Trink- oder Zechstuben waren im 16. Jahrhundert keineswegs eine Brunecker Besonderheit. In vielen größeren Städten des heutigen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gab es solche Orte des geselligen Beisammenseins. In Südtirol sind neben Bruneck noch Trinkstuben in Tramin und am Brenner bekannt. Aber kaum mehr eine ist noch so gut erhalten und so mit derart vielen Fresken geschmückt wie jene in Bruneck. <BR /><BR />Die Bedeutung dieser Stubengesellschaften ging über das Trinken hinaus. „Es war eine Zeit des Umbruchs“, erzählt Katharina Egger, die Tochter der Apothekerfamilie, in deren Gebäude die Trinkstube sich befindet, bei ihren Führungen. Die Bauernaufstände erreichten damals ihren Höhepunkt. Der Adel grenzte sich zunehmend von der bäuerlichen Bevölkerung ab und traf sich in den Städten mit den Bürgern. „Das war damals keine Selbstverständlichkeit“, sagt Egger. Der gemeinsame Feind – die Bauern –, politische Interessen und schlicht die Lust am geselligen Beisammensein brachten sie zusammen.<h3> Von Stubenordnung, Stubenmeister und Stubenknecht</h3>Wer dazugehören wollte, musste sich allerdings an die Stubenordnung halten. Wurde zur Zusammenkunft gerufen, durfte niemand fehlen, wer fernblieb, musste eine Strafe bezahlen. Der Stubenmeister wachte über die Ordnung, führte das Mitgliederverzeichnis und schlichtete bei Zank und Hader, Wirt und Stubenknecht versorgten die Zechbrüder. Auch über die Trinkfreudigkeit wurde Buch geführt – auf mehreren schwarzen Tafeln, die heute noch zu sehen sind: Mit Kreide wurden dort Schulden oder die Zahl der getrunkenen Becher vermerkt.<BR /><BR />Eingerichtet wurde die Brunecker Trinkstube 1526 von Veit Söll von Aichberg, Bürger und Mitglied des Rates von Bruneck. Er öffnete sein Haus den adeligen und bürgerlichen Patriziern der Stadt und der Umgebung. Die Trinkbrüder ließen den Raum vom Maler Ulrich Springenklee ausschmücken. Er verewigte die Mitglieder der Runde mit ihren Wappen und Trinksprüchen – und auch sich selbst. Noch heute erzählen die Fresken von den Männern, die hier einst zusammenkamen. Katharina Egger kennt ihre Namen und Geschichten: von Veit Söll von Aichberg über Lucas Mohr zu Ainnedt, Jacob Jöchl zu Jöchlsturn und Paul von Welsperg bis zum Freiherrn Oswald von Wolkenstein.<h3> Fresken in den 1990er-Jahren restauriert</h3>Dass diese Geschichten heute noch so anschaulich erzählt werden können, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Fresken wurden 1997 und 1998 restauriert und freigelegt. Vorher diente die Trinkstube eine Zeitlang der Apotheke als Lager. Heute ist sie wieder ein Fenster in eine längst vergangene Welt. Wer die Trinkstube noch bis zum 29. August besichtigen möchte, kann dies täglich von 9 bis 13 Uhr sowie von 15 bis 19 Uhr tun, am Donnerstag bis 22 Uhr. Die Führungen mit Katharina Egger finden halbstündlich statt, zur vollen Stunde auf Deutsch, zur halben Stunde auf Italienisch.<h3> Das Jubiläum wird gefeiert</h3>Im Herbst werden 500 Jahre Trinkstube dann mit mehreren Veranstaltungen gefeiert: Am 22. September hält Stadthistoriker Andreas Oberhofer über das Leben in Bruneck vor 500 Jahren. Am 18. November präsentiert Bettina Gartner den Jubiläumsroman der Trinkstube, und am 16. Dezember stellt Giuglio de Vescovi Ulzbach den Jubiläumswein vor – samt Verkostung – und erzählt von den geschichtlichen Hintergründen des Teroldegos.