Montag, 29. Mai 2017

100 Jahre JFK: Sein Vermächtnis bleibt

Seine Reden werden immer noch zitiert, Gebäude auf der ganzen Welt sind nach ihm benannt: John F. Kennedy, einer der mythologisiertesten US-Präsidenten, wäre am heutigen Montag 100 Jahre alt geworden. Viele Amerikaner fragen sich noch immer: Was wäre gewesen, wenn... ?

Der damalige US-Präsident John F. Kennedy hielt Ende Juni 1963 während seines Deutschland-Besuchs eine Rede vor dem Römer in Frankfurt.
Der damalige US-Präsident John F. Kennedy hielt Ende Juni 1963 während seines Deutschland-Besuchs eine Rede vor dem Römer in Frankfurt. - Foto: © APA/DPA

Was hätte John F. Kennedy noch erreichen können? Viele US-Amerikaner sind über diese Frage nie wirklich hinweg gekommen. Was hätte dieser junge, charismatische Anführer alles noch erreichen können – wäre er nicht 1963, gerade einmal 1000 Tage im Amt, in Dallas/Texas, erschossen worden?

Nach der Trauerfeier für den ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy salutiert sein Sohn John F. Kennedy jr. (vorne rechts) dem Sarg mit den sterblichen Überresten seines Vaters. Neben der verschleierten Witwe Jacqueline Kennedy die Tochter Caroline (l.), hinten links Senator Edward Kennedy und hinter John F. Kennedy jr. Justizminister Robert F. Kennedy, Brüder des erschossenen Präsidenten. - Foto: dpa  

Wäre das Land Kennedys Vision gerecht geworden? Der Vision von jemandem, der sich zu einem Zeitpunkt für Demokratie und Weltfrieden einsetzte, an dem die Welt sich mit der Möglichkeit abfand, dass ein Druck auf den roten Knopf jederzeit die gegenseitige nukleare Zerstörung bedeuten konnte? Bürgerrechte, Wissenschaft, Bildung, Sport, Kunst – hätten die Menschen genauso hoch hinaus gewollt wie er? Es sind diese Fragen, über welche die USA jetzt nachdenken, zu Kennedys 100. Geburtstag am 29. Mai.

Eigene Kommission plante Jubiläumsveranstaltungen

Eine spezielle Kommission hat zu dem Datum eine Reihe von Veranstaltungen angesetzt, von einer Ausstellung historischer Fotos bis zu Gedenkkonzerten. Kennedys Präsidentenbibliothek in Boston zeigt eine Ausstellung persönlicher Gegenstände, und quer durchs Land findet eine Reihe von Footballspielen zu seinem Andenken statt.

Alle Veranstaltungen versuchen, den Geist von Optimismus und Hoffnung einzufangen, der mit Kennedys Aufstieg und seiner knapp dreijährigen Präsidentschaft zusammenfiel, wie es von den Organisatoren heißt.

Kein anderer Politiker wurde so oft fotografiert wie JFK

Die Fotoausstellung im Smithsonian American Art Museum in Washington – einem der bekanntesten Kunstmuseen der USA – zeigt 77 Bilder, die sein gesamtes Leben abbilden. Das Museum hebt hervor, dass seine Karriere mit dem goldenen Zeitalter der Fotografie zusammenfiel – und JFK wurde damals häufiger fotografiert als jeder andere Politiker.

Das früheste Bild der Ausstellung zeigt John Fitzgerald im Alter von zwei Jahren, im Jahr 1919, auf dem Trittbrett eines Ford Model T stehend. Sein älterer Bruder Joe steht neben ihm, der reiche und gut angezogene Vater der Jungen ein Stück entfernt.

Mit 46 Jahren am 22.11.1963 in Dallas erschossen

Das letzte Foto hebt sich nicht nur vom mehrheitlich schwarz-weißen Rest der Bilder ab, weil es ein Farbfoto ist. Sein türkiser Himmel, das Pink des Kostüms von First Lady Jacqueline Kennedy und das Rot der Rosen, die sie hält, sind jedem vertraut, der weiß, was am 22. November 1963 in Dallas geschah. Das Bild zeigt die Ankunft des Paares am Flughafen, nur Stunden bevor die Schüsse des Attentäters den 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten im Alter von nur 46 Jahren niederstreckten.

Kennedy hatte geplant, seinen Auftritt in Dallas zu nutzen, um den Wert von Bildung und die „Verbindung zwischen Führen und Lernen“ zu unterstreichen. „Unwissenheit und Desinformation“ wollte Kennedy verdammen: Gewännen diese in der Außenpolitik die Oberhand, so hatte er vor zu warnen, bedrohe das die Sicherheit der USA. Werde Amerikas Führung nicht von Lernen und Vernunft geleitet, würden „jene, die Rhetorik mit Realität und das Plausible mit dem Möglichen verwechseln, mit ihren vermeintlich flinken und einfachen Lösungen für jedes Problem der Welt die öffentliche Meinung für sich gewinnen“.

Washington erinnert sich an Kennedy - in Zeiten von „Fake News“   

Es sind Worte, über die Washington nachdenkt, mehr als 50 Jahre nachdem Kennedy sie verfasste – und wenige Monate nach einer Präsidentenwahl, in der „Fake News“ und einfache Lösungen eine Rolle spielten.

Kennedys 100. Geburtstag erinnert auch daran, dass die Amerikaner immer Details aus dem Leben eines Präsidenten mochten, die außerhalb seines politischen Lebens liegen: Vom Aufwachsen in seiner reichen irisch-katholischen Familie über seine Traumhochzeit mit „Jackie“ bis zu den ihm stets nachgesagten Affären.

Einen Fixplatz in der Weltgeschichte hat Kennedys Rede Rathaus Schöneberg in Berlin am 26. Juni 1963 erlangt, wo er den Zehntausenden Zuhöhern das berühmte "Ich bin ein Berliner" zurief (siehe YouTube-Video von www.thehistoricalarchive.com).  

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Als jüngster jemals gewählter Präsident (mit 43), einziger Katholik im Weißen Haus und einer der wenigen, die junge Kinder hatten, brachte JFK in jedem Fall Frische in die ehrwürdigen Mauern. Wie sehr er diese selbst ehrte, zeigt sich laut dem Historiker David McCullough in einer von ihm angebrachten Inschrift. Einer alten Inschrift aus dem späten 18. Jahrhundert folgend, ließ Kennedy in einen marmornen Kaminsims gravieren: „Möge niemand außer ehrlichen und weisen Männern unter diesem Dach regieren.“

dpa

stol