Samstag, 07. April 2018

15 Jahre seit dem Sturz von Saddam Hussein

Die USA hatten den Irakern Freiheit und Demokratie versprochen, als sie vor 15 Jahren den irakischen Machthaber Saddam Hussein stürzten. Gebracht hat die umstrittene US-Militärintervention jedoch einen Bürgerkrieg, der das Land zwischen Euphrat und Tigris tief gespalten und schwer verwüstet hat.

Das Herunterreißen der Statue des Machthabers markierte die Wende.
Das Herunterreißen der Statue des Machthabers markierte die Wende. - Foto: © APA/AFP

Heute blicken selbst viele Iraker, die von Saddam Hussein verfolgt worden waren, mit Bitterkeit auf dessen Sturz am 9. April 2003 zurück. Der kurdische Politiker Mahmud Othman, der seit seiner Jugend im Widerstand gegen Saddam Husseins Baath-Partei aktiv war, hatte sich damals eine bessere Zukunft für seine Volksgruppe erhofft.

Nach dem Ende des „Albtraums“ gehörte er zur Übergangsregierung, die von den USA eingesetzt worden war. Heute sagt Othman aber, „die Amerikaner hatten einen Plan zum Sturz von Saddam Hussein, nicht aber für die Zeit danach“.

Viele Arbeitslose nahmen den Kampf gegen die US-Besatzer auf

Nach der Machtübernahme in Bagdad löste der US-Zivilverwalter Paul Bremer nicht nur die Baath-Partei, sondern auch die Sicherheitskräfte auf. Viele der damit arbeitslos gewordenen Soldaten und Polizisten schlossen sich daraufhin dem Kampf gegen die US-Besatzer an.

Zugleich verschärften sich die konfessionellen Spannungen, da die lange unterdrückten Schiiten die Chance nutzten, die Macht an sich zu reißen.

„Wir dachten, wir würden ein föderales und demokratisches System erhalten, doch wir bekamen Konfessionalismus und Chauvinismus“, sagt heute der Vorsitzende der oppositionellen kurdischen Goran-Partei, Rauf Maaruf. Während schiitische, sunnitische und kurdische Parteien in Bagdad um Posten und Ressourcen stritten, versank das Land in einem Strudel der Gewalt zwischen ethnischen und religiösen Milizen.

Mancher Iraker denkt mit Nostalgie an Hussein

Heute denkt mancher Iraker sogar mit Nostalgie an die Herrschaft der Baath-Partei zurück. „Saddam Hussein war ein starker Mann, er hat alles kontrolliert und die ganze Welt mit seinen Chemiewaffen erschreckt“, sagt der Friseur Kaiss al-Scharea. Von seinem Laden am Al-Firdos-Platz im Zentrum Bagdads konnte er auf die monumentale Bronzestatue Saddam Husseins schauen – bis sie am 9. April 2003 gestürzt wurde.

Die Bilder, wie US-Soldaten die Statue vom Sockel rissen, gingen damals um die Welt und markierten den Sturz des Machthabers. „Bagdad ist gefallen, als die Statue gefallen ist“, sagt al-Scharea. Damals zog er es vor, die Szene im Fernsehen zu verfolgen, statt vor die Tür seines Ladens zu treten. Seitdem geht der Irak „einen Schritt voran und fünf zurück“, meint der Friseur, vor dessen Laden heute ein Trümmerfeld liegt, wo einst die Statue stand.

apa/afp

stol