Mittwoch, 06. April 2016

200.Geburtstag Dr. Franz Tappeiner

Die originelle Idee, eine zweitägige Tagung, einen Rundgang, einen philosophischen Gedankenaustausch, sowie einen botanischen Treff zum 200. Geburtstag des Kurarztes, Botanikers und Anthropologen Dr. Franz Tappeiner zu initiieren, stammt von Paul Rösch, bisheriger Touriseumdirektor und nunmehr Bürgermeister derStadt Meran.

Marmorbüste des Dr. Franz Tappeiner am Tappeinerweg
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Marmorbüste des Dr. Franz Tappeiner am Tappeinerweg

Im Frühjahr 2016 hat Meran das Jubiläum Tappeiners schon begonnen gebührend zu feiern durch die Kurverwaltung, der Urania, der Stadtgemeinde und den Gärten von Trauttmansdorff.

Aber lassen wir jetzt Dr. Franz Tappeiner selbst aus seinem Curriculum Vitae erzählen mit der Person des Meraner Kulturvermittler und Darsteller Denis Mader.   

Am Loretzhof oberhalb Laas

"Ich kam ich, am 7. Jänner 1816 im  Vinschgau auf dem Loretzhof oberhalb von Laas mit dem Namen Franz auf die Welt. Weil es Brauch war, sollte ich als erstgeborener Sohn, den Hof übernehmen, Mein Vater ließ sich von der

Mutter, sowie vom Pfarrer von Schlanders in meinen ersten Schuljahren überzeugen, mich den anscheinend gscheiden Bub, studieren zu lassen.“

Auf Vagabondage

„ Nach dem Gymnasium in Meran, erweckte der bekannte Botaniker Dietrich in Padua in mir die Leidenschaft für sein Fach und so unterbrach ich als junger Student mein Studium um in ganz Tirol, nur von Brot und Milch lebend, mit

meiner Botanikbüchse 3624 Arten von Kräutern und Pflanzen zu sammeln. Nach dem Studium der Medizin in Padua und Prag und Wien sammelte und untersuchte ich aus Studienzwecken auch mehrere Sommer lang tausende

Schädel und Beingrüfte aus ganz Tirol.  Nach der Eröffnung meiner Praxis in Laas wurde ich als Arzt auch einmal

als Unterchirurg zu einer Nachbehandlung vom Grafen Trapp eingeladen.“

Ausflug als Liberaler in die Politik

„ Auf Drängen meiner Patienten ließ ich mich 1846 im kleinen Meran der Künstler und Schriftsteller nieder, war

Mitglied der liberalen Stehweingesellschaft des Münchners Friedrich Lentner, zog mit zwei weiteren Kurärzten in

dem Rungghaus unter den Lauben ein.  Am 3. Februar 1847 heiratete ich meine große Liebe, die Tochter des Landschreibers an der Etsch, Matilde Tschiderer von Gleifheim. Sie gebar mit zwei gesunde Kinder, zuerst Hermann, , dann Hedwig,  Im entscheidenden Jahr für die deutsche Demokratie bewarb ich mich als Liberaldenkender für die Abgeordnetenkammer der deutschen Nationalversammlung in Meran.“

Hippokrates und mein unsagbarer Schmerz

„ Nach diesem misslungenen Intermezzo in die Politik, widmete ich mich wieder ganz meinen Patienten. Ich ließ die zahlreichen Lungenkranken nicht außer acht und nahm mir reichlich Zeit für die Unterleib -und Nervenpatienten. Als Anhänger des Hippokrates pflegte ich auch danach zu handeln: Luft, Wasser und vegetarische Kost waren mein Kredo,  Ich forschte auch auf dem Gebiet der Pathologie und Ansteckung der Tuberkulose und machte für Zweifler

größer angelegte Tierversuche an infizierten Hunden in der Tierarzneischule in Berlin. Auf dem Höhepunkt meiner medizinisch-wissenschaftlichen Tätigkeit erlitt ich durch den Tod meiner geliebten Ehefrau einen schweren Schicksalsschlag. Allen gesellschaftlichen Verpflichtungen ging ich aus dem Wege.

Tochter Hedwig vermerkte in ihrem Tagebuch: 

Papa kehrt erst Ende Oktober in das öde, verlassene Schloss Reichenbach zurück - wie schwer mag ihm diese Heimkehr geworden sein!  Im Winter 1878 verließ er wieder Meran mit unerträglicher Einsamkeit und bereiste Afrika. Im Februar 1879 kehrte er wieder nach Obermais zurück.

"Schon bald darauf ging ich mit Professor Vierchow aus Berlin unserer anthropologischen Leidenschaft nach."

Spendete gern,  aber Ehrungen waren sicher des Guten zuviel

„ Professor Örtl, der Erfinder der Terainkur aus München kam nach Meran, ich wurde zum Landesconservator ernannt.  Zum 70.Geburtstag machten mir meine Patienten ein Riesengeschenk, eine Brücke, den Eisernen Steg, 

Mit meiner Spende konnte 1892 Ingenieur Falkenstein den Auftrag zum Bau der nach mir benannten Promenade am Küchelberg in Auftrag geben. In kürzester Bauzeit von April 1892 bis September 1893. Und am 18.September 1893. Ich nahm. da kein Typ von Ovationen, an der feierlichen Eröffnung meiner Ehrenbüste auf der nach mir benannten Promenade nicht teil.  Fünf Jahre später erhielt ich aus den Händen des Kaiserlichen Gesandten aus Wien neben

der Ernennung zum Ehrenbürger von Meran und Laas auch den Adelsbrief des Kaisers und den Titel Edler von Tappein; dazu noch den Ritterorden der Eisernen Krone III. Klasse."

Mein Vermächtnis an Kinder und Enkel

„ In den ersten Wochen des 20. Jahrhunderts vermerkte ich in meinem Tagebuch: Da außer Haus mit Rollwagen

nicht mehr möglich,  möchte ich jetzt schon meinem Sohn Hermann das Schloss und ein beachtliches Barvermögen, Hedwig meine Villa Hedwigsburg in Obermais und die Ruine Salern  bei Vahrn übergeben. Einmal im Jahr ließ ich es

mir nicht nehmen, mit meiner ansehnlichen Sippe am Loretzhof in Laas zum Feiern zusammen zu kommen.

Die fünf Neffen mit ihrer schmucken Vinschgertracht waren dabei und erhielten von mir jeder einen eigenen Hof oberhalb Laas. Blieb dann nur noch auf meinem Schloss Reichenbach.

Mein letzter Gedanke

"Der galt meinen vielen Patienten und Gönnern, ich dachte an meine schöpferischen Erschließungen am Küchlberg

und an die vielen Forschungen auf dem Gebiet der Botanik und Anthropologie. Neben meinen Patienten ging es mir immer um das Wohl meiner Wahlheimat Meran und um den schönen Vinschgau meiner Vorfahren.“

Kulturvermittlung Denis Mader, Meran

stol