<b>Nach 34 Jahren und 300 Ausstellungen schließt die Galerie Prisma. Schauen Sie mit Wehmut – trotz des Neuanfangs – zurück?</b><BR />Lisa Trockner: Loslassen hat immer auch mit Rückbesinnung zutun. 34 Jahre ist eine lange Zeit, in der der Kunstbetrieb gewachsen und sich professionalisiert hat. Die Galerie Prisma hat mit all den Ausstellungen, den unzähligen Menschen und Kunstwerken, die sie beherbergt hat, die Kunstgeschichte des Landes mitgeschrieben. Die Entscheidung, die Galerie zu schließen, ist eine bewusste, die der Vorstand getroffen hat. Dieses Loslassen bedeutet für uns als Künstlerbund neue Herausforderungen anzunehmen, für die Künstlerschaft einen weiteren Schritt in Richtung Professionalisierung und für den Kulturbetrieb erweiterte Möglichkeitsräume. Aufgaben und Ziele, auf die wir uns jetzt sehr freuen. <BR /><BR /><b>Was war das Verdienst der Galerie in diesen Jahren?</b><BR />Trockner: Die erste Ausstellung wurde am 24. Februar 1989 mit dem Architekten <b>Oswald Zoeggeler</b> eröffnet, von da an, etablierte sich die Galerie Prisma als eine Konstante im Kunstbetrieb. In ihren Anfängen war sie eine der wenigen Ausstellungsorte für Zeitgenossenschaft. In den 160 Quadratmeter großen Räumen wurden wichtige Retrospektiven wie von <b>Hans Piffrader, Josef Kostner, Anton</b> und <b>May Hofer</b>, sowie Jubiläen von <b>Robert Scherer, Luis Stefan Stecher, Karin Welponer</b> und vielen anderen gefeiert. Unzählige Kooperationen mit lokalen Partnern und die ersten Austauschausstellungen mit dem Ausland wurden organisiert. Auf dem Programm standen neben Ausstellungen bildender Kunst, Performances und disziplinenübergreifender Konzepte zwischen Architektur, Design, Musik und Literatur. Über die Jahre haben sich die Formate geändert: Mehr Gruppenausstellungen und sitespezifische, installative Projekte, die jährliche Kunstauktion wurde eingeführt und durch START den Nachwuchstalenten mehr Platz eingeräumt. Im Rückblick ist das Erbe der Prisma enorm. Sie war eine Spielwiese der Kreativität, denn durch ihre dynamische Führung, konnten neue Ideen schnell ausprobiert und umgesetzt werden. Viele der heute renommierten Künstler wie <b>Robert Pan, Robert Bosisio, Josef Rainer, Lois Anvidalfarei, Walter Moroder</b> hatten ihre ersten Einzelausstellungen in der Prisma, und bis heute wurden die jüngsten Nachwuchstalente erstausgestellt.<BR /><BR /><b>Und woran denken Sie mit besonderem Stolz zurück?</b><BR />Trockner: Es gibt viele Dinge und es gibt mindestens genauso viele Menschen, denen der Erfolg der Galerie zu verdanken ist. Allen voran den Mitgliedern des Künstlerbundes und den ehemaligen und aktuellen ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern. Mich persönlich haben im Jahresprogramm der Prisma nicht nur ihre Intensität – es hat Jahre gegeben mit bis zu 12 Ausstellungen – beeindruckt, sondern ich bin dankbar für die vielen Künstlerpersönlichkeiten von 19 bis 99 Jahren, mit denen ich zusammenarbeiten durfte.<BR /><BR /><b>Für den Künstlerbund bedeutet die Schließung der Galerie kein Rückgang, vielmehr ist es ein bedeutender Schritt nach vorne. Nun sollen immerhin 1000 Quadratmeter in der Weggenseitenstraße 12 bespielt werden...</b><BR />Trockner: Ja, dank unserer Förderer und mit Unterstützung des deutschen Kulturamtes werden diese 1000 Quadratmeter einer neuen Zweckbestimmungen zugeführt. Im Erdgeschoss, der nun ehemaligen Galerie Prisma, werden 7 Künstler-Ateliers ausgeschrieben. Hingegen ziehen wir mitsamt Büros und einer kleinen Bibliothek in die angrenzenden hellen großzügigen Räumlichkeiten des Deutschhauses, wo sich die bisherige Ausstellungsfläche mehr als verdoppelt. Unsere Absicht ist es, diesem architektonisch und historisch wertvollen Bestand im Zentrum von Bozen neues Leben einzuhauchen und einen lebendigen Kunstort zu schaffen, an dem Produktion und Präsentation eng miteinander verwoben sind. <BR /><BR /><b>Für wann ist dieser große Umzug geplant?</b><BR />Trockner: Gegen Jahresende.<BR /><BR /><b>Wenn nun die Galerientätigkeit samt Bibliothek in den ersten Stock verlegt wird, was erwartet zukünftig die Künstler und die Besucherinnen?</b><BR />Trockner: Das zukünftige Programm wird noch geschärft, aktuell wird intensiv daran gearbeitet. Es steht fest, dass aufgrund der Raumanordnungen sich glücklicherweise eine modulare Bespielung der Flächen anbietet, sodass mehrere Ausstellungen parallel stattfinden können. Wir bleiben dynamisch und experimentell, es wird Platz geben für Literaturprojekte, kleine Konzerte, Performances, Symposien. Ein Schwerpunkt wird die Vernetzung sein, mit lokalen und internationalen Partnern und allen Bereichen, der Wissenschaft, der Wirtschaft und allen Disziplinen der Kunst, sowie ein weiterer Ausbau der Professionalisierung und der Nachwuchsförderung. <BR /><BR /><b>Bleibt für die Ausstellungsfläche im 1. Stock der Name der Galerie Prisma erhalten oder heißt es auch dafür bye bye?</b><BR />Trockner: Vom Namen Prisma verabschieden wir uns mit einem Fest, zu dem wir alle einladen. Die neuen Räume erhalten einen neuen Namen, den wir mit der großen Eröffnungsausstellung bekannt geben werden.<BR /><BR /><b>Die Künstlerateliers sollen nun im Parterre, wo sich die Prisma Galerie befand, entstehen. Wer darf sich dafür bewerben?</b><BR />Trockner: Bewerben können sich Künstlerinnen und Künstler, die in Südtirol leben und arbeiten. Nachwuchskünstlerinnen sowie Mitglieder aller Generationen und Disziplinen sind willkommen. Vorausgesetzt, sie sind als freischaffende Künstler und Künstlerinnen tätig und üben nur nebenberuflich eine andere Tätigkeit aus. Die Ausschreibung ist auf unserer Homepage zu finden.<BR /><BR /><b>Und was passiert mit dem Frei.Raum, der bisher auch kurzfristig genutzt werden konnte?</b><BR />Trockner: Den Frei.Raum wird es weiter geben, allerdings wird auch er umziehen. Ein Teil der ex Galerie Prisma wird Frei.Raum und bietet, den dort arbeitenden Künstlerinnen und Künstlern als auch anderen, Raum für freies Experimentieren und fördert eine noch engere Vernetzung.<BR /><BR /><b>Interdisziplinär und vernetzt präsentiert sich heute die Kultur. Welchen Platz werden Literatur, Architektur und Musik zwischen der Kunst im Haus einnehmen?</b><BR />Trockner: Das Ineinanderfließen von Arbeiten und Ausstellen, soll prozesshafte Synergien schaffen und neue Arten der Kommunikation und Vermittlung von Kunst hervorbringen. Um die unterschiedlichen Disziplinen näher aneinander heranzuführen, werden spezielle Formate konzipiert, die nicht nur das Verständnis füreinander, sondern das gemeinsame Arbeiten fördern sollen. Wir werden weiterhin offenbleiben, um den Bedürfnissen der Künstlerschaft viel Raum zu geben.<BR /><BR /><b>Fest:</b> 28.7., 18 Uhr, ex Galerie Prisma, Weggensteinstr. 12 Bozen<BR />