alles besser gewesen wäre, oder dass es einen romantisierten Naturzustand gibt, den es wieder herzustellen gilt – was sowieso niemals möglich ist – sondern eher dieses Wissen oder dieses Bewusstsein in uns wachzurufen, dass wir Teil eines Ökosystems sind, dass wir uns nicht entziehen können, auch den Katastrophen, die auf uns zukommen, in denen wir auch bereits schon stecken. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="864875_image" /></div> <BR /><BR /><b>Auf Instagram schreiben Sie: „Ich durfte mich gemeinsam mit der Musicabanda Franui, diesem Wahnsinnsstoff, den Fanessagen nähern, in denen Frauen sich in Murmeltiere verwandeln, auf dem Wind reiten und sich mit Wasser, Erz, Geröll verwandt machen.“ Was haben Sie da gemeinsam ausgeheckt?</b><BR />Gschnitzer: Die Musicbanda Franui hat diesen Stoff schon lange mit sich getragen. Die Arbeitsweise des Ensembles besteht ja darin, alpine Volksmusik neu und sehr anders zu interpretieren, musikalische Schichten freizulegen, die so noch nie hörbar waren, dabei geht es gar nicht so wirklich darum, etwas vermeintlich zu rekonstruieren, sondern die Gegenwart darin spürbar zu machen. Deshalb passt dieser Stoff natürlich sehr gut zu ihrer Arbeitsweise. Ich bin sehr beeindruckt von der Kraft und der Wärme, die diese Musik ausstrahlt. <BR /><BR /><BR /><b>Der Abend wird also live begleitet mit neu arrangierten und komponierten Liedern und Musikstücken von Franui, haben Sie dafür auch die Texte geschrieben?</b><BR />Gschnitzer: Es handelt sich bei dem Abend um Schauspiel mit Musik. D.h. mein Text ist in dem Sinne kein Libretto, dennoch war es wichtig, auch textlich eine musikalische Form zu finden, der Großteil des Textes tritt also in einen Dialog mit der Musik, lässt der Musik den Raum sich zu entfalten. Es gibt aber auch einige Arien, die ich geschrieben habe, und die dann von Franui komponiert wurden. Ich habe sie auf Deutsch geschrieben, und sie wurden dann auch auf Ladinisch übersetzt. Es war uns wichtig, dass die Sprache auf der Bühne hörbar wird. <BR /><BR /><embed id="dtext86-58266822_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Sie haben bereits an mehreren Theaterprojekten mitgearbeitet. Ihr Stück „Fallen“ wurde mit dem Publikumspreis des Münchner Förderpreises für deutschsprachige Dramatik ausgezeichnet, „Einfache Leute“ war für den Autorinnenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2021 nominiert und gewann dort den Publikumspreis. Als sie zu schreiben begannen, war es da gleich schon für Sie klar, dass Sie für das Theater schreiben wollen?</b><BR />Gschnitzer: Das hat eine Zeit gedauert, es kam eigentlich dadurch, dass ich Menschen kennengelernt habe, die am Theater arbeiten und die mich gefragt haben, ob ich nicht auch mal für sie ein Stück schreiben möchte. Das war damals die Regisseurin Marie Bues, die ab nächster Spielzeit die Intendanz des Schauspielhaus Wien übernimmt. Eine sehr wichtige Begegnung für mich. Beim Schreiben fürs Theater hat es dann bei mir Klick gemacht. Es hat sich einfach richtig angefühlt für reale Menschen und einen realen Raum zu schreiben, da hat sich bei mir der Schreibimpuls schneller hergestellt.<BR /><BR /><b>Und woran arbeiten Sie derzeit?</b><BR />Gschnitzer: Nach der Premiere von Fanes geht es für mich gleich weiter mit den Proben. Das Stück „Wasser“ kommt im April in Ingolstadt zur Premiere, und ich werde die Proben auch mitbegleiten, das ist für mich als Autorin natürlich wahnsinnig schön und bereichernd, in einen so engen Austausch mit den Spielern, Spielerinnen und den Regieteam zu kommen. Ich kann dann auf die Situation während der Proben reagieren, das macht mir großen Spaß. Für die nächste Spielzeit arbeite ich an einem Auftragswerk für das Schauspielhaus Wien und für das Staatstheater Mainz. Auch darauf freue ich mich sehr!<BR /><h3> Zur Autorin</h3>Anna Gschnitzer wurde1986 in Innsbruck geboren, ist in Südtirol aufgewachsen und lebt und arbeitet in München. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaften und Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Als Autorin hat sie an verschiedenen Performance- und Theater-Projekten mitgearbeitet. Sie wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, u.a. mit dem Jahresstipendium der LiterarMechana, dem Dramatik Stipendium der Stadt Wien und dem Publikumspreis des Münchner Förderpreises für deutschsprachige Dramatik. 2021 erhielt sie den Publikumspreis des Heidelberger Stückemarkts für „Einfache Leute“.<BR /><BR /><BR /><b>Premiere:</b> 15.2., 20 Uhr, Stadttheater Bozen, Großes Haus<BR /><BR /><b>Weitere Termine:</b> 16., 17., 18. 2. jeweils 17 Uhr, 19.2., 18 Uhr<BR />mit Stückeinführung um 17.15 Uhr <BR /><b>Es spielen:</b> Marie-Therese Futterknecht, Lukas Spisser, Gerti Drassl, Viktoria Obermarzoner, Jasmin Mairhofer, Markus Weitschacher, Isa Wiss und Thea Meyer <BR /><b>Musik:</b> Musicbanda Franui<BR /><Rechte_Copyright></Rechte_Copyright>