Josef Lanz, der langjährige künstlerische Leiter des Festivals, führt im folgenden Interview unsere Leser ins Festival ein.<BR /><BR /><b>Was sind die weiteren Highlights des Programms der diesjährigen Mahler-Wochen?</b><BR />Josef Lanz (Bild): Was die Orchester betrifft, treten Jugendorchester auf: das deutsche Bundesjugendorchester (BJO) und das Asian Youth Orchestra (AYO). Das BJO unter der Leitung von Clemens Schuldt spielt ein außergewöhnliches Programm: die Sinfonie Nr. 7 von Jean Sibelius, die Uraufführung von „The Ghost Machine Treatise“ des schwedischen Komponisten Daniel Nelson mit dem brillanten Shootingstar Martynas Levickis (Akkordeon), „Helix“, ein Werk des berühmten Dirigenten Esa-Pekka Salonen und „Don Juan“ von Richard Strauss. Das AYO hingegen präsentiert ein populäres Programm: Ruslan & Ludmilla-Ouvertüre von Mickhail Glinka, die Feuervogel-Suite von Strawinsky und die 4. Sinfonie von Mahler. Es dirigiert Joseph Bastian, Gesangssolistin ist Lydia Teuscher. Von den Kammermusikgruppen und Solisten möchte ich vor allem den jungen armenischen Cellisten Narek Hakhnazaryan nennen, dann das Busch-Klaviertrio, den jungen Pianisten Julius Asal und nicht zuletzt den Liederabend – angelehnt an die Aufenthalte von Johannes Brahms, Hugo Wolf sowie Alma und Gustav Mahler in Toblach – mit Konstantin Ingenpass, Bassbariton und Matthias Alteheld, Klavier.<BR /><BR /><b>Die Mahlerwochen sind seit Beginn dem Werk Gustav Mahlers verpflichtet, bringen aber in Klang und Wort auch die Musik von Zeitgenossen, und bis heute auch von Musikern, die Gustav Mahlers musikalisches Werk in sich aufgenommen haben. Könnte Sie da ein paar Beispiele von Komponisten oder Interpreten, Dirigenten etc. nennen? </b><BR />Josef Lanz: Eine ganze Reihe von Künstlern haben die Musikwochen geprägt und in Toblach Spuren hinterlassen. Einer der stärksten Momente war die Uraufführung vom „Lied von der Erde“ in der Kammermusikfassung von Schönberg – für Toblach vollendet von Rainer Riehm – in den Wohnräumen des Trenkerhofes in Alt-Schluderbach, wo Mahler in den Sommermonaten residiert hatte. Unter der künstlerischen Leitung von Louis de la Grange kam es zu Kompositionsauftrag und Uraufführung von 5 Mahler-Liedern in der Kammerorchester-Version von Luciano Berio, interpretiert vom jungen Thomas Hampson und dem Haydn Orchester. Die Mahler-Improvisationen des Uri Caine Jazz-Ensembles waren innovativ und haben durch die CD-Veröffentlichung des Toblacher Konzertmitschnittes international Aufsehen erregt. Das Bundesjugendorchester bescherte mit den Dirigenten Roberto Paternostro, Gerd Albrecht und Markus Stenz unvergessene Erlebnisse. <BR /><BR /><b>Sie bemühen sich ja als künstlerischer Leiter seit mehreren Jahrzehnten, neben namhaften und arrivierten, jedes Jahr auch junge aufstrebende Musikerinnen und Musiker sowie Solistinnen und Solisten nach Toblach zu verpflichten. Ist dies auch in diesem Jahr gelungen?</b><BR />Lanz: Junge, aufstrebende Musiker haben heute ein hervorragendes technisches und interpretatorisches Niveau. Dazu kommt noch ein anderer Aspekt: Die junge Elite wird morgen die klassische Musik weiterführen, die Interpretation der Zukunft prägen und an Schaltstellen dafür sorgen, dass die Musik für das Publikum lebendig bleibt, so auch in der diesjährigen Ausgabe: Die Mitglieder des BJO sind zwischen 13 und 19 Jahre jung, die 100 Mitglieder des AYO gehören zu den besten jungen Musikern aus verschiedenen Ländern Asiens, der Cellist Narek Hakhnazaryan gewann den ersten Preis beim Tschaikowsky-, Sibelius- und beim Königin-Elisabeth-Wettbewerb. Das Busch-Trio ist in kurzer Zeit zur internationalen Spitze vorgestoßen und über den Pianisten Julius Asal schrieb das Codalario Magazine „Er wird sicherlich eine der Figuren des 21. Jahrhunderts sein...“<BR /><BR /><b>Die Mahlerwochen sind in einzelnen programmatisch ausgewählten Konzerten immer auch ein Spiegel der neueren und neuesten Tiroler Musikproduktion. Ist dies auch heuer so?</b>Lanz: Seit 2022 läuft das Projekt „Junge Komponierende und Gustav Mahler in Toblach“ mit internationaler Ausrichtung. Ich denke, dass wir uns in naher Zukunft wieder mehr auf einheimische Komponisten konzentrieren werden. Bisher gab es immer wieder Konzerte mit Uraufführungen Tiroler Komponisten: Hubert Stuppner, Werner Pirchner, Herbert Grassl, Felix Resch, Caroline Profanter, Eduard Demetz, Hannes Kerschbaumer, Alexander Kaiser, Manuel Zwerger, Mathias Schmidhammer, Konrad Tavella, Manuel Zwerger, Günther Zechberger, Alexander Kaiser. Viele Werke wurden vom Südtiroler Künstlerbund (SKB) in Auftrag gegeben. 2017 organisierte der SKB in Kooperation mit den Mahler Musikwochen einen Kompositionswettbewerb.<BR /><BR /><b>Die Gustav-Mahlerwochen kommen ja, im Vergleich mit anderen Musikfestivals im Lande, mit einem bescheidenen Budget aus. Ist dieses traditionsreiche und so wichtige Festival für die nächsten Jahre materiell abgesichert?</b><BR />Lanz: Leider sind die finanziellen Mittel – sie waren immer eher bescheiden – in den vergangenen Jahren weiter zurückgegangen. Und das ist bei einem Mahlerfestival insofern problematisch, weil Mahler neben einigen Liederzyklen nur groß besetzte Sinfonien komponiert hat. Ich hoffe sehr auf eine nennenswerte finanzielle Steigerung für 2024. <BR /><BR /> <a href="https://www.kulturzentrum-toblach.eu/de/kulturprogramm/gustav-mahler-musikwochen-1223.html" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier das Programm.</a>