Freitag, 05. Juli 2019

Wanda in Südtirol: „Das Publikum bedeutet uns alles“

Die Wiener Band Wanda hat es geschafft. Sie haben mehrmals die Spitze der österreichischen und deutschen Albumcharts erreicht und füllen mittlerweile Stadien. Am 12. Juli kommen sie nach Meran zum Maia Music Festival. STOL hat Sänger Marco Wanda zum Interview getroffen.

Die Wiener Band Wanda kommt am 12. Juli nach Meran. - Foto: Wolfgang Seehofer
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Die Wiener Band Wanda kommt am 12. Juli nach Meran. - Foto: Wolfgang Seehofer

Südtirol Online: Ihr seid vor einigen Jahren schon einmal in Südtirol aufgetreten, jetzt kommt ihr am 12. Juli nach Meran. Was dürfen sich die Fans erwarten und habt ihr die Südtiroler Fans vermisst?

Marco Wanda: Oh, ich freue mich sehr drauf. Ich glaube auch, dass das Festival ein ganz tolles ist. Es ist auch etwas ganz Neues. Ich bin immer gerne in Südtirol. Ich bin fasziniert und fühle mich tief geehrt, dass Menschen so weit weg von uns das auch toll finden. Das ist jedes Mal bewegend. Ich freue mich wirklich sehr darauf.

STOL: Ihr bezieht euch immer wieder auf Italien und auf das italienische Lebensgefühl. Wie kommt es eigentlich zu dieser Verbindung? 

Wanda: Ich habe Familie in Italien und sehr lebendige Kindheitserinnerungen an diese interessanten Menschen. Es schwingt auch eine gewisse Sehnsucht mit, weil ich diese Menschen viel zu kurz in meinem Leben hatte. Ich habe sie nur als Kind erlebt und es waren vor allem alte Menschen. Eine Generation, die es – glaube ich - sehr schwer hatte und dadurch total lebenslustig war. Und so vorgelebt hat, dass es, egal, wie schwer es ist, immer weitergehen muss. Und dass die Lebenslust nicht unter äußeren Umständen leiden darf. Vielleicht kommt das daher.

STOL: Unter Ihren Vorfahren befinden sich also Italiener?

Wanda: Genau. Mein Urgroßvater musste von einem Hof rund um Bologna fliehen. Er war Bauer und es war nicht mehr tragbar. Er und seine zwei Brüder mussten den Hof verlassen, weil sie sonst verhungert wären. Diesen Teil meiner persönlichen Migrationsgeschichte nehme ich auch wahr, wenn ich darüber singe. Daher kommt auch der Titel unseres Songs „Bologna“.

STOL: Ihr schreibt eure Texte selbst. Sie sind derjenige, der am meisten schreibt. Was inspiriert Sie?

Wanda: Das ist schwer. Meine Technik ist der „Stream of Consciousness“, dieses „einfach fließen lassen“. Und es gibt sicher Texte, die ein eindeutiges Narrativ haben. Eine Geschichte erzählen. Aber sehr viel davon ist eher unbewusstes Material, das einfach passiert. Deswegen ist es immer so schwer für mich darüber zu reden, was das alles bedeuten soll. Ich sehe das alles als Projektionsfläche. Und schlage es der Öffentlichkeit vor, auch so zu nutzen. Ich finde es am schönsten, wenn jemand etwas Eigenes in diesen Texten findet. Das ist, was mich umgekehrt immer an Literatur oder Songtexten interessiert hat. Dass ich mich darin wiederfinden kann. Ich möchte eigentlich auch gar nicht wissen, was sich die Autoren dabei wirklich gedacht haben.

STOL: Im Herbst erscheint euer neues Album, was kann man sich davon erwarten? Werdet ihr eurem Stil treu bleiben?

Wanda: Ja, ich glaube, wir arbeiten immer nach unseren Möglichkeiten. Oder auf Augenhöhe mit unseren Möglichkeiten und Fähigkeiten. Es ist nicht das Bestreben, das Rad neu zu erfinden, sondern es geht darum, ausdrucksstarke Musik zu machen. Es ist entweder genial oder beschissen. Ich kann‘s nicht mehr beurteilen, ich weiß gar nicht mehr, worum es da geht. Es wird auf jeden Fall abgefahren. Ich glaube, es ist ein Album, das überraschen wird.

STOL: Ihr tretet in Stadien auf, eure Alben haben mehrmals die Höchstposition in den Charts erreicht. Was wollt ihr karrieretechnisch noch erreichen?

Wanda: Ich möchte das einfach so weitermachen, bis ich umfalle. Ich wäre schon froh, wenn es einfach so bleibt und habe da keine megalomanischen Fantasien. Es muss jetzt gar nicht größer oder besser werden. Für mich definiert sich die Kraft und die Bedeutung von Musik auch nicht zwangsweise durch Erfolg. Erfolg ist da schön, wenn er mir und uns ermöglicht, das weiterhin für Menschen machen zu dürfen. Das würde ich mir wünschen.

STOL: Ihr habt auch einmal gesagt, dass ihr eure Konzerttickets nicht zu teuer verkaufen wollt, damit jeder, der euch sehen will, auch wirklich die Möglichkeit dazu bekommt. Was bedeuten euch eure Fans?

Wanda: Das sind die Menschen, die das hier lebendig machen. Wir wollten immer für Menschen spielen. Das war nie eine Band, die das nur für sich getan hat. Es war immer die Idee, dass man mit Menschen gemeinsam was erlebt. Dass man etwas bewegt, dass man die Psyche und das Unbewusste der Öffentlichkeit irgendwie rüttelt oder in Gang bringt. Das Publikum bedeutet alles. Ohne Publikum hat das hier alles keinen Sinn, weil es nicht lebt.

STOL: Euer Konzert in der Wiener Stadthalle im April 2018 gilt als legendär. Ihr habt auch in Interviews gesagt, dass das euer bislang bestes war. Wurde es mittlerweile schon getoppt oder ist es immer noch die Nummer 1?

Wanda: Das ist schwer. Wir sind so eine Hopp oder Tropp-Band. Wir sind alles oder nichts. Wir wollen wahnsinnig viel von unserer Musik, vor allem auf der Bühne und das kann auch total scheitern. Es ist entweder großartig oder schlecht. Man kann nur versuchen, das zu machen, was man kann. Mehr geht nicht.

STOL: Und was war das Verrückteste, das ihr je auf Tour erlebt habt?

Wanda: Es ist irgendwie alles verrückt auf Tour. Es ist ein unheimlicher Ausnahmezustand. Und auf der anderen Seite ist es wahnsinnig angenehm, weil es zumindest eine Tagesstruktur gibt. Das haben wir im Privatleben so auch nicht. (lacht) Da ist die Tour phasenweise tatsächlich unaufgeregter und strukturierter als das Privatleben. (lacht) Aber so ein explizites Erlebnis wüsste ich jetzt nicht, da laufen so viele Filme vor meinem geistigen Auge ab. Es ging alles so schnell. Wir sind so schnell durch die Decke gegangen, in Österreich und Deutschland. Ich habe das alles noch gar nicht wirklich verarbeitet. Und bin auch grundsätzlich kein Mensch, der gerne zurückschaut. Ich schaue lieber in die Zukunft.

STOL: Wie hat sich euer Leben verändert, seitdem ihr 2015 das letzte Mal in Südtirol aufgetreten seid?

Wanda: Mittlerweile können wir mit dem Erfolg besser umgehen. Wir haben verstanden, dass man als Musiker mit so einem Erfolg gewissermaßen zwei Leben lebt. Eines auf Tour in diesem ganzen Trubel und ein anderes Leben, ein privates, ein Leben mit Familie und Freunden. Wir kennen uns darin besser aus, wir können von einem Leben ins andere steigen. Schneller und ohne Schaden.

STOL: Habt ihr schon Pläne für die Zeit nach eurer Tour 2020?

Wanda: So weit will ich gar nicht vorausdenken. Wir sind bemüht, das Ganze auf die Beine zu stellen, gut zu proben. Und so gut zu spielen, wie wir können. Ich freue mich so sehr auf die Tour. Danach werde ich wahrscheinlich ganz in Ruhe eine Flasche Wein mit vertrauten Menschen trinken.

Interview: Lena Müllner

stol

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