Mittwoch, 11. Dezember 2019

Transhumanz wird immaterielles Kulturerbe

Die Transhumanz, die länderübergreifende Tradition der Wanderweidewirtschaft ist am Mittwoch in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotà in die Repräsentative UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.

Transhumanz, die grenzüberschreitende Weidewirtschaft, wurde als Immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt.
Transhumanz, die grenzüberschreitende Weidewirtschaft, wurde als Immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt. - Foto: © www.smg.bz.it / IDM/Mario Entero

Österreich, Italien und Griechenland hatten zusammen diese multinationale Einreichung vorangetrieben. Mit dabei auch der Kulturverein Schnals und die Schafinteressentschaften des Tales, die das entsprechende Dossier maßgeblich mitgestaltet haben.

Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer nimmt diese Nachricht mit großer Freude auf: „Zehn Jahre nach der Anerkennung der Dolomiten als Weltnaturerbe bekommt Südtirol nun auch ein Kulturerbe der UNESCO.“ Sie sieht es als „berührende Ehre, dass mit so besonderen Wanderweidewirtschaft das Leben am Berg gewürdigt wird. Tranhumanz bedeutet Entbehrung, Grenzgang, Verlust und Hartnäckigkeit … Sie ist gleichsam etwas Tiefsinniges, ist ein Spiegel des Lebens am Berg.“

Nun gelte es, „behutsam mit diesem Erbe umzugehen“, sagt Hochgruber Kuenzer, die auf die zehn Jahre Erfahrung mit dem Dolomiten UNESCO-Weltnaturerbe verweist. Dort ist die Landesrätin im Auftrag von Landeshauptmann Arno Kompatscher die Südtiroler Delegierte im Verwaltungsrat. „Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass ein UNESCO-Welterbe immer ein Schatz ist, den wir nicht nur vermarkten dürfen, sondern dankbar bewahren und gut überlegen müssen, wie wir damit umgehen“, sagt Hochgruber Kuenzer.

Alm- und Weidebewirtschaftung

Die Transhumanz ist eine den Jahreszeiten folgende Alm- und Weidebewirtschaftung: Die Wanderschaft von begleiteten Herden, insbesondere Schafen, Kühen und Ziegen, entlang bestimmter Routen. Sie existiert in vielen Weltregionen.

Die Wanderungen – ausgehend vom Schnalstal ins Ötztal nach Nordtirol und zurück – gelten als die einzige grenzüberschreitende Transhumanz in den Alpen, die über Gletscher führt.

Alte Rituale und Bräuche wie das Festlegen der Weideplätze und die Zahl der Schafe, die Bezahlung oder der gemeinsame Kirchgang vor dem Übertrieb werden bis heute ausgeübt. In die nationale Liste des Immateriellen Kulturerbes wurde die Tradition bereits 2011 aufgenommen.

Verbindet Menschen seit Jahrhunderten

„Die Routen für Herden mit ihren Schäfern und die damit zusammenhängenden Rituale verbindet die Menschen in dieser Region seit Jahrhunderten“, betonte Sabine Haag, Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission, in einer Aussendung. „Das Wissen und die Weitergabe dieser besonderen Form der Wanderweidewirtschaft, der Transhumanz, ist wichtiges kulturelles Erbe und trägt wesentlich zu einem alt tradierten Verbund von Natur und Mensch bei.“

stol/lpa/apa