Im Vorab-Gespräch geben die beiden Podcast-Macher Einblick in ihre Methodik, erklären das „True Crime“-Genre und zwitschern ganz nebenbei ein kleines Loblied auf Südtirol. <BR /><BR /><b>Frau Rückert, Herr Sentker, was habt ihr im Zuge des Literaturfestivals im Designhotel Gartner geplant?</b><BR />A. Sentker: Schon bei unseren ersten Auftritten haben wir gesehen, dass sich unsere Podcast-Gespräche auch für die Bühne eignen. Aber mit dem Erfolg haben wir selbst nicht gerechnet. In Dorf Tirol werden wir über einen großen Kriminalfall aus Deutschland berichten: Sabine hat den Fall in ihrer Funktion als Kriminalreporterin für „die ZEIT“ recherchiert und darüber berichtet, ich übernehme die Rolle des Gastgebers.<BR /><BR /><BR /><b>Vor ziemlich genau acht Jahren, am 24. April 2018, erschien die erste Folge des Podcasts „Verbrechen“, seitdem verzeichnet er im Zweiwochentakt Aufrufe in Millionenhöhe und fast 150.000 Instagram-Abonnenten. Wie erklärt ihr euch diesen Erfolg?</b><BR />S. Rückert: Wir sind ein gutes Gespann. Andreas ist ein ausgezeichneter Moderator, der die vielen Fragen und Befürchtungen des Publikums antizipiert und aufgreift. Bei mir ist wohl die Rolle der Kriminalreporterin entscheidend, denn ich habe die Fälle selbst erlebt, mich eingehend damit beschäftigt, kenne die Akten und die Abgründe.<BR /><BR />A. Sentker: Gerade weil Sabine so tief in den Fällen drin ist, können wir ein authentisches Gespräch führen, ohne Fragen vorformulieren oder irgendetwas ablesen zu müssen. Sie berichtet von ihren Erlebnissen – unverfälscht und sehr nah dran an den Geschehnissen.<BR /><BR />S. Rückert: Und Andreas als Wissenschaftsjournalist streut immer wieder passende Fakten und Hintergrundinfos aus der Forschung ein, etwa zu bestimmten Methoden oder Krankheitssymptomen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1302729_image" /></div> <BR /><b>Nach welchen Kriterien wählt ihr die Fälle aus und wie viele Folgen habt ihr denn mittlerweile produziert?</b><BR />A. Sentker: In der Tat gibt es sehr viele Fälle, die man erzählen könnte. Mittlerweile gibt es 375 Folgen des Podcasts „Verbrechen“. Das sind 14.880 Hörminuten bzw. 248 Stunden.<BR /><BR /><b>Welche Fälle sind euch besonders stark in Erinnerung geblieben?</b><BR />A. Sentker: Es gibt einen Fall, der sich direkt vor der Haustüre von Sabine abspielte, vor den Toren von Hamburg. Ein junger, stark alkoholisierter Mann wurde in einer Diskonacht von der Polizei aufgegriffen und mitten auf der Landstraße ausgesetzt. Dort wurde er von einem Auto erfasst und war auf der Stelle tot. Das nimmt einen mit, weil die Polizei die Schuld an den Geschehnissen trägt. <BR /><BR />S. Rückert: Manchmal nehmen wir Serien auf, wie gerade eine über einen Justizirrtum in Bayern. Dabei wurde ein Mann wegen Mordes verurteilt, allerdings stellte sich das Ganze als Fehlurteil heraus. In der sechsteiligen Serie erzähle ich dem Andreas dieses krasse Versagen von Justiz und Polizei, also die Entstehung der Urteils, dessen Aufklärung und Berichtigung. Ich habe den Fall recherchiert und war auch in der Hauptverhandlung. Die Serie wird online gehen, just wenn wir uns in Südtirol befinden. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1302732_image" /></div> <b>Kriminalromane stehen in den Bestsellerlisten ganz oben, Krimiserien bestimmen das Hauptabendprogramm und euer Podcast ist eine Erfolgsgeschichte. Wie erklärt ihr euch die Faszination für dieses Genre?</b><BR />A. Sentker: Das dürfte auch damit zu tun haben, dass wir in im Gegensatz zu vielen Konfliktregionen dieser Erde in einer relativ friedlichen Gesellschaft leben – zum Glück. Interessant ist, dass die überwiegende Mehrheit unserer Hörerschaft von jungen Frauen gebildet wird. Sie wollen der Psyche auf den Grund gehen, verstehen, was die Menschen antreibt und wo sie an Grenzen stoßen.<BR /><BR />S. Rückert: Natürlich interessiert sich der Mensch für das Böse in seinem eigenen Inneren. Wir erzählen das Böse in einem verkraftbaren Rahmen, ähnlich wie es Märchen für Kinder tun. Wir ordnen die Geschehnisse ein und zeigen auf, wie Gesellschaft und Staat mit einer Straftat umgehen, ohne dass unsere Hörer danach schlaflose Nächte haben.<BR /><b><BR />Welchen Wert hat euer Podcast für ein weithin bekanntes Medium wie „die ZEIT“?</b><BR />A. Sentker: Wir erreichen damit für „die ZEIT“ ein Publikum mit neuem Nutzungsverhalten, also die jungen Leute, die das Hören dem Lesen vielfach vorziehen. Damit lernen sie „die ZEIT“ als glaubwürdiges Medium kennen, das auf die Prinzipien von gründlicher Recherche und leidenschaftlichem Journalismus baut. Das ist in unserer heutigen Zeit wichtiger denn je, damit unterscheidet man sich von den vielen Fake-News und unseriösen Medien. Unser Verlag betreibt 30 Podcasts, sie sind der Schlüssel zu einem jungen Publikum.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1302735_image" /></div> <BR />S. Rückert: Als Kriminalreporterin habe ich außerdem die Möglichkeit, Hintergründe und Erlebnisse zu schildern, die im Text nicht vorkommen.<BR /><BR /><b>Ist es denkbar, dass ihr irgendwann auch mal einen Südtiroler Mordfall beleuchtet?</b><BR />S. Rückert: Das ist unwahrscheinlich, denn wir wollen ja neue Fälle erzählen, die noch niemand kennt. Das setzt voraus, dass wir sehr dicht dran sind und Zugang zu den Akten, zum Prozess und zu Prozessbeteiligten haben.<BR /><BR /><b>Welchen Bezug habt ihr zu Südtirol?</b><BR />S. Rückert: Ich kenne Südtirol sehr gut, verbringe dort immer wieder mit meinem Mann freie Tage. Es ist ein gesegnetes Stück Land, ein Garten Eden.<BR />A. Sentker: Bei mir ist es ähnlich, etwa zweimal im Jahr genieße ich einen Aufenthalt in Südtirol. Dort gibt es alles, was wir lieben: Eine großartige Landschaft, sehr gutes Essen und vorzüglichen Wein. Und nette Menschen sowieso.